Annaberger Zeitung

Stimmung am Fichtelberg hochexplosiv

Landminen-Schilder verunsichern Touristen


Viele Wanderer auf Sachsens höchstem Gipfel waren angesichts dieses Schildes verunsichert.

Foto: Brigitte Streek

Oberwiesenthal. "Achtung Landminen" - dieses Schild und reichlich Stacheldraht hat einige Wochen Wanderer auf Sachsens höchstem Gipfel verunsichert. Jetzt ist es verschwunden. "Offensichtlich geklaut", sagt Jochen Nöske und ergänzt: "Da muss ich eben wieder neue anbringen lassen." Um die eigentliche Sache - Landminen - geht es dabei überhaupt nicht. Für den Besitzer der Fichtelbergbaude ist die Plakatierung eine Art Retourkutsche an die Stadt Oberwiesenthal und Bürgermeister Mirko Ernst, mit dem er im Clinch liegt.

Letzter Auslöser für Nöske, der eigentlich aus Leipzig stammt, sei die von der Stadt vorgenommene Sperrung des unmittelbar unter der Fichtelbergbaude gelegenen Parkplatzes gewesen. Dieser gehört der Kommune. "Wir haben dafür bislang jährlich pauschal 5000 Euro Pacht gezahlt. Laut der existierenden Park- und Gebührenordnung sollten wir von den Nutzern aber Parkgebühren kassieren. Das habe ich abgelehnt. Daraufhin wurde von Mitarbeitern der Stadt im August die Zufahrt mit Leitplanken so umgebaut, dass keine Busse mehr hochfahren können. Was das für unser Haus bedeutet, kann sich jeder vorstellen", sagt Nöske. Um nach außen hin zu dokumentieren, dass es die Stadt am liebsten sehen würde, wenn keiner mehr das Haus betritt, sei das Schild "Achtung Landminen" aufgestellt worden.

Für Oberwiesenthals Bürgermeister Mirko Ernst stellt sich die Situation etwas anders dar. "Es gab einen einjährigen Pachtvertrag für den Parkplatz. Dieser sollte Ende 2007 auch verlängert werden. Jedoch hielt sich Herr Nöske nicht an die Spielregeln. Statt Parkgebühren zu kassieren, verteilte er fünf Euro teure Verzehrbons für seine Gaststätte, worüber sich Gäste bei uns beschwert haben. Weil auf dem Fichtelberg die Parkgebühr nur bei 2,50 Euro liegt, mussten wir reagieren", schildert Ernst die Sache aus seiner Sicht. Zudem könne Nöske die Stadt nicht dafür verantwortlich machen, dass er keinen Parkplatz hat. Dafür müsse er als Gaststätteninhaber selbst sorgen - so stehe es auch in der Betreibererlaubnis.

Zurück zum Stein des Anstoßes: der vermeintlichen Warnung vor Landminen. Dieses Schild, auch wenn es auf privatem Grund und Boden steht, stelle groben Unfug dar und könne für den Eigentümer teuer werden, sagt Reinhardt Walther von der Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge. "In einem solchen Fall muss zunächst die Ortspolizeibehörde - sprich der Bürgermeister - den Eigentümer des Grundstücks anschreiben und sich begründen lassen, warum die Schilder dort stehen und ihn auf mögliche Rechtsfolgen hinweisen", so Walther. Zeige das keinen Erfolg, könne die Polizei einschreiten und sich vor Ort von der Ernsthaftigkeit der Schilder überzeugen, was aber alles in Rechnung gestellt werde, schildert Walther das mögliche Prozedere. Selbst ein Einsatz des Sprengmittelbeseitigungsdienstes auf Nöskes Grundstück sei nicht ausgeschlossen. Um ihm das zu ersparen, rät Walther, auf neue Schilder zu verzichten.


Von Thomas Wittig

Erschienen am 08.10.2008


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