Die Zahl der Buntmetalldiebstähle ist 2010 in Sachsen deutlich gestiegen. Foto: dapd
Buntmetalldiebe schlagen wieder häufiger zu
Zahl der Delikte 2010 deutlich gestiegen - Region Leipzig besonders im Brennpunkt
Zittau (dapd-lsc). Den Dieben ist nichts heilig. An der Nordseite der Zittauer Klosterkirche montierten sie vor wenigen Wochen ein Stück Regenrohr ab. Auch an der Südseite wollten sie zuschlagen. "Dort waren schon die Schrauben gelockert", erzählt Pfarrer Christoph Stempel, "doch anscheinend sind die Täter gestört worden."
Auch wenn nur wenige Meter Kupferrohr fehlen, liegt der Schaden für die Kirchgemeinde St. Johannis bei mehreren hundert Euro. Deutlich mehr ärgert sich Pfarrer Stempel jedoch über einen anderen Diebstahl: Auf dem Frauenfriedhof demontierten Unbekannte von einem Grab aus dem 19. Jahrhundert ein Kupfer-Medaillon. "Das anhand von Bildern nachzuarbeiten war sehr aufwendig", sagt er. Die Kosten hierfür: ein paar tausend Euro.
Nach einer Delle ist die Zahl der Buntmetalldiebstähle im vergangenen Jahr im Freistaat wieder kräftig nach oben geschnellt. Besonders abgesehen haben es die Täter auf Kupfer. "Es verschwinden vor allem Dachrinnen, Kabel - auch bereits verlegte - sowie Heizungs- und Wasserrohre", sagt Lutz Teistler von der Polizeidirektion Oberes Elbtal/Osterzgebirge. Auch Telefonkabel zwischen Grundstücken, Teile von Bahnanlagen oder bereits beim Schrotthändler abgegebenes Metall sei vor Langfingern nicht sicher, berichtet Marcel Wita von der Polizeidirektion Oberlausitz-Niederschlesien.
In den Landkreisen Bautzen und Görlitz erwarten die Ermittler, dass sich die Zahl der Fälle gegenüber 2009 mehr als verdoppelt hat. Damals waren in ganz Sachsen 1.128 Delikte registriert worden. Gesamtschaden: 2,8 Millionen Euro. Vor der Wirtschaftskrise und dem damit verbundenen Minus bei den Rohstoffpreisen wurde noch weitaus häufiger gestohlen: 2008 griffen Diebe in 4.140 Fällen und 2007 insgesamt 3.907 Mal auf Buntmetall zu.
Die Nähe zur Grenze spiele keine wesentliche Rolle, heißt es beim Landeskriminalamt in Dresden. Besonders häufig schlugen die Täter nach den Angaben in und um Leipzig zu. Jedes vierte Delikt wurde auf einer Wache in der dortigen Region angezeigt.
Die Polizei hat es manchmal mit Gelegenheitsdieben zu tun, bisweilen aber auch mit gut organisierten Banden, die Ortskenntnisse haben und über Fahrzeuge zum Abtransport verfügen. Eine Anfang März in Hirschfelde gegründete Ermittlungsgruppe will nun schneller und häufiger den Dieben das Handwerk legen. Die insgesamt neun Mitarbeiter aus Polizeidirektion, Landeskriminalamt sowie Bundespolizei sollen alle Informationen zusammenführen. Dazu sei man bundesweit sowie mit Kollegen in Tschechien und Polen im Kontakt. "Bei größeren Diebstählen fragen wir auch Schrotthändler in den Nachbarländern, ob ihnen etwas angeboten wurde", sagt Wita.
Kupferteile dürften weiterhin ein begehrtes Diebesgut bleiben. Zu tun hat das mit der Preisentwicklung auf den Rohstoffmärkten. Im Februar wurde erstmals die Preisgrenze von 10.000 Dollar pro Tonne überschritten. Rohstoffhändler der Deutschen Bank rechnen damit, dass die Kupferminen in nächster Zeit kaum den Bedarf decken können. Der vielseitige Werkstoff erobere immer mehr Einsatzgebiete, erklärt Hartmut Bombach vom Institut für Nichteisenmetallurgie und Reinststoffe an der Bergakademie Freiberg: "Vor zehn Jahren wurden bei einem Auto cirka zehn Kilo Kupfer verbaut, heute sind es im Schnitt 16 Kilo".
Mehr Elektroautos und Windkraftwerke würden den Bedarf noch einmal wachsen lassen. Als Schlüssel bei der Preisentwicklung gilt das rohstoffhungrige China. In dem Riesenreich wächst die Nachfrage jährlich um etwa zehn Prozent.
Viele Bestohlene lassen inzwischen von Kupfer ab und verwenden andere Materialien. "Wir haben das Fallrohr durch Eisenstücke ersetzt, die kupferfarben gestrichen wurden", erzählt Pfarrer Stempel. Auch an der Fassade vom Amtsgericht Zittau werden mittlerweile keine Kupferteile mehr montiert. Das ist kaum verwunderlich: Schließlich ließen Diebe hier in der Vergangenheit gleich vier mal Regenrinnen mitgehen.
dapd