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Tierschützer fordern Kastrationspflicht für Katzen
Behörden: Einhaltung der Pflicht wäre nicht zu kontrollieren
Leipzig (dapd-lsc). Der Deutsche Tierschutzbund fordert von den sächsischen Kommunen die Einführung einer Kastrationspflicht für Katzen. "Wir appellieren an den Freistaat und die Kommunen, dem Beispiel anderer Regionen zu folgen", sagte Marius Tünte vom Deutschen Tierschutzbund der Nachrichtenagentur dapd. "Das wäre das wirkungsvollste Instrument, um dem Elend der Straßenkatzen entgegenzuwirken."
In den sächsischen Städten und Gemeinden besteht derzeit keine Pflicht für Halter von Katzen, ihre Tiere kastrieren zu lassen. Die Stadt Leipzig etwa begründet ihre ablehnende Haltung zu einer Pflicht zur Kastration auf Anfrage damit, dass es nicht zu kontrollieren sei, ob die Pflicht eingehalten werde. Da die sächsischen Kommunen keine Katzensteuer erheben, sind die in Wohnungen lebenden Tiere bei den Behörden nicht erfasst.
Der Tierschutzbund berichtet, dass eine Katze schon nach einem halben Jahr geschlechtsreif und mehrfach im Jahr, besonders zwischen April und September, paarungswillig ist. Nach einer Tragezeit von etwa zwei Monaten bringe eine Katze durchschnittlich vier bis sechs Junge zur Welt. Bei einer Kastration werden bei der Katze die Eierstöcke entfernt, beim Kater sind es die Hoden. Der Tierschutzbund spricht von einem für Tierärzte routinemäßigen Eingriff, der für die Tiere ungefährlich sei. Die Tierschützer empfehlen, die Tiere schon vor dem Beginn der Geschlechtsreife kastrieren zu lassen, um konsequent Nachwuchs zu verhindern.
Behörden unterstützen Kastration frei lebender Katzen
Frei lebende Katzen werden in den drei Großstädten des Freistaats, Leipzig, Dresden und Chemnitz, mit finanzieller Unterstützung der Kommunen kastriert. Die Stadt Leipzig wendet nach ihren Angaben jährlich eine "fünfstellige Summe" auf, um herrenlose Katzen einzufangen, zu kastrieren und mit einer Kennzeichnung versehen wieder freizulassen. Das Chemnitzer Veterinäramt betreibt nach eigenen Angaben "seit Jahren in Absprache mit Tierschützern und Tierärzten ein Kastrationsprogramm".
In der Landeshauptstadt zahlt die Stadtverwaltung Beihilfen an die Tierschutzvereine für Kastrationen. Zusätzlich sei ein Bürgerarbeiter eingestellt worden, der auf Anforderung von Bürgern Katzen einfange, im Tierheim kastrieren lasse und sie an der Fangstelle wieder aussetze. Eine Vermittlung solcher herrenloser Tiere besitze keine Aussicht auf Erfolg, teilte das Dresdner Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt weiter mit.
Nur sehr junge Katzen gewöhnen sich an Leben im Haushalt
Laut Tierschutzbund lassen sich Katzen, die längere Zeit in Freiheit gelebt haben, in der Regel nicht mehr an ein Leben in häuslicher Gemeinschaft gewöhnen. Die Tiere seien scheu, ängstlich und immer auf Fluchtmöglichkeiten bedacht. Nur bei sehr jungen Katzen bestehe die begründete Hoffnung, dass die zuvor wild lebenden Tiere noch zu Stubentigern werden.
Den Tierschützern würden immer wieder Fälle bekannt, in denen Katzen von Menschen vergiftet werden. Die Stadtverwaltung Dresden weiß von Berichten und Anzeigen über das Auslegen von Giften in "regelmäßigen, längeren Abständen". Allerdings seien der Behörde keine Berichte über verendete Katzen bekannt geworden, wie es auch bei den Verwaltungen in Leipzig und Chemnitz nach deren Angaben der Fall ist.
dapd