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Sachsen treibt Welterbeprojekt allein voran
Freistaat hält sich Option für gemeinsame Bewerbung mit Tschechien offen
Dresden (dapd-lsc). Sachsen treibt das Weltkulturerbeprojekt "Montanregion Erzgebirge" vorerst ohne Tschechien voran. Es gebe in dieser Frage zwar Kontakt mit der tschechischen Regierung, sagte Innenminister Markus Ulbig (CDU) am Donnerstag im Landtag in Dresden. Zunächst müsse aber herausgefunden werden, wie das Nachbarland zu dem Projekt stehe, bevor eine gemeinsame Bewerbung für den Titel ein Thema sei. Die Opposition warnte bei der Landtagsdebatte vor schlechteren Chancen im Fall einer Alleinbewerbung.
Bei dem Projekt soll die vom Bergbau geprägte einzigartige Kulturlandschaft im deutsch-tschechischen Grenzgebiet unter den Schutz der Vereinten Nationen (UNESCO) gestellt werden. Bislang ist Tschechien an der für 2013 geplanten Bewerbung für die Aufnahme in die Liste der UNESCO-Weltkulturerbestätten nicht beteiligt. Auf der Liste stehen mehr als 900 Kultur- und Naturdenkmäler in 150 Ländern.
Ulbig sagte in der von der Grünen-Fraktion auf die Tagesordnung gesetzten Debatte, dass der Kontakt mit der tschechischen Seite unverändert auf Arbeitsebene bestehe. Die Positionierung der tschechischen Regierung daure an, dürfe aber nicht die sächsische Bewerbung behindern. Wenn das Nachbarland mehr Zeit brauche, wäre später auch ein Erweiterungsantrag für eine gemeinsame Bewerbung möglich, erklärte der Minister.
Dafür erntete Ulbig von der Opposition heftige Kritik. Die Wissenschaftsexpertin der SPD-Fraktion, Eva-Maria Stange, sagte, Ulbig habe erneut ein klares Bekenntnis für eine gemeinsame Bewerbung vermissen lassen. Grüne, SPD und Linkspartei gehen grundsätzlich davon aus, dass mit Tschechien im Boot die Erfolgschancen deutlich steigen, weil ein grenzüberschreitendes Projekt dem europäischen Gedanken diene.
Dem Grünen-Abgeordneten Karl-Heinz Gerstenberg "fehlt die entschlossene Unterstützung der Landesregierung" für das ansonsten gelungene Projekt. Und der Linke-Parlamentarier Volker Külow betonte den länderübergreifenden Charakter des Vorhabens.
CDU-Wissenschaftsexperte Günther Schneider verwies hingegen auf die Unterstützung des Freistaats für die Landkreise und den Förderverein "Montanregion Erzgebirge". "Es ist ein deutsches Projekt, da gehört es auch hin", fügte Schneider hinzu. Der Freiberger FDP-Abgeordnete Benjamin Karabinski beschuldigte die Opposition, "Nebelkerzen zu werfen". Die Erzgebirger bräuchten solche Ratschläge nicht. "Wir wissen, was wir wollen", sagte Karabinski.
Schon einmal hatte es Wirbel um ein Welterbeprojekt in Sachsen gegeben. Wegen des Baus der Waldschlößchenbrücke war dem Dresdner Elbtal der UNESCO-Welterbetitel aberkannt worden. Ulbig warnte vor Panikmache. Bis Ende des Jahres werde er dem Kabinett einen Bericht zum Stand des Projekts vorlegen. Er sei guter Dinge für die Bewerbung, sagte der Minister.
(montanregion-erzgebirge.eu)
dapd