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Super-Siegfried bei Bayreuth-Debüt gefeiert

Kanadier Lance Ryan erobert die Zuschauer der Oper "Siegfried" im Sturm

Bayreuth (ddp). Die Bayreuther Festspiele haben einen neuen gefeierten Siegfried. Am Freitagabend gab der Kanadier Lance Ryan sein Debüt als Heldentenor auf dem Grünen Hügel in der Titelpartie des dritten Teils von Richard Wagners "Ring des Nibelungen". Mit seinem lyrischen Tenor eroberte er die Zuschauer der Oper "Siegfried" im Sturm, obwohl ihm die Regie kein wirklich heldenhaftes Auftreten gestattete. Großen Applaus gab es auch für die anderen Sänger. Auch Dirigent Christian Thielemann konnte, wie schon bei den ersten beiden Teilen des "Rings", in Begeisterung baden. Der neue musikalische Berater der Festspielleitung führte das Festspielorchester zu einer glanzvollen und hochemotionalen Darbietung. Regisseur Tankred Dorst und sein Team stellen sich vermutlich erst nach dem vierten Teil der Tetralogie am Sonntag dem Publikum.

Die Inszenierung des Dramatikers Dorst blieb auch in seinem finalen Aufführungsjahr weitgehend unverändert altbacken. So schmiedet Siegfried sein Schwert im Physiksaal einer verlassenen Schule. Eine unvollendete Autobahnbrücke ist der Schauplatz für den Drachenkampf, der Waldboden tut sich zur Höhle Fafners auf (Bühnenbild: Frank Philipp Schlößmann), der auf einem Campingstuhl hockt.

Der Siegfried ist bei Regisseur Dorst eine Figur mit roher Gewalt, fernab des Klischees vom muskulösen, blonden Helden. Man erkennt ihn kaum als menschliche Gestalt, zur Kommunikation mit anderen ist er nicht fähig. Eine Person, die Dorst bewusst gegen den Pathos und die Schwere der Musik Wagners gesetzt hat.

Um die Freiheit der mythischen Menschen deutlich zu machen, bewegen sich immer wieder heutige Menschen an den Orten der Handlung, nehmen aber die dramatischen Vorgänge gar nicht wahr. Das Szenebild öffnet sich schließlich in die Sternennacht, die Sphäre der Nornen, die auch in der "Götterdämmerung" eine Rolle spielen wird.

Im langen Liebesduett begegnen sich Siegfried und Linda Watson als Brünnhilde mit Kraftgesang und ekstatischer Steigerung. Als Mime ist, wie im Vorjahr, Wolfgang Schmidt zu erleben. Fafner ist, wie schon im "Rheingold", der solide Diogenes Randes, den Alberich gibt Andrew Shore.

Der gesamte Ring in der Regie des heute 84-jährigen Dorst ist in dieser Saison zum letzten Mal zu sehen. 2013 wird es die Tetralogie in einer Neuinszenierung geben. Thielemann wird 2012 am Grünen Hügel den "Fliegenden Holländer" dirigieren, 2015 folgt "Tristan und Isolde".

ddp

 
erschienen am 30.07.2010
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