Chemnitz

Jüdisches Leben damals und heute

40 Veranstaltungen in 14 Tagen - Schauspielerin Cornelia Froboess liest - Kinder lernen Religion kennen


Mit sechs Veranstaltungen haben die 18. Tage der jüdischen Kultur begonnen. Am Sonntag informierten sich 80 Kinder und Eltern in der Synagoge über das Gemeindeleben: Gemeindemitglied Renate Aris ließ sich auch von Theodor und Nomi Jans ausfragen.

Foto: Andreas Seidel

Mit einer Lesung und Klezmermusik im Schauspielhaus haben am Samstagabend die 18. Tage der jüdischen Kultur begonnen. Nach sechs Veranstaltungen am Wochenende laden bis zum 28.März noch fast 40Programmpunkte ein, bei denen die Besucher jüdisches Leben damals und heute kennenlernen.

Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig eröffnete die Kulturwoche, die laut dem anwesenden Landesrabbiner Salomon Almekias-Siegel in ihrer Art einzigartig ist in Sachsen. Ludwig äußerte sich froh, dass die Stadt ein so herzliches Verhältnis zur jüdischen Gemeinde habe, die über 600 Mitglieder zählt. "Diese Kulturtage beleben unsere Stadt und geben Zuversicht", sagte sie. Sprecher Egmont Elschner begrüßte die Besucher im fast voll besetzten großen Saal im Schauspielhaus. Zu den zahlreichen Förderern und Organisatoren der Reihe gehören unter anderem die jüdische Gemeinde, das Evangelische Forum, die Lila Villa und das Café Lehmann.

Heiter, aber auch nachdenklich stimmte die Lesung der 65-jährigen Schauspielerin und Sängerin Cornelia Froboess, die vom Diabelli-Trio begleitet wurde. Obwohl die kabarettistischen Texte - die in den 1940er Jahren über den BBC-Sender London übertragen worden waren - die schwere Kriegszeit unter Hitler auf die Schippe nahmen, war doch dahinter die Tragik spürbar. Die Begleitung durch Willy Freivogel (Flöte), Angelika Wollmann (Viola) und Siegfried Schwab (Gitarre) war stimmig. Die auch lustigen Seiten jüdischer Musik fehlten nahezu. Dafür verbreiteten später die Gruppen Aufwind aus Berlin und Yankele aus Chemnitz fröhliche Stimmung und luden sogar zum Tanz.

Am Sonntag dann nahmen 80 Kinder und Eltern eine Einladung in die Synagoge an, um mehr über das Gemeindeleben zu erfahren. Renate Aris von der jüdischen Gemeinde und Pfarrerin Dorothee Lücke vom Evangelischen Forum nahmen sie mit auf einen Rundgang und boten Spiele an. "Jüdische Kinder sind genau wie ihr, sie spielen gern und essen gern Bonbons, sie pflegen nur eine andere Religion", sagte Renate Aris und plauderte dann über die Eigenheiten der Religion, die sie als 73-Jährige sehr gut kennt. Ihren Zuhörern verriet sie zum Beispiel: In einer Synagoge sitzen alle Betenden mit Gesicht nach Osten, wo das Judentum seine Wurzeln hat. Männer und Frauen nicht nebeneinander, sondern sie sitzen getrennt. Der Tag beginnt für Juden bei Sonnenuntergang und dauert bis zum nächsten Sonnenuntergang. Der Sabbat (Sonnabend) ist bei Juden das, was bei Christen der Sonntag ist. Und: Zehn Männer müssen anwesend sein, damit ein Gottesdienst beginnt.

Besucherin Stefanie Martin (11) fand den Bericht interessant. "Dass man die echte Torarolle nur an bestimmten Tagen anschauen darf", wunderte sie und die Kippa, die Kopfbedeckung, die jeder Mann im Gebetsraum einer Synagoge und auf dem jüdischen Friedhof tragen muss, fand sie lustig. Die Kippa soll den Mann an Gott erinnern, der über ihm ist: Er soll Ehrfurcht vor Gott zeigen.


Von Ramona Bothe-Christl

Erschienen am 15.03.2009


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