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Trendwende: Mehr Menschen ziehen nach Sachsen
Die jahrelange Abwanderung ist gestoppt - Grund ist laut Wirtschaftsminister der Arbeitsmarkt
Dresden (dapd-lsc). Nach mehr als einem Jahrzehnt erlebt Sachsen eine wichtige Trendwende: Erstmals seit 1997 sind im vergangenen Jahr offenbar mehr Menschen in den Freistaat gezogen als abgewandert. "Damit ist die Abwanderung aus dem Freistaat gestoppt", sagte Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) am Freitag in Dresden.
Von September 2010 bis einschließlich August 2011 zogen demnach exakt 858 Menschen mehr nach Sachsen, als fortgingen. Für die Monate September bis Dezember liegt noch keine Statistik vor. Er gehe aber davon aus, dass der Trend anhalte, betonte der Minister.
Der Freistaat leidet seit Mitte der 90er-Jahre unter einem drastischen Bevölkerungsrückgang. Neben der Abwanderung tausender Menschen zumeist in wirtschaftsstärkere Bundesländer wie Bayern, Baden-Württemberg oder Hessen brachen auch die Geburtenzahlen nach der Wende ein. Seit 1990 hat Sachsen mehr als eine halbe Million Einwohner verloren.
Die Trendwende begründete der Minister vor allem mit der Entwicklung des Arbeitsmarktes. Nirgendwo in Deutschland sei die Arbeitslosenquote 2011 so gesunken wie in Sachsen, sagte Morlok mit Verweis auf die Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Während die Zahl der Arbeitslosen im Freistaat um 1,3 auf 9,8 Prozent sank, betrug der Rückgang in den anderen Bundesländern zwischen 0,7 und 0,1 Prozent.
Die höchste Arbeitslosigkeit hatte es 1998 und 2005 gegeben, als mehr als 18 Prozent der erwerbsfähigen Sachsen zum Arbeitsamt mussten. Wichtige Wirtschaftsmotoren seien beispielsweise die Autoindustrie und die Baubranche. "Der Freistaat hat für Arbeitskräfte an Attraktivität gewonnen." Auch die Zahl der Berufspendler sei rückläufig, betonte der FDP-Politiker. Pendelten 2002 noch 56.000 Sachsen in andere Bundesländer, waren es laut Ministerium 2010 rund 44.000.
Morlok erklärte das Zuwanderungsplus zwar auch mit einer wachsenden Attraktivität Sachsens für Senioren und andere Bevölkerungsgruppen. Entscheidend sei aber der Arbeitsmarkt, der nun bessere Chancen für Langzeitarbeitslose, Ausbildungssuchende und über 50-Jährige biete. Einen nicht unerheblichen Anteil an der Entwicklung habe die Arbeitsmarktreform unter der rot-grünen Koalition unter Führung von SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder, sagte Morlok mit Blick auf die Hartz-Reform 2003.
Für dieses Jahr erwartet der Minister einen weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit. "In einigen Monaten könnte eine acht vor dem Komma stehen." Die Landesregierung wolle die positive Arbeitsmarktentwicklung weiterhin mit Förderprogrammen begleiten, um Menschen aus der Langzeitarbeitslosigkeit herauszuholen.
dapd