Foto: dapd

Pop-Diva im neuen Soundkleid

Marianne Rosenberg erfindet sich auf Album "Regenrhythmus" mal wieder neu

Berlin (dapd). Marianne Rosenberg hat sich im Laufe ihrer nunmehr fast 40-jährigen Karriere schon einigen Wandlungen unterzogen. Mit rockigeren Tönen, Lederoutfit und kräftigem Kajalstrich versuchte sie in den 80er Jahren ihr Schlagerimage abzustreifen. Später legte sie ihre alten Hits im Discosound neu auf und wagte sich auch an Jazz und Chanson.

Ihrem neuen Popalbum "Regenrhythmus" (Veröffentlichung am 25. Februar), das sie zunächst auf eigene Faust und ohne Plattenfirma im Rücken produzierte, hat sie nun einen geradezu elegischen, elektronisch-sphärischen Sound verpasst.

"Wenn ich nach so langer Zeit wieder ein Studioalbum mache, wollte ich mich nicht den Kriterien einer Plattenfirma unterworfen fühlen - nämlich so zu klingen, wie deren Ansicht nach Marianne Rosenberg heute zu klingen hat", sagt sie im dapd-Gespräch. Schlagerseligkeit im Discofox-Rhythmus darf niemand von ihr erwarten.

Als sie im Teenageralter mit Liedern wie "Fremder Mann" und "Ich bin wie du" ihre ersten Chartserfolge feierte, war sie das Nesthäkchen unter all den Schlagerstars dieser Zeit. Mit den ehemaligen Kollegen in der ZDF-"Hitparade" hat sie aber kaum noch etwas gemein. "Ich nehme mir einfach das Recht zu leben und mich zu verändern. Das hört man dann auch aus meiner Musik heraus. In zwei Jahren klinge ich deshalb vielleicht auch wieder ganz anders", sagt sie selbstbewusst und ganz ohne Koketterie.

Für einen Moment könnte man bei ihrem neuen Song "Lauf Kleine" denken, er erzähle von jenem halbwüchsigen Mädchen Marianne, das binnen weniger Jahre zu einer der erfolgreichsten Schlagersängerinnen Deutschlands heranwuchs. Tatsächlich aber singt Rosenberg in diesem mit viel Sprachwitz getexteten Song von sehr heutigen Castingshow-Teilnehmerinnen und deren ausgebeuteten Hoffnungen.

"In gewisser Weise war ich auch mal diese Kleine, von der ich in dem Lied singe", sagt Marianne Rosenberg. "Ich hatte aber die Gnade der frühen Geburt." Ihr habe man damals noch einige Jahre gegeben, um sich in Ruhe zu entwickeln. "Heute geht das Zackzackzack, und die müssen in einem Affentempo durch diese Maschinerie - und dann kommt das neue kleine Fräuleinwunder, und das alte fällt wieder in die Versenkung."

Doch auch Rosenberg fühlte sich an einem Punkt ihrer Karriere nur noch als Produkt der Musikindustrie, und als es ihr Vertrag erlaubte, stieg sie aus. Damals, im West-Berlin der 80er Jahre, warf sie ihr bisheriges Leben komplett über den Haufen.

Die Sängerin, die stets mit ordentlicher Rundbürsten-Föhnfrisur in zahllosen Fernsehauftritten zu einem der wichtigsten Gesichter des deutschen Schlagers wurde, lebte nun in einem besetzten Haus, lernte in der linksrevolutionären Anarchoszene ihren Lebensgefährten und späteren Vater ihres Kindes kennen. Statt in Schlagershows sah man sie auf Demos marschieren, ganz stilvoll in High Heels. Und der Sänger Rio Reiser drängte sie erfolgreich dazu, künftig ihre Lieder selbst zu schreiben.

"Das war meine wichtigste Phase im Leben, meine verspätete Abnabelung von zu Hause, von den Plattenbossen", sagt Rosenberg heute über diese Zeit. "Ich war auf der Suche nach dem Anderen, dem Neuen - auch in der Musik", erinnert sie sich. Durch die frühe Karriere sei ihr gar nicht die Zeit geblieben für "so etwas Normales wie die erste Lieben im Teenageralter. Das habe ich alles verpasst und musste ich dies alles nachholen."

Nun ist für sie wieder einmal solch ein Zeitpunkt gekommen, um Neues auszuprobieren, ohne sich dabei radikal zu verändern. Ab 18. März stellt sie ihr neues Album während einer Clubtour unter anderem in Hamburg, München, Leipzig, Köln und Berlin vor.

dapd

 
erschienen am 19.02.2011
© Copyright dapd Nachrichtenagentur GmbH
 
Kommentare
0
(Anmeldung erforderlich)

 
 
 
Artikel weiter empfehlen
per E-Mail per Bookmark
 
Facebook Teilen   Twittern  
 
Videos