Das Wolkensteiner Löffelohr - gestaltet von Osmar Osten.Foto: Ronny Rozum
Ein Löffelohr à la Osmar Osten
Der Verein "Leser helfen", Kunststube Schmied und Künstler der Region starten Versteigerungsaktion zugunsten lokaler Hilfsprojekte
Chemnitz/Wolkenstein. So stellt man sich einen echten Erzgebirger vor: Geschickt, emsig, bescheiden und immer einen Holzspan im Bart. Günther Schmied aus Wolkenstein ist so einer. Jeden Tag steht er in seiner kleinen Werkstatt an seiner Drechselbank. Unter dieser stapeln sich die Holzklötze. Überall im Raum - akribisch sortiert - liegen vorgefertigte Holzteile, aus denen später das Wolkensteiner Löffelohr zum Leben erweckt werden soll. Dass es diese "Rasse" überhaupt gibt, ist einem Zufall geschuldet - denn mit Hasen hatte der Holzbildhauer nie etwas am Hut. Unter seinen geschickten Händen entstanden früher eher Räuchermänner- und frauen, Lichterengel oder Bergmänner.
Eines Tages aber kam eine Kundin ins kleine, gemütliche Geschäft in der Marienberger Straße. Sie wollte einen großen Holzhasen kaufen. Den gab es aber nicht. Also bat sie den Holzbildhauer, doch einfach einen zu entwerfen. Tagelang tüftelte Günther Schmied. Immer wieder verwarf er seine Entwürfe und Muster, um der Kundin schließlich stolz fünf unterschiedliche Hasen zu präsentieren. Sie allerdings verzog nur das Gesicht, machte auf dem Absatz kehrt und wart nie wieder in seinem Laden gesehen. Das hatte der Künstler in seinen mehr als 30 Berufsjahren noch nicht erlebt. Kurzerhand stellte er die Hasen in seiner Filiale im Kurzentrum Warmbad auf - und verkaufte sie an nur einem Nachmittag. Das war die Geburtsstunde der Wolkensteiner Löffelohren.
Von diesen gibt es nun in einer Sonderedition einige wenige exklusive Exemplare, die von Künstlern der Region gestaltet und über den "Freie Presse"-Hilfsverein "Leser helfen" zugunsten von lokalen Hilfsprojekten versteigert werden. Die Idee dazu hatte Günther Schmied - und er fand auch ganz schnell Unterstützer. Zu denen gehört mit Osmar Osten auch einer der bekanntesten, profiliertesten und international erfolgreichsten Künstler der Region.
Das Hilfsprojekt:
An der Montessori-Schule in Chemnitz lernen rund 25 Kinder mit unterschiedlichen Behinderungen. Am schwersten betroffen ist der 14-jährige Owusu Safroh. Er ist geistig und körperlich behindert. Seit seiner Geburt bemüht sich seine Mutter darum, dass ihr schwer behinderter Sohn gemeinsam mit normal entwickelten Kindern aufwächst. Das Zusammensein mit den anderen tut ihm sehr gut. Um ihm den Alltag in der Schule zu erleichtern und um künftig weitere an den Rollstuhl gebundene Kinder aufnehmen zu können, plant der Schulverein den Anbau eines Fahrstuhles an das aus DDR-Zeiten stammende Schulgebäude. Dafür benötigt der Schulverein Spenden. Da Osmar Osten den Jungen und seine Familie persönlich kennt, unterstützt er dieses Projekt von ganzem Herzen und wünscht sich, dass sein Hase einen möglichst hohen Spendenbetrag erbringt.
Service:
Der Original-Hase von Osmar Osten ist bis zum 20. Dezember auch in der Kunststube in Wolkenstein, Marienberger Str. 27, anzuschauen.
Die Versteigerung
Den aktuelle Angebot zum Künstlerhasen finden Sie bei Ebay. Dort können Sie auch Ihr Gebot abgeben. Das Mindestgebot für den Hasen beträgt 250 Euro. Den Zuschlag erhält , wer bis zum 20. Dezember, 18 Uhr, im Internet das höchste Gebot hinterlassen hat.
►Bildstrecke: Der Künstlerhase von Osmar Osten
Der Künstler:
Osmar Osten ist einer der bekanntesten und auch international erfolgreichsten Künstler Sachsens. Geboren 1959 in Karl-Marx-Stadt, absolvierte er nach seiner Lehre zum Landschaftsgärtner sein Studium der Malerei und Grafik an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Seit 1985 arbeitet er als freischaffender Künstler in Chemnitz. Neben zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in Galerien und Museen im In- und Ausland hatte er Lehraufträge an der Fachschule für Angewandte Kunst Schneeberg (1991-95) und am Bilbao Arte Centre (2010) inne. Seit 2002 ist er ordentliches Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste.
Anlässlich seiner Ausstellung im vergangenen Jahr in den Kunstsammlungen Chemnitz beschrieb ihn Museumschefin Ingrid Mössinger folgendermaßen: "[…] obwohl Osmar Osten es zu lieben scheint, dass Landschaft und Natur an ihm vorüberziehen, wird sein Blick gleichwohl durch zufällige Erscheinungen gefesselt: Vögel, Fische, Mensch, Schneemänner, Fenster oder Brücken. Wie beiläufig festgehalten wirken die Motive seiner Bilder, die er gelegentlich um Worte erweitert. Von flüchtiger Leichtigkeit ist nicht nur das Dargestellte und der Farbauftrag, sondern auch der Umgang mit Sprache.
Osmar Osten ist ein Künstler, der nicht nur ‚um die Ecke‘ sieht, sondern auch ‚um die Ecke‘ denkt. Seine Bilder haben einen einzigartigen Humor, ihre Motive wählt der Künstler mit dem Blick eines Kindes, interpretiert sie aber mit der Ironie eines Erwachsenen."
Ingrid Mössinger, Generaldirektorin der Kunstsammlungen Chemnitz, Vorwort zum Katalog der Kunstsammlungen 2010
Der Verein "Leser helfen"
Der Verein "Leser helfen" engagiert sich seit mehr als 15 Jahren in der Region Südwestsachsen. Unterstützt werden vor allem Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind und so dringend auf Hilfe angewiesen sind. Zudem unterstützt der Verein soziale Projekte, für die es aus anderen Töpfen keine Förderung gibt. Vielen Lesern der "Freien Presse" dürfte noch in Erinnerung sein, wie schnell und unbürokratisch der Verein zum Beispiel nach den Hochwasserkatastrophen 2002 und 2010 Spendenaktionen zugunsten der Hochwasseropfer initiierte. Allein im vergangenen Jahr erhielt der Verein in der Region mehr als 100.000 Euro an Spendengeldern, die allesamt an Hilfsbedürftige in Südwestsachsen verteilt wurden.