Chemnitz

Jugendklub stellt sich gegen rechts

Am neuen Treff in Limbach-Oberfrohna entspinnt sich eine Debatte über linke und rechte Jugendliche in der Stadt


Noch erkennt man an der Fassade nicht, dass hier am Samstag einer neuer Klub öffnet.

Foto: Jürgen Sorge

Limbach-Oberfrohna. Noch vor der Eröffnung eines neuen Jugendtreffs an der Helenenstraße in Limbach-Oberfrohna steht der Treff im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Am Wochenende wurden zwei Scheiben eingeschlagen.

"Einige Jugendliche, die sich nicht der rechten Szene in Limbach anschließen wollen, werden seit über einem Jahr von rechts orientierten Jugendlichen bedroht und zum Teil auch körperlich verletzt", berichtet Manuela Weis. Deshalb sei der Verein Soziale und politische Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna gegründet worden.

Der Jugendtreff

Für einen Treff sei ein ehemaliger Laden in der Helenenstraße angemietet worden. "Die Miete dafür finanzierten sie durch Spenden, vom Lehrlingsentgelt und durch Zeitung austragen. Es wurde renoviert und sauber gemacht. Auch die Eltern halfen mit. Ein Tischlerlehrling baute einen Tresen." Die etwa 15 Jugendlichen seien froh, endlich einen Treff zu haben. So seien verschiedene Projekte wie Hausaufgabenbetreuung, Freizeitangebote und Ausflüge geplant. "Doch irgendjemand stört das", vermutet die junge Frau. Bereits am 4. Oktober hätten sich einige Jugendliche vor dem Laden versammelt, Verkehrsschilder herausgerissen und drohten, den Laden zu stürmen", berichtet sie. Zuletzt seien Freitagnacht Fensterscheiben zerschlagen worden.

"Am Samstagabend haben Eltern eines Vereinsvorsitzenden gesehen, dass schwarz gekleidete Jugendliche vor dem Laden gestanden haben und Steine warfen", erzählt Manuela Weis. Etwa 30 rechtsextremistische Jugendliche hätten sich versammelt. Ein Bus, mit rechtsextremen Jugendlichen besetzt, habe gehalten und sei gleich weiter gefahren, als sie die Polizeiautos gesehen hätten, berichtet sie weiter.

Die Polizei

Die Polizei kann die Sorge nicht teilen, denn ein rechtsextremer Hintergrund am Samstagabend sei ausgeschlossen. Vielmehr sei ermittelt worden, dass Gleichgesinnte im Klub zu Gast waren. Bei den Steinwerfern am Freitagabend sei ein politisches Motiv nicht ausgeschlossen. "Die Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge hat in der Vergangenheit politisch motivierte Kriminalität sehr große Aufmerksamkeit gewidmet und wird dies auch zukünftig tun", versichert Polizeisprecher Frank Fischer.

Das Beratungsteam

Doch das will André Löscher von der Opferberatung Chemnitz, Hilfe für Betroffene rechtsextremer Gewalt, nicht so stehen lassen: "Ja, die rechtsextremen Gruppen sind am Samstag vor dem Treff gesehen worden. Um das Ärgste zu verhindern, haben die Jugendlichen Verstärkung aus ihren Reihen angefordert, die dann im Klub geweilt haben", erklärt er.

Man wolle nun eventuell mit einem Benefizkonzert den Klub am Samstag eröffnen. "Die betroffenen Jugendlichen, die einen Freizeittreff für nicht rechte Jugendliche in Limbach schaffen wollen, sehen sich der Bedrohung schutzlos ausgeliefert. Oft ist es das gleiche Bild: Menschen, welche nach außen hin eine nicht rechte, alternative Meinung vertreten, leben mit dem Risiko, Ziel eines rechten Übergriffes zu werden."

Auch Petra Zais vom mobilen Beratungsteam gegen Rechtsextremismus für den Regierungsbezirk Chemnitz mit Sitz in Neukirchen sagt, dass in Limbach-Oberfrohna rechtsextreme Kameradschaftsstrukturen nie verschwunden seien. Dafür stünden in den letzten Jahren die Skinheads Limbach 88.

Ebenso sei der Club Eastside immer wieder ein Anziehungspunkt für Rechte, und es sei auch in der Vergangenheit zu rechten Aktionen von Gruppierungen um die NPD-Landtagsabgeordnete Gitta Schüßler gekommen. "Ruhig ist es in der rechten Szene in Limbach-Oberfrohna wie auch in anderen Städten und Gemeinden in Sachsen nie gewesen", so Zais. Sie hebt zugleich hervor, dass die Stadtverwaltung mit Ausstellungen und Angeboten für junge Leute stets viel gegen die rechte Szene getan habe.

Der Bürgermeister

Für Bürgermeister Lothar Hohlfeld besteht kein Grund zur Beunruhigung. "Übergriffe von Rechtsextremen sind uns nicht bekannt. Wir wissen, dass das Polizeirevier eine Ermittlungsgruppe gebildet hat, die über die Lage hinlänglich informiert ist." Auf den Treff in der Helenenstraße habe die Stadt keinen Einfluss, weil die Räume privat angemietet wurden.

Als Stadtverwaltung habe man die Obhut über drei Jugendklubs: der Laberschuppen in Wolkenburg, das Jugendhaus Rußdorf und das Eastside an der Albert-Einstein-Straße in Limbach. Gerüchtemäßig sei ihm bekannt, dass sich im Eastside vor allem rechtsgesinnte Jugendliche treffen würden.

Der Bundestagsabgeordnete

"Den Rechten wollten wir etwas entgegensetzen, deshalb unterstützen die Linken den neuen Jugendklub an der Helenenstraße", sagt Jörn Wunderlich, Bundestagsabgeordneter der Linken. "Es handelt sich um politisch interessierte junge Leute, die zum Teil auch christlich erzogen wurden und sich nicht von anders denkenden Jugendlichen einschüchtern lassen wollen", präzisiert Manuela Weis vom Verein. (mit GM)


Von Bettina Junge

Erschienen am 21.10.2008


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