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Warhols Gespür für starke Titelbilder
Das MMK Frankfurt macht die Faszination des Pop-Art-Künstlers für Zeitungen anschaulich
Frankfurt/Main (dapd). Am 23. Februar 1987 titelte die "New York Post" in großen Lettern: "Andy Warhol mit 58 gestorben". Der "Prinz der Pop-Art, der eine Suppendose in einen Museumsschatz verwandelte", wie es weiter über das "Medien-Genie" hieß, war am Tag zuvor gestorben. Das Andy Warhol Museum in seiner Geburtsstadt Pittsburgh nahm das Titelblatt jener Ausgabe der "New York Post" in sein Archiv auf, so wie es über viele Zeitungsseiten verfügt, die der Künstler als Vorlage für manche seiner bekanntesten Werke benutzte. Wie er dabei vorging, zeigt die Ausstellung "Warhol: Headlines" im Frankfurter Museum für Moderne Kunst (MMK). Sie beginnt am 10. Februar und dauert bis 13. Mai.
Der Kurator der Ausstellung, MMK-Sammlungsleiter Mario Kramer, sagt am Dienstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd, der 1928 geborene Warhol sei geradezu fasziniert gewesen von Massenmedien. "Gerade Zeitungen, die sich mit reißerischen Schlagzeilen jeden Tag millionenfach verkauften, interessierten ihn brennend", sagt Kramer. Umgekehrt habe Warhol "ein geradezu unglaubliches Gespür für wirkungsvolle Bilder" besessen, wie seine Arbeiten - manche davon mit die berühmtesten der gesamten Kunstgeschichte, zeigten.
Warhols Gemälde "Eddie Fisher Breaks Down" etwa zeigt seine Bearbeitung eines tatsächlichen Titelblatts der "Daily News" vom März 1962. Manches ließ er weg, die Auflagenhöhe von 1,9 Millionen Exemplaren übernahm er. "Die Auflage muss ihn beeindruckt haben. Er hätte das Internet geliebt. Ihn interessierte ja nicht nur Kunst, sondern auch die Reproduzierbarkeit und auch, wie man ein Produkt verkauft", sagt Kramer.
Erstmals Vergleich von Vorlage und Bild
Das Bild mit Liz Taylor und ihrem betrogenen Ehemann Eddie Fisher befindet sich im Besitz des MMK. Die anderen der rund 100 gezeigten Arbeiten Warhols stammen von Leihgebern aus den USA, Italien, der Schweiz und von anderswo. Die Besucher können anhand der originalen Zeitungsseiten Warhols Bilder mit seinen Vorlagen vergleichen - das sei bislang nicht möglich gewesen, sagt Kramer.
Die Vorlagen stammen aus dem Archiv des Warhol Museums in Pittsburgh, das gemeinsam mit dem MMK, der National Gallery in Washington und der Galleria Nazionale d'Arte Moderna in Rom die Ausstellung erarbeitete. In Deutschland ist die Ausstellung nur in Frankfurt zu sehen, und ein Raum überhaupt nur dort: Er zeigt eine große Auftragsarbeit Warhols für den Burda-Verlag mit mehreren Titelblättern der "Bunten" - natürlich in bunt.
Überhaupt Titelblätter. Sie hätten es Warhol besonders angetan, da sie teils brennende Tagesthemen neben völlig Triviales stellten, sagt Kramer. Alltägliches wurde so überhöht. Diese Faszination habe sich im Werk Warhols in den Jahren 1958 bis 1961 herausgebildet und bis zu seinem Tod 1987 gehalten. "Was wir hier zeigen, ist die Geburtsstunde der amerikanischen Pop-Art", sagt Kramer.
dapd