Regionales
Holzhandel wird zum Raub der Flammen
500.000 Euro Schaden - Polizei: Brandstiftung denkbar
Glauchau. Großeinsatz für die Feuerwehr am Sonntagmorgen - und ein schlimmer Verdacht: War es Brandstiftung? Ein Flammenmeer hat im Holzhandel an der Ecke Rosa-Luxemburg-Straße/Albanstraße Schaden von mindestens einer halben Million Euro angerichtet. 115 Einsatzkräfte kämpften gegen die Flammen auf dem Gelände der Firma Schellenberg an. Jetzt ermittelt die Polizei, schließt Brandstiftung nicht aus.
Das Protokoll der Brandnacht: Der Notruf geht um 4.34 Uhr in der Rettungsleitstelle ein. Sechs Minuten später treffen Einsatzkräfte des ersten und zweiten Löschzuges der Freiwilligen Feuerwehr am Ort des Geschehens ein. "Die Lagerhalle stand komplett in Flammen", berichtete Feuerwehrsprecher Bernd Spatzier. Die Verantwortlichen fordern Verstärkung an. Wenig später sind die Trupps des dritten bis fünften Löschzuges sowie der Ortswehren Niederlungwitz, Reinholdshain und Wernsdorf da. Zudem hilft die Feuerwehr Meerane.
Lungwitzbach hilft
Erst vor wenigen Tagen hatte Regen den Keller der Firma Schellenberg geflutet. Diesmal allerdings ist das Wasser dringend nötig. Zum Löschen wird der nahe Lungwitzbach genutzt. Doch die Flammen sind übermächtig. Deswegen geben die Löschkräfte die Lagerhalle weniger später auf. Jetzt geht es darum, zu verhindern, dass die Flammen auf weitere Wohn- und Firmenhäuser übergreifen.
Den Rettern macht die extreme Hitze zu schaffen. "Die Sohlen der Feuerwehrstiefel haben sich abgetrennt. Teilweise konnte der Brand nur im Liegen bekämpft werden, weil die Einsatzkräfte ihre Gesichter schützen mussten", sagte Günter Langer von der Feuerwehr. Eine Wasserschneise verhindert, dass sich die Flammen weiter ausdehnen. Rund anderthalb Stunden nach dem Einsatzbeginn haben die Feuerwehrleute den Brand unter Kontrolle.
Wehr begrenzt Schaden
Was die Hitze mit bis zu 1000 Grad angerichtete hat, wird beim Blick auf andere Gebäude des Holzhandels deutlich: Fenster sind geborsten, Kunststoffteile an Türen geschmolzen. "Nur das beherzte Eingreifen der Feuerwehr hat verhindert, dass noch größerer Schaden entstanden ist", sagte Glauchaus Oberbürgermeister Peter Dresler (parteilos), der den Löscheinsatz verfolgte. Bis zum Mittag dauerten die Arbeiten, die auch vom Baubetriebshof unterstützt wurden.
Erst die Flut im Haus, jetzt der große Brandschaden: Entsetzt verfolgte am Sonntag Alexander Wronski (38), Geschäftsführer des Holzhandels Schellenberg, den Löscheinsatz. Er muss sich nun darum kümmern, dass das Traditionsunternehmen mit zwölf Mitarbeitern weiterarbeiten kann. In der Halle, die zwölf Meter breit und 14Meter lang war, lagerten Holzvorräte und Technik. Erst im Herbst 2003 war der Komplex eingeweiht worden. Auch ein Seitenstapler wurde zerstört, der für die Arbeit unentbehrlich ist. "Wir müssen uns so ein Gerät jetzt wohl erstmal ausleihen", sagte der Firmenchef. Wronski war per Telefon über das Feuer informiert worden, hatte die Flammen schon von seinem Wohnort Oberschindmaas aus gesehen. "Da geht einem alles und gar nichts durch den Kopf", beschrieb er seine Gedanken.
Die Polizei war mit 20 Beamten und Ermittlern im Einsatz. Mathias Urbansky, Leiter des Polizeireviers in Glauchau, schließt Brandstiftung nicht aus. In der Nähe fand ein Rockkonzert im alten Kraftwerk statt. "Wir überprüfen, ob es einen Zusammenhang zwischen der Veranstaltung und dem Feuer gibt", so Urbansky. Vorsorglich wurden Personalien von etwa 30 Konzertbesuchern notiert. Eine Gefahr habe für sie nicht bestanden, hieß es.
Von Holger Frenzel
Erschienen am 13.09.2009weitere Meldungen:
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