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Münchner Kunsthändler-Archiv künftig im Internet abrufbar

Online-Angebot soll auch die Recherche nach Raubkunst vereinfachen

Nürnberg (ddp). Recherchen über die Herkunft von mehr als 43 000 Gemälden werden ab sofort einfacher. Das Germanische Nationalmuseum (GNM) stellte am Mittwoch gemeinsam mit dem ebenfalls in Nürnberg ansässigen Deutschen Kunstarchiv (DAK) ein neues Internetangebot vor. Damit werden die Akten der sogenannten Galerie Heinemann aus München kostenlos einsehbar.

Dieses Kunsthändler-Archiv bündelt Informationen zum Verkauf und Kauf von Kunstwerken schwerpunktmäßig aus der Zeit zwischen 1890 und 1939 auf über 6000 Seiten Geschäftsbüchern und mehr als 35 000 Karteikarten. GNM-Generaldirektor G. Ulrich Großmann sagte: "Bisher mussten Interessenten diese bei der Recherche mühsam durchsuchen, jetzt wird das wesentlich erleichtert." Das neue Angebot soll am Donnerstag (29. Juli), 19.00 Uhr, online gehen.

Die Daten seien wichtig, wenn es um die Rückgabeansprüche von Nachkommen ehemaliger Eigentümer gehe, die in der Nazizeit enteignet wurden, sagte Großmann. "Bei solchen Fällen kann 'Heinemann Online' Hilfen bieten", fügte er hinzu. Die Informationen über die Gemälde sowie über 13 000 Personen und Institutionen, die mit Erwerb oder Verkauf zu tun hatten, seien aber vor allem bedeutend für die Provenienzforschung.

"Es ist wichtig für ein Museum zu wissen, wo ein Kunstwerk vorher war", sagte der GNM-Generaldirektor. Damit könne man etwas über die Bedeutung der Kunstwerke in dieser Zeit und den Weg erfahren, den sie genommen haben.

Die Karteien und Geschäftsbücher enthalten den Angaben zufolge detaillierte Informationen und erlauben eine Identifizierung von Kunstwerken, Künstlern, Verkaufszeitpunkten sowie in den Handel einbezogene Personen oder Institutionen. Rückschlüsse auf den materiellen Wert seien "nicht unbedingt" möglich, sagte Großmann. Die im Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München aufbewahrten Kataloge und Fotografien der Galerie Heinemann wurden ebenfalls digitalisiert und in die Datenbank integriert.

Damit sind Unterlagen im Zeitraum von der Galeriegründung im Jahre 1872 bis zur "Arisierung" des jüdischen Unternehmens Ende 1939 durch die Nazis verfügbar. Nach Angaben von DAK-Leiterin Birgit Jooss emigrierten die Eigentümer nach New York und überlebten den Holocaust. 1946 kam der Enkel des Galeriegründers zurück und übergab 1972 die Unterlagen dem Deutschen Kunstarchiv. Bisher hätten rund fünf bis zehn Interessenten im Monat recherchiert, mit dem neuen Angebot erwarte man eine "deutliche Steigerung", sagte Jooss.

Das Projekt kostete den Angaben zufolge knapp 176 000 Euro. Davon übernahmen die Projektpartner rund 40 000 Euro, der Rest sind Bundesmittel. Die Transkription und Digitalisierung der Daten dauerte rund ein Jahr. Damit waren nach Angaben von Jooss bis zu acht Mitarbeiter beschäftigt.

ddp

 
erschienen am 28.07.2010
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