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Hans Naumann - Firmenchef und Hochschulratsmitglied

Foto: Wolfgang Schmidt

Ministerin rügt Hans J. Naumann, beruft ihn aber nicht ab

52 Vereine raten, dem als rassistisch aufgefallenen Chef von Niles Simmons, die Ehrendoktorwürde abzuerkennen.

Von Jens Eumann
erschienen am 20.04.2017

Dresden/Chemnitz. Die Äußerungen des Unternehmers Hans J. Naumann schlagen immer mehr Wellen. Angesichts der Ehrendoktorwürde und des Amts als Mitglied im Hochschulrat, die der US-amerikanische Chef des Chemnitzer Unternehmens Niles-Simmons an der Technischen Universität (TU) Chemnitz innehat, kritisiert Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) Naumanns Aussagen. Im Interview mit der "Freien Presse" hatte dieser der weißen Bevölkerung Amerikas, Europas und Australiens geraten, gegen sechs Milliarden Asiaten zusammenzustehen. Er regte an, die afroamerikanische Jugend zum Militär einzuziehen, um sie zu disziplinieren. Die Äußerungen hätten "deutlich rassistischen Tenor", so Stange gestern.

Naumann habe sich als Unternehmer zweifellos um die Entwicklung der TU Chemnitz verdient gemacht, sagte Stange. Auch habe er sich "als Privatperson" geäußert und seine Aussagen nicht in Zusammenhang zur TU gesetzt. Doch widersprächen seine Äußerungen "der gelebten Internationalität, Weltoffenheit und Toleranz" des Hochschulwesens in Sachsen. "Die hohe Zahl internationaler Studierender und Wissenschaftler" sei "Ausweis der Internationalität unserer Hochschulen", so Stange. Rund ein Fünftel der Chemnitzer Studenten stammt aus Asien. Eine Empfehlung zur Abberufung Naumanns aus dem Chemnitzer Hochschulrat gab Stange öffentlich nicht. Der Chemnitzer Studentenrat (Stura) hatte am Vortag Naumanns Rücktritt aus dem Gremium gefordert. "Die Grenze des Tolerierbaren" sei "massiv überschritten". Mit der "Diskriminierung nicht weißer Menschen und Zuschreibung abwertender Eigenschaften, wie Faulheit oder Disziplinlosigkeit" dokumentiere der 81-Jährige eine rassistische Sichtweise und klammere "ökonomische und soziale Benachteiligung und Diskriminierung komplett aus", urteilte Ines Knöfel, Stura-Referentin für Antidiskriminierung. Die Wissenschaftsministerin wurde ersucht, "von ihrem gesetzlichen Gestaltungsspielraum Gebrauch zu machen".

Das Chemnitzer Netzwerk für Kultur- und Jugendarbeit geht noch weiter. Naumann werte "Menschen aufgrund von Herkunft und Hautfarbe ab" und diskreditiere so junge Nicht-Europäer, die in Chemnitz studieren. "In diesem Zusammenhang sollte die TU Chemnitz der Frage nachgehen, ob die Aufrechterhaltung der Ehrendoktorwürde das richtige Signal an junge Menschen ist", teilte das Netzwerk gestern mit. Unter seinem Dach sind 52 Vereine der Chemnitzer Kultur- und Jugendarbeit zusammengeschlossen.

In der Online-Kommentar-Spalte der "Freien Presse" wird auch die Frage nach anderen Würdigungen aufgeworfen. Wegen seines wirtschaftlichen Wirkens ist Naumann seit 2001 Träger des Bundesverdienstkreuzes, seit 2004 des Sächsischen Verdienstordens. Eine Entziehung dieser Ehren, wie im Netz gefordert, ist möglich, im Falle des sächsischen Ordens laut Regierungssprecher aber nur, wenn Entgleisungen die Schwelle einer Straftat nehmen. Auch beim Bundesverdienstkreuz gilt laut Statut: "Erweist sich ein Beliehener durch sein späteres Verhalten, insbesondere durch Begehen einer entehrenden Straftat, der Auszeichnung unwürdig", kann ihm der Orden entzogen werden. Auf eine Anfrage hat sich das Bundespräsidialamt bisher nicht geäußert.

Das Interview zum Nachlesen finden Sie unter www.freiepresse.de/naumann

 
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Kommentare
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Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 22.04.2017
    11:27 Uhr

    Freigeist14: franziudo,vielleicht fänden Sie es ja ideal,wenn Ihren Söhnen das Geld für eine solide Ausbildung fehlt , sie der Staat in die Armee zwingt um für die Freiheit und Zugang zu den Weltmärkten zu dienen.Unternehmen sie was !

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  • 21.04.2017
    11:54 Uhr

    franzudo2013: Herr Naumann hat ein Unternehmen aufgebaut, welches vielen Tausenden Menschen auf mehreren Kontinenten die Existenz sichert.
    Wenn er als erfahrener und weitgereister Mann, seine Erfahrungen ausspricht und sich in den öffentlichen Diskurs einbringt, dann ist das grundsätzlich lobenswert, denn er müsste dies nicht tun.
    Als Unternehmer weiß er, dass Probleme nur gelöst werden, wenn Probleme erkannt werden. Ich finde seinen Vorschlag genial, Jugendlichen ohne Schulabschluss eine Berufsausbildung und eine Perspektive zu geben. Herr Naumann kann mit Sicherheit nichts dafür, dass es überproportional mehr Schwarze sind, welche ohne Abschluss die Schule verlassen.
    Für einige Kommentatoren ist es natürlich viel bequemer, einen Unternehmer zu beleidigen als selbst etwas zu unternehmen.

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  • 21.04.2017
    11:34 Uhr

    hkremss: @voigtsberger: Wenn jemand etwas rassistisches sagt, ist darf man es auch als Rassismus bezeichnen. Das gilt auch, wenn jemandem gar nicht klar ist, dass es rassistisch ist. Und vor allem gilt das, wenn es eine - bis dato - angesehene Persönlichkeit des öffentlichen Lebens sagt. Probleme mit Kriminalität gibt es in erster Linie mit 'Kriminellen' und nicht pauschal mit 'Afroamerikanern', es sei denn man setzt das gleich. Natürlich gibt es unter Afroamerikanern Kriminelle, so wie auch unter Nord- und Süd-Amerikanern, die Ureinwohner sind oder deren Vorfahren aus Europa oder Asien stammen. Der Anteil Krimineller ist in einer Bevölkerungsgruppe immer dann hoch, wenn diese Gruppe durchschnittlich ärmer ist als der Rest, geringere Bildung und Aufstiegschancen hat oder schlicht und einfach von den anderen diskriminiert und ausgegrenzt wird. Dieses Muster kann man überall nachvollziehen und es hat überhaupt nichts mit Hautfarbe oder Herkunft zu tun. Wenn dieser Zustand lange genug andauert, bilden sich 'Millieus', die Leute arrangieren sich mit ihrem niedrigen Status und ganze Häuserblocks und Wohngebiete werden zu sozialen Brennpunkten. Das gibt es überall, auch in Deutschland. Und wenn es einmal so weit ist, dann löst man das Problem nicht mehr über Nacht und auch nicht durch eine Aussage wie: Die müssen nur mal zum Militär und Disziplin lernen. Das ist so die typische, weiße Altherrensicht auf die Verlierer am Rande der Gesellschaft. Aber kein Kind kommt als 'Verlierer' auf die Welt, egal welche Hautfarbe es hat. Es wird mit der Zeit dazu gemacht. Und das ist das Problem und hier hätte er mal Kritik üben sollen, anstatt das reich und sorglos geborene Millionärskind Donald Trump für seine Lebensleistung zu loben!

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  • 21.04.2017
    10:02 Uhr

    Freigeist14: Voigtsberger,Pragmatiker & Co.-Sie bagatellisieren die Thesen des Herrn Naumann,der die Verwerfungen der extrem ungleichen amerikanischen Gesellschaft kurzerhand negiert und die Ursachen in Armut,Perspektivlosikeit und Verwahrlosung bestimmten Eigenschaften einer Rasse -der Schwarzen-zuschreibt.Das Armut auch die weiße Mittelschicht erreicht hat,die seit den 70er Jahren erodiert postuliert er keine bessere These als das die "weiße Rasse"sich wappnen muss gegen die "Anderen" vulgo: Asiaten, Latinos ,Schwarze. Das ist die übliche Propaganda der Ultrarechten,die mit darwinistischer Auslese das "Recht des Stärkeren" propagiert , nichts hält von sozialer Gerechtigkeit und Chanchengleichheit verhöhnt.

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  • 21.04.2017
    08:01 Uhr

    Blackadder: @webnotar: Auch wenn Sie noch so verklausuliert schreiben und noch so viele Fremdwörten benutzen: den Kommentar an sich, macht das nicht besser und gehaltvoller.

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