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Range sieht Behörden bei den NSU-Ermittlungen ein "großes Stück weitergekommen"
Mutmaßliche Terrorhelfer arbeiteten offenbar eng zusammen
Karlsruhe (dapd). Bei ihren jüngsten Aktionen gegen mutmaßliche Helfer der Zwickauer Terrorzelle haben die Ermittler offenbar weitreichende Einblicke in die Unterstützerszene der rechtsterroristischen Gruppierung NSU gewonnen. Mit der Verhaftung von Carsten S. - der am Mittwoch vor dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs umfangreich aussagte - und der Razzia bei vier weiteren Beschuldigten in Sachsen in der vergangenen Woche sei man "ein großes Stück weitergekommen", sagte Generalbundesanwalt Harald Range am Donnerstag dem Sender SWR-Info.
Trotz der intensiven Arbeit der vergangenen Monate habe man allerdings "erst gut ein Viertel der Beweisstücke ausgewertet". Zudem müsse 900 Hinweisen aus der Bevölkerung nachgegangen werden. Dabei gehe Sorgfalt vor Schnelligkeit, betonte Range.
Carsten S. war am Mittwoch in Düsseldorf wegen des Verdachts auf Beihilfe zu sechs Morden und einem versuchten Mord verhaftet worden. Die mutmaßlichen Unterstützer des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) arbeiteten bei der Waffenbeschaffung offenbar eng zusammen. So sollen Carsten S., der ehemalige NPD-Funktionär Ralf Wohlleben und der mutmaßliche Helfer der Terroristen, Holger G., gemeinsam an einer Waffenlieferung im Jahr 2001 oder 2002 beteiligt gewesen sein, wie die "Süddeutsche Zeitung" (Donnerstagausgabe) berichtete.
Die Bundesanwaltschaft hatte am Mittwoch lediglich mitgeteilt, dass der 31-jährige Carsten S. gemeinsam mit dem inzwischen inhaftierten Wohlleben dem Zwickauer Terror-Trio 2001 oder 2002 eine Schusswaffe nebst Munition verschafft haben soll. Carsten S. soll die Waffe in Jena gekauft und an Wohlleben weitergegeben haben, der "einen Kurier" mit dem Transport zu den NSU-Mitgliedern in Zwickau betraut haben soll. Laut "Süddeutscher Zeitung" soll dieser Kurier Holger G. gewesen sein, der im November 2011 festgenommen worden war. Holger G. hat laut Medienberichten von Anfang Januar bereits ausgesagt, von Wohlleben eine Waffe für die NSU-Mitglieder erhalten und sie in Zwickau übergeben zu haben.
Mit der Verhaftung von S. befinden sich jetzt bereits fünf mutmaßliche Unterstützer der Terrorgruppe in Untersuchungshaft. Zudem sitzt Beate Zschäpe, die Mitglied der Terrororganisation gewesen sein soll, seit dem 13. November 2011 in Haft. Insgesamt gibt es in dem Fall mittlerweile 13 Beschuldigte. Gegen mehrere weitere wird ermittelt.
Die Zwickauer Terrorzelle wird von der Bundesanwaltschaft für neun Morde an Kleinunternehmern türkischer und griechischer Herkunft sowie für den Mord an einer Polizistin in Heilbronn verantwortlich gemacht.
Carsten S. soll nach Informationen der Ermittler 1999 und 2000 auch im rechtsextremistischen "Thüringer Heimatschutz" aktiv gewesen sein, zu dem auch die späteren NSU-Mitglieder Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos sowie Wohlleben und Holger G. gehört haben sollen. Zudem soll er 1999 an der Spitze des NPD-Kreisverbandes Jena gestanden haben. Außerdem soll S. dem Thüringer Landesvorstand und als Landesvertreter dem Bundesvorstand der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten angehört haben.
dapd