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Medizinischer Dienst: Private Zusatzleistung meist überflüssig

Ärzte werben immer häufiger für individuelle Gesundheitsleistungen. Ihr oft mangelnder Nutzen ist nicht das einzige Problem.

Von Steffen Klameth
erschienen am 17.02.2017

Berlin. Glaukom-Früherkennung, Blutegeltherapie bei Kniearthrose, Akupunktur zur Vorbeugung von Migräne: Viele individuelle Gesundheitsleistungen (Igel) bringen den Patienten eher Schaden als Nutzen. Zu diesem Ergebnis kommt das Internetportal Igel-Monitor des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes der Krankenkassen (MDS) in seiner Fünf-Jahres-Bilanz.

Mittlerweile bekommt jeder zweite Patient Leistungen angeboten, die privat zu zahlen sind; im Jahr 2001 war es nicht mal jeder Zehnte. In vielen Arztpraxen würden die Patienten weder ausreichend über die Leistung noch über die Kosten informiert, kritisierte MDS-Geschäftsführer Peter Pick. Patienten würden immer wieder vor einer Behandlung unter Druck gesetzt. Je nach Angebot können IGeL mehrere hundert Euro kosten.

Dieses Geld könnten sich die Patienten in den allermeisten Fällen sparen. Der Igel-Monitor hat bisher 45Leistungen bewertet. Keine einzige erhielt das Urteil "positiv", nur drei die Wertung "tendenziell positiv" - das heißt, der Nutzen überwiegt den Schaden. Bei allen anderen Angeboten ist das Gegenteil der Fall oder die Beurteilung ist unklar. Auch die jüngsten Bewertungen tragen den Stempel "tendenziell negativ": der Lungenfunktionstest mittels Spirometrie und das EKG zur Früherkennung einer Erkrankung der Herzkranzgefäße.

Früherkennungsuntersuchungen machen einen Großteil der Igel-Angebote aus. Aber auch diese könnten schaden - etwa durch Übertherapien und falsch positive Befunde, erklärte MDS-Expertin Michaela Eikermann. Als Beispiel nannte sie den Check-up35, der von den Kassen bezahlt wird und bei dem Ärzte eine Reihe weiterer zusätzlicher Leistungen anbieten. Für Patienten werde es immer schwieriger, deren Nutzen einzuschätzen.

Der Hauptgeschäftsführer der Sächsischen Landesärztekammer, Michael Schulte Westenberg, räumt ein, dass der Markt der Igel für Patienten "unübersichtlich" ist. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert, Igel gesetzlich wie Haustürgeschäfte zu behandeln: "Zwischen Angebot und Leistungserbringung ist eine 14-tägige Bedenkzeit notwendig." (rnw/sk)

 

 
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Kommentare
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Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 17.02.2017
    09:44 Uhr

    aussaugerges: Alles übelste Abzocker.

    0 2
     
  • 17.02.2017
    06:56 Uhr

    vomdorf: Wenn ich beim Hautarzt 15 ? bezahlen soll, damit eine Lupe zum Begutachten von Hautveränderungen benutzt wird (was die Kasse angeblich nicht bezahlen würde), komme ich mir schon wie im falschen Film vor. Was tut man aber, wenn man so was abgeklärt haben will? Richtig, man bezahlt.....oder man sucht sich einen anderen Arzt, was ja leider auch nicht so ganz einfach ist.

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