Diese Steppkes durften gestern schon mal einen Blick in die Schnitzausstellung im Erzhammer werfen. 
Diese Steppkes durften gestern schon mal einen Blick in die Schnitzausstellung im Erzhammer werfen.

Foto: Wolfgang Thieme

Auch das noch: Weihnachten nimmt kein Ende

Noch nie gab es so viele Nachweihnachtsschauen in der Region wie dieses Jahr

Annaberg-Buchholz. Die Annaberger halten sich für die Erfinder: Seit 1998 wird im Kulturhaus Erzhammer der Bergstadt jedes Jahr Mitte Januar eine dreiwöchige Nachweihnachtsausstellung eröffnet. Der Erfolg der ersten beflügelte die Veranstalter: 25.000 Besucher - so viele haben die meisten Heimatmuseen das ganze Jahr nicht - kamen damals und staunten. Nur einmal, 2011, wurde verzichtet, wegen des drei Monate zuvor eröffneten Museums "Manufaktur der Träume". Seit Samstag gibt es nun die 14. Auflage, auch wenn sich die Besucherzahlen inzwischen auf nur noch ein Viertel eingepegelt haben. Diesmal wird das "Schnitzerland Erzgebirge" vorgestellt: anhand von fast 400 Exponaten aus zwei Jahrhunderten von zirka 100 Leihgebern. Glanzpunkte sind Arbeiten des Annaberger Schnitzers und Mitbegründers der Schnitzschule, Paul Schneider (1892 bis 1975), die das Bergbaumuseum Bochum als Leihgaben zur Verfügung gestellt hat. Darunter die "Kundmachung des Obersteigers", von der es noch eine zweite Ausführung in der "Manufaktur der Träume" gibt. Auch Harry Schmidt, der Schnitzerlegende aus Bermsgrün (1927 bis 2003), ist ein Schauteil gewidmet.

Keine Erfindung der Neuzeit

Nachweihnachtsschauen sind keine Nach-Wende-Erfindung. Michael Schuster, der das Pohl-Ströher-Depot in Gelenau betreut, weiß, dass es in den 1920er- und 30er-Jahren in vielen Orten, so auch in Ehrenfriedersdorf, Brauch war, dass die Leute nach Weihnachten ihre Pyramiden nicht einfach wegpackten, sondern für eine begrenzte Zeit im Dorfgasthof oder einem großen Saal öffentlich zur Schau gestellt haben. "Auch wir wollen hier in Gelenau 2013 daran anknüpfen." In anderen Orten hat man das schon in diesem Jahr getan - in fast inflationärem Umfang.

In Marienberg stellen in der Baldauf-Villa, dem Kultur- und Freizeitzentrum der Stadt, bereits seit vergangenem Wochenende 33 Schnitz- und Klöppelvereine der Region rund 1300 Arbeiten zur Schau. Leiterin Constanze Ulbricht verweist auf das 100-jährige Bestehen des Hauses 2012 und auf den fünfjährigen Turnus, in dem solche Ausstellungen hier stattfinden. "Es ist schon darüber gesprochen worden, dass es ungünstig ist, so viele derartige Veranstaltungen zeitgleich auszurichten. Aber wer soll das koordinieren?" Sie weiß von Geyer, Olbernhau, Mildenau, Krumhermersdorf - überall wollen sich Schnitzer in diesen Wochen präsentieren. Viele haben einen bestimmten Turnus, präsentieren ihre Arbeiten alle zwei oder fünf Jahre, wollen davon auch nicht abrücken. Dazu kommen immer mehr Museen, die ihre Weihnachtsschauen ganz gezielt bis nach den Winterferien in Sachsen offen lassen.

Ulrich Herrmann, Chef des Schnitzvereins Mildenau, verweist darauf, dass sein Verein schon seit 1924 immer um Maria Lichtmess, also Anfang Februar, eine Schnitzausstellung gestaltet. "Uns wurde im Herbst gesagt, dass es diesmal viele solche Schauen gibt. Aber deshalb rücken wir doch nicht von unserem Brauch ab." Schnitzen sei schon immer eine Feierabendbeschäftigung im Winter gewesen. Im Sommer hätten die Leute, sowohl die Schnitzer als auch potenzielle Gäste, doch ganz andere Interessen.

Ähnlich argumentiert Gabriele Lorenz, 1. Bundesvorsitzende des Erzgebirgsvereins und Leiterin des "Erzhammers" in Annaberg-Buchholz. Die Konzentration in diesem Jahr sei in der Tat nicht glücklich. Aber man könne es niemandem verbieten, sich zu präsentieren und Ausstellungen auszurichten. "In Geyer haben sich die Schnitzer zwei Jahre darauf vorbereitet. Borstendorf will zeigen, was es dort für eine gute Jugendarbeit gibt. Die Vereine sehen sich untereinander nicht als Konkurrenz, sondern wollen sich vielmehr gegenseitig ergänzen", meint Lorenz. Sie ist überzeugt: "Das Interesse des Publikums ist da."

Zahlen sind relativ

Das sieht man auch im Daetz-Centrum in Lichtenstein (Landkreis Zwickau) so. Dort lädt schon seit 28. Oktober und noch bis 5. Februar die Schnitzausstellung "Andere Länder - andere Krippen" mit Spitzenexponaten aus zehn Ländern und von vier Kontinenten ein. Reichlich 4100 Besucher kamen in den elf Wochen seit Eröffnung, 400 davon im Januar. Was Mario Schubert als "kontinuierlichen Besucherstrom" wertet, würde die Annaberger Veranstalter wahrscheinlich in den Ruin treiben. Sie setzten auf mindestens 7500 Interessenten in drei Wochen, damit sich der Aufwand lohnt.

Service

Die Ausstellung in Annaberg-Buchholz ist bis 5. Februar täglich 10 bis 18 Uhr geöffnet.Erwachsene zahlen 3 Euro, Kinder bis 14 nichts. Das Ticket ermöglicht den Besuch der angrenzenden "Manufaktur der Träume" zum ermäßigten Preis von 3 Euro. Informationen zu weiteren Schauen unter www.freiepresse.de/ausstellungen

 
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Auch das noch: Weihnachten nimmt kein Ende
Kommentar: Schade um die Alleingänge
 
erschienen am 14.01.2012 ( Von Gabi Thieme )
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