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Museum zeigt erstmals Schau aus Firmenarchiv von Reemtsma
Leihgaben aus Hygienemuseum zu Krebsgefahr - Werbung für Rauchen reflektierter gewordenrner --
Hamburg (dapd). Die Stadt Hamburg und der Zigarettenkonzern Reemtsma verbindet eine lange gemeinsame Tradition. 1923 verlagerte Bernhard Reemtsma seine 13 Jahre zuvor erworbene Fabrik von Erfurt in die Hansestadt, in den Stadtteil Altona-Bahrenfeld. In der Folge avancierte Reemtsma zu einem "Pionier des Marketings und der Markenwerbung", wie Stefan Rahner vom Hamburger Museum der Arbeit sagt. Der Kurator zeichnet ab Freitag für eine Schau verantwortlich, die bei ihren Besuchern zu unterschiedliche Reaktionen führen wird: Während die einen das erstmals der Öffentlichkeit präsentierte Firmenarchiv von Reemtsma als ein Stück Hamburger Geschichte empfinden, werden die anderen nach einem kritischen Umgang mit den Gefahren des Rauchens suchen. Beiden will "Werbewelten made in Hamburg. 100 Jahre Reemtsma" im Museum der Arbeit gerecht werden.
2004 hat das Haus das komplette umfangreiche Firmenarchiv des Zigarettenkonzerns von Reemtsma erworben. Dies beinhaltet die tabakhistorische Sammlung mit 3.000 Objekten zur Kulturgeschichte des Tabaks, 600 Plakaten der Zigarettenwerbung, 400 Grafiken zum Thema Rauchen sowie das Werbemittelarchiv mit 3.000 Plakaten und Werbeschildern, 25.000 Anzeigen und 10.000 Zigarettenpackungen. Reemtsma wurde 1980 Teil des Tchibo-Konzerns. Seit 2002 gehört die Nummer zwei im deutschen Tabakmarkt zur britischen Imperial Tobacco Group, dem viertgrößten Tabakunternehmen der Welt.
So wird die Ausstellung für den militanten Nichtraucher vielleicht zu unkritisch sein, rauchen doch mehr als 1,3 Millionen Kinder und Jugendliche hierzulande und sterben täglich über 350 Menschen an den Folgen des Zigarettenkonsums. Rahner betont, dass die Schau gleich zu Beginn auf die Gefahren des Rauchens hinweise. Auch habe das Deutsche Hygienemuseum das Hamburger Konzept vorab gesehen und mit Leihgaben zur Aufklärung von Krebserkrankungen unterstützt.
Reemtsma-Sprecherin Svea Schröder sagt, dass der Konzern inzwischen bewusster mit den Gefahren des Rauchens umgehe, die Warnhinweise auf den Packungen seien nicht mehr zu übersehen. Das Unternehmen werbe nicht in der Nähe von Schulen oder anderen Orten, an denen sich vermehrt Kinder und Jugendliche aufhielten. Auch setze Reemtsma keine Models mehr ein, die jünger als 30 Jahre aussehen, verzichte auf Jugendjargon sowie auf die Verbindung von Sport und rauchen, Coolness und Rauchen, sexuelle Potenz und rauchen. "Früher war das sehr unreflektiert", sagt Schröder.
Nach Angaben der Direktorin des Museums, Kirsten Baumann, ging es dem Haus nicht primär um das Rauchen, sondern um ein Stück Kultur-, Wirtschafts- und Werbeschichte. Auch habe der Zigarettenkonzern, der die Hälfte des nicht bezifferten Etats für die Schau trägt, "zu keiner Zeit" Einfluss genommen. "Das Konzept ist in unserem Haus entstanden", sagt sie.
So ist die Ausstellung trotz möglicher Kritik zweifellos ein Stück Hamburger und deutscher Geschichte. Mit Hilfe der vielfältigen Exponate wirft die eigens für das Museum der Arbeit kuratierte Schau einen Blick zurück. In die drei Bereiche Tabak, Zigarette und Werbung gegliedert, erzählt das Haus die Entwicklung des Unternehmens Reemtsma sowie ein wichtiges Kapitel der deutschen Marken- und Werbegeschichte. Was in unserer heutigen Produkt- und Konsumlandschaft selbstverständlich sei, sei damals der Schlüssel zum Erfolg gewesen, erklärt Kurator Rahner: Ein Massenprodukt wurde zur Marke aufgebaut und gezielt beworben. Das Unternehmen habe rund um seine Marken Werbewelten geschaffen, die gesellschaftliche Veränderungen spiegelten und den Wandel der Rollenbilder von Mann und Frau zeigten.
dapd