Regionales
Kooperation zwischen öffentlicher Hand und Privaten gescheitert
Umstrittenes Projekt einer Leipziger Galerie geht ergebnislos zu Ende
Leipzig (ddp). Als Barbara Steiner, die Direktorin der Leipziger Galerie für Zeitgenössische Kunst (GfZK), Ende Januar zur elften und letzten Runde des Ausstellungsprojekts Carte Blanche rief, blieben die Räume in ihrem Glas-Stahl-Museumsbau leer. Zwei Jahre lang, seit Januar 2008, hatte Steiner den Neubau ihres Hauses insgesamt elf Unternehmen, privaten Sammlern und kommerziellen Galeristen gegen Zahlung der Ausstellungskosten für eigene Ausstellungen überlassen. Carte Blanche (Freibrief) hieß das Vorhaben, das laut Steiner ein "Forschungsprojekt" sein sollte. Nun steht fest: Es ist gescheitert.
Carte Blanche sollte Aufschluss über das "konfliktreiche Verhältnis" zwischen öffentlichem Museum und privaten Geldgebern geben. Nach zehn erfolgreichen Ausstellungen zogen ausgerechnet die letzten Mieter - das Kunstsammlerehepaar Schmitter - ihre mündlich vereinbarte Beteiligung an Carte Blanche zurück. Horst Schmitter beklagte "die anhaltende öffentliche Kritik" an dem Projekt und befürchtete, es könnte dem Museum schaden und trat deswegen aus dem Kreis der elf Carte-Blanche-Partner aus.
Kritiker wie etwa Steiners Kollege Chris Dercon vom Münchner Haus der Kunst hatten es als "naiv" bezeichnet, die Geldnot von öffentlichen Kunsthäusern zum Forschungsprojekt zu verklären. Denn Steiners Idee, das Verhältnis zwischen Sponsoren und Kunsthaus zu erfoschen, sei vor allem aus der Tatsache entstanden, dass Steiners Haus chronisch unterfinanziert sei. Auf Unverständnis war auch die nach Ansicht von Kritikern zu geringe Distanz der Galerie zu privaten Geldgebern gestoßen. Dass statt der Schmitter-Ausstellung nur leere Wände zu sehen waren, ließ sich als sichtbares Zeichen für diese Kritik verstehen.
Mittlerweile wird vor allem die Routine beklagt, mit der Steiner das Spiel zwischen Öffentlichen und Privaten zur Tugend erklärt habe. Ein Leipziger Kunstkritiker etwa hielt für Carte Blanche das Bild vom Einbrecher parat, den man, weil die Kriminalität ohnehin hoch sei, ins Haus bitte und dann den Hausmeister spielen lasse. Steiner entgegnet, dass es kein eindeutiges Ergebnis des Forschungsprojekts gebe: "Die Frage danach wurde immer wieder gestellt, um dann triumphierend festzustellen, dass sie nicht beantwortet werden kann. Es gibt einige Ergebnisse, aber nicht die eine Erkenntnis."
Kritiker, die Steiners Haus vorwerfen, sie könne das Wechselspiel aus öffentlichem Kunstauftrag und privater Finanzierung gar nicht unparteiisch erforschen, fühlen sich durch Steiners Sätze bestätigt. Für sie liegt der Erkenntnismangel in der Konstruktion des Hauses begründet. 1998 als einer der spektakulärsten Museumsgründungen in den neuen Bundesländern eröffnet, bestreiten der Freistaat Sachsen, die Stadt Leipzig und private Förderer zu je einem Drittel die Ausgaben des Hauses. Den größten privaten Anteil zahlt der Industrielle Arend Oetker. Entsprechend klein sei Steiners Spielraum, die Privaten zu kritisieren, sagen die Beobachter von Carte Blanche.
Zwar sind die Kooperationen zwischen öffentlicher Hand und Privaten in Sachen Kunst gang und gäbe. So basieren das Münchner Museum Brandhorst, das Museum in Berlin oder die Sammlung Buchheim am Starnberger See auf der Arbeitsteilung zwischen privatem Kapital und öffentlicher Hand. Nicht immer aber, und das ist für die Kritiker ein wichtiger Punkt, seien beide Seiten wirklich gleichberechtigt. Um der privaten Sammlung Brandhorst ein Museum zu bauen, suspendierte der Freistaat Bayern öffentliche Bauvorhaben. Und das Hallesche Kunstmuseum Moritzburg etwa wurde aufwendig umgebaut, um eine umfangreiche private Leihgabe auszustellen, die zumindest theoretisch wieder abgezogen werden könnte.
Steiner indes setzt die Forschung im Ausstellungsjahr 2010 fort, sie will weiterhin "Kooperationsformen zwischen Privaten und GfZK erproben". Gleicher Inhalt neue Verpackung? "Wir wollen gar nicht ohne das Geld der Privaten", sagt sie.
(ddp)
© Copyright ddp Nachrichtenagentur GmbH
weitere Meldungen:
Testen Sie Ihr Fahrschulwissen! Informieren Sie sich über die neuesten Automodelle, faszinierende Oldtimer und holen sich Sicherheitstipps und Infos zum aktuellen Straßenverkehr im Online-Special... Museen & Ausstellungen
Geschichte nicht nur zum Anschauen sondern auch zum Anfassen, dass bieten die Museen im Erzgebirge. Hier wird Geschichte lebendig ... Ihr Unternehmen in Web + Zeitung
Lust auf innovative Werbekonzepte? Unsere Kombi: Video-Clip, Printwerbung und Webpräsenz.Erfahren Sie mehr:
Zu den Unternehmensvideos
Hotel "Nussknacker"
Naturhotel Lindenhof
Sportzentrum am Taurastein
Steinmetz Scheunert
Zum Türmer
Gasthof zu Alten Mühle
Gala 3000 Küchencenter
RauMa Thalheim Ihre Schnellsuche für Konzert-Tickets
Mit unserer neuen Schnellsuche können Sie Konzert-Tickets jetzt noch leichter finden. Zur Ticketsuche... Für sonnige Gemüter...
Machen Sie einem lieben Menschen eine Freude und überraschen Sie ihn mit diesem Traum aus farbenfrohen Sommerblumen. Jede Woche Partytipps!
• Sauberg Open Air, Ehrenfriedersdorf, 30.-31.07.• Sunset Beats, Del Sol, Chemnitz, 31.07.
• Emotions Summertour, Strandbad Planitz, Zwickau, 31.07.

Wissenswerte Informationen hier.
Übersicht
Drucken
Versenden
