Die Vertrauenskasse für das Entzünden von Opferlichtern in der Herz-Jesu-Kirche Plauen wurde 2011 wiederholt von Dieben geknackt. Die Vertrauenskasse für das Entzünden von Opferlichtern in der Herz-Jesu-Kirche Plauen wurde 2011 wiederholt von Dieben geknackt.

Foto: Ellen Liebner/Archiv

Diebe zum Jahreswechsel verstärkt auf Beutezug in Kirchen

Im schlimmsten Fall verschwanden Kunstgegenstände im Wert von 45.000 Euro

Chemnitz. Die Gemeinde Schönau-Berzdorf unweit von Görlitz besitzt eigentlich nur ein Kirchlein. Aber immerhin wurde es bereits 1296 erstmals erwähnt, als der damalige Pfarrer in einem Rechtsstreit auftrat. Jetzt ist das Gotteshaus wieder in den Schlagzeilen: Vor Jahreswechsel drangen Diebe gewaltsam durch ein Kirchenfenster in die Sakristei ein, brachen den mannshohen Tresor auf und entwendeten Kunstgegenstände für 45.000 Euro.

Im Ort ist man fassungslos. Christoph Arnold, seit zehn Jahren Dorfpfarrer, stehen Entsetzen und Trauer ins Gesicht geschrieben. Kostbare Abendmahlkelche, historische Zinndeckelkannen, Opferteller, Hostienschalen - "ein Nachlass aus mehreren Jahrhunderten und damit ein Stück Glaubensgeschichte sind weg", klagt Arnold. Die Kirche sei verschlossen gewesen, alle Dinge von Wert habe er sicher im Tresor verwahrt geglaubt. "Ich hätte nie gedacht, dass sich jemand daran zu schaffen machen könnte", sagt er.

Fassungslosigkeit herrscht seit Weihnachten auch 20 Kilometer entfernt im Markersdorfer Ortsteil Gersdorf, ebenfalls Landkreis Görlitz. Dort schreckten schamlose Diebe selbst vor dem Heiligen Fest nicht zurück. Offenbar in der Nacht zum Zweiten Weihnachtsfeiertag stahlen sie aus der Kirche sechs kostbare Leuchter aus dem 17. Jahrhundert.

Auf Diebestour zum Heiligen Fest

Der oder die Diebe hatten kostbare Bleiglasfenster eingeschlagen, um an die Beute zu gelangen. Sie nahmen zwei über 50 Zentimeter hohe einarmige Leuchter aus der Sakristei mit, zwei vom Altar und zwei weitere dreiarmige Festtagsleuchter. Ob sie vorrangig Kulturgüter in ihren Besitz bringen wollten oder das Buntmetall sie reizte, wie so viele Kirchendiebe in diesem Jahr, ist noch unklar. Auch ob es einen Zusammenhang zwischen beiden Einbrüchen gibt, wollte die Sprecherin der Polizei in Görlitz, Janet Kloß, gestern noch nicht bestätigen. "Wir ermitteln in alle Richtungen. Ausgeschlossen ist es nicht."

Tiefe Enttäuschung und Trauer herrschen seit knapp einem Monat auch bei Michael Tetzner, dem Pfarrer der evangelischen Kirchgemeinde St. Johannis in Freiberg. Ihm wurde am 7. Dezember morgens eine fast 100 Jahre alte Geige aus dem unverschlossenen Gemeindehaus gestohlen. Der Geigenkoffer war im Hausflur abgestellt gewesen. Für 1200 DDR-Mark hatte er das Instrument 1983 gekauft. Den Mann hat die Dreistigkeit des Diebes so beschäftigt, dass er den Fall sogar in seine Weihnachtspredigt einbaute. Zwar wurde eine Woche später der Geigenkasten im Freiberger Tierpark gefunden, doch er war leer. Dafür stand die Geige plötzlich im Internet bei Ebay zur Versteigerung. Die Ermittlungen der Chemnitzer Polizei laufen noch, sagte gestern Sprecherin Jana Kindt. Pfarrer Tetzner will seiner Gemeinde trotzdem weiter ein offenes Pfarrhaus bieten, man wolle niemanden durch verschlossene Türen aussperren.

Kirchentüren oft verschlossen

Anderenorts werden Kirchentüren längst verschlossen gehalten. Nach Einschätzung der Polizei sind Gotteshäuser in diesem Jahr immer häufiger Ziel von Dieben, vor allem von Buntmetalldieben, geworden. Im ersten Halbjahr wurden 104 Fälle von Kirchen angezeigt, in der zweiten Jahreshälfte waren es noch mehr, Zahlen liegen noch nicht vor. Buntmetall wird inzwischen häufiger geklaut als Kunstgegenstände oder Geld aus Opferstöcken.

Das am schlimmsten betroffene Gotteshaus war 2011 die Kirche im Bad Lausicker Ortsteil Ebersbach. Fünfmal waren dort Kupferdiebe am Werk, montierten immer wieder Kupferfallrohre ab, rissen Kupferbleche aus Fenstersimsen und durchtrennten Blitzableiter. Kaum war alles ersetzt, gingen die Diebstähle aufs Neue los - bis man sich schweren Herzens entschied, Plastikrohre anzubringen und nachts Kontrollgänge zu organisieren.

Auch andere Gemeinden hätten nach mehrmaligen Diebstählen ähnlich reagiert, weiß Matthias Oelke, Sprecher der evangelisch-lutherischen Landeskirche in Sachsen. Die meisten Kirchen seien daher auch nur noch unter Aufsicht offen und blieben die übrige Zeit zu.

 
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Diebe zum Jahreswechsel verstärkt auf Beutezug in Kirchen
Kleine Beute - großer Schaden
 
erschienen am 03.01.2012 ( Von Gabi Thieme )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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