Foto: dapd

Sächsische Regierung verwirrt Tschechien bei Welterbeprojekten

Zwei sächsisch-tschechische Projekte um Unesco-Titel hadern mit dem Freistaat

Dresden. Sachsens Landesregierung sorgt bei zwei grenzüberschreitenden Welterbe-Projekten für zunehmende Verwirrung sowie für Verärgerung auf tschechischer Seite. Betroffen sind das Vorhaben Weltkulturerbe "Montanregion Erzgebirge" sowie das Weltnaturerbe-Unterfangen "Sächsisch-Böhmische Schweiz". Beiden Initiativen hat das Innenministerium in Dresden jetzt mitgeteilt, dass Sachsen sich auf seine Projekte ohne fremde Teilnahme konzentriere. Beide stehen kurz vor der offiziellen Bewerbung und sehen sich durch das Kabinett selbst vor hohe Hürden gestellt.

"Sachsens Regierung blockt das Projekt ab", hat Radek Vonka, Bezirkshauptmann des Kreises Usti nad Labem/Aussig, verlauten lassen. Er vermutet, dass dafür das Debakel von 2009 um die Aberkennung des Welterbetitels für das Dresdner Elbtal wegen der Waldschlösschenbrücke der Grund sei. Sogar die einflussreiche Regionspräsidentin von Usti, Jana Vanhova, reagierte verwundert: "Wir haben keine Informationen darüber, dass die sächsische Seite beschlossen hat, den Antrag allein zu stellen", sagte sie auf Nachfrage. "Der letzte Brief, den wir aus Dresden erhielten, teilt uns im Gegenteil mit, dass wir auch weiterhin in dieser Sache zusammenarbeiten werden." Der Karlsbader Landkreis positionierte sich ebenfalls: "Wir bevorzugen ein gemeinsames Vorgehen, weil wir es für beide Seiten für vorteilhafter halten", so eine Sprecherin.

Druck aus dem Innenressort

Und doch tritt der Freistaat auf die Bremse. Für die "Sächsisch-Böhmische Schweiz" mischt sich der engagierte Bundestagsabgeordnete Klaus Brähmig (CDU) ein. Aufgrund der Querelen im eigenen Land liebäugelt er mit der "Abwanderung" des Projekts nach Tschechien. "Wir lassen uns lieber dort auf die Bewerberliste bei der Unesco setzen", sagte der Chef des Tourismusausschusses des Bundestages. Das Nachbarland habe höhere Chancen für einen Welterbetitel. "Sachsen kann dem Projekt ja später beitreten", meinte Brähmig. Dieser Weg entspräche dem Verfahren, mit dem der Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau 2004 auf den Olymp der Welterbestätten gelangte. Die Initiative für das Zwei-Länder-Projekt ging von Polen aus.

Das Vorhaben Montanregion Erzgebirge, das eine Vielzahl von Kommunen auf sächsischer Seite trägt, sieht sich indes einem wachsenden Druck des Innenministeriums ausgesetzt. In einem Schreiben vom 1. August verlangt es für einen Bericht an die Landesregierung von den Organisatoren Garantien für das Gelingen des Vorhabens, das zum 1. Februar 2013 in Paris bei der Unesco eingereicht werden soll.

Außerdem legte das Ministerium die Latte für den Verein auf eine unüberwindbare Höhe: Er, der Verein, solle beispielsweise den Nachweis führen, dass für eine etwaige gemeinsame Bewerbung die "Zustimmung der tschechischen Regierung" vorliegt. Im Trägerverein sorgt das für Unmut. "Was hier von uns verlangt wird, ist allein Sache der Landesregierung", kritisierte Helmuth Albrecht, Vize-Vorsitzender des Montanregion-Erzgebirge-Vereins. Diese Frage werde am Mittwoch die erste Tagung des neuen Welterbe-Konvents in Freiberg beschäftigen.

Grüne: Projekte anerkennen

Sachsens Grüne haben unterdessen im Erzgebirge eine Unterschriftensammlung für eine gemeinsame Bewerbung von Sachsen und Tschechien begonnen. "Es ist folgerichtig, dass das Welterbe-Projekt ,Montanregion Erzgebirge' von Anfang an grenzüberschreitend konzipiert wurde", sagte Karl-Heinz Gerstenberg, kulturpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag. "Sachsens Regierung muss sich endlich zur Montanregion bekennen und Tschechien offiziell zur Teilnahme einladen."

Indes ist die tschechische Seite nicht untätig. Wie am Mittwoch bekannt wurde, treffen sich die böhmischen Welterbe-Initiativen am 30. August in Karlsbad erstmals mit Experten des Prager Kulturministeriums und der nationalen Denkmalbehörde. Von dort ist zu erwarten, dass sich Tschechien seinerseits offiziell um eine Stellungnahme an Sachsens Regierung wendet.

 
erschienen am 10.08.2011 ( Von Uwe Kuhr und Vladislav Podracky )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
0
(Anmeldung erforderlich)

 
 
 
Artikel weiter empfehlen
per E-Mail per Bookmark
 
Facebook Teilen   Twittern  
 
 
Shop-Tipp

Erlebnistour: Spreewald - eine kulinarische Reise

Diese Erlebnistour wird Ihnen schmecken: Im Juli geht es auf knackig, genussvolle Tour in den Spreewald. Ziel ist eines der ersten Gurkenfelder....
 
Shop-Tipp

Atempausen für den Alltag

Nach Feierabend ein bisschen ins Blaue fahren, am Wasser sitzen und die Seele baumeln lassen. Oder in der Mittagspause den Vögeln in den...
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Webtipps