Das Wolkensteiner Löffelohr - gestaltet von Peter Schönhoff. Das Wolkensteiner Löffelohr - gestaltet von Peter Schönhoff.

Foto: Freie Presse

Ein Löffelohr von Peter Schönhoff

Der Verein "Leser helfen", Kunststube Schmied und Künstler der Region starten Versteigerungsaktion zugunsten lokaler Hilfsprojekte

Chemnitz/Wolkenstein. So stellt man sich einen echten Erzgebirger vor: Geschickt, emsig, bescheiden und immer einen Holzspan im Bart. Günther Schmied aus Wolkenstein ist so einer. Jeden Tag steht er in seiner kleinen Werkstatt an seiner Drechselbank. Unter dieser stapeln sich die Holzklötze. Überall im Raum - akribisch sortiert - liegen vorgefertigte Holzteile, aus denen später das Wolkensteiner Löffelohr zum Leben erweckt werden soll. Dass es diese "Rasse" überhaupt gibt, ist einem Zufall geschuldet - denn mit Hasen hatte der Holzbildhauer nie etwas am Hut. Unter seinen geschickten Händen entstanden früher eher Räuchermänner- und frauen, Lichterengel oder Bergmänner.

Eines Tages aber kam eine Kundin ins kleine, gemütliche Geschäft in der Marienberger Straße. Sie wollte einen großen Holzhasen kaufen. Den gab es aber nicht. Also bat sie den Holzbildhauer, doch einfach einen zu entwerfen. Tagelang tüftelte Günther Schmied. Immer wieder verwarf er seine Entwürfe und Muster, um der Kundin schließlich stolz fünf unterschiedliche Hasen zu präsentieren. Sie allerdings verzog nur das Gesicht, machte auf dem Absatz kehrt und wart nie wieder in seinem Laden gesehen. Das hatte der Künstler in seinen mehr als 30 Berufsjahren noch nicht erlebt. Kurzerhand stellte er die Hasen in seiner Filiale im Kurzentrum Warmbad auf - und verkaufte sie an nur einem Nachmittag. Das war die Geburtsstunde der Wolkensteiner Löffelohren.

Von diesen gibt es nun in einer Sonderedition einige wenige exklusive Exemplare, die von Künstlern der Region gestaltet und über den "Freie Presse"-Hilfsverein "Leser helfen" zugunsten von lokalen Hilfsprojekten versteigert werden. Die Idee dazu hatte Günther Schmied - und er fand auch ganz schnell Unterstützer. Drei von regionalen Künstlern höchst eigenwillig und originell gestaltete Hasen wurden bereits Ende vergangenen Jahres versteigert. Der Hase, den der Hilfsverein der "Freien Presse" jetzt kurz vor Ostern versteigert, stammt vom westsächsischen Künstler Peter Schönhoff.

Luke-Brian leidet an einem Tumor. Luke-Brian leidet an einem Tumor.

Foto: privat

Das Hilfsprojekt:

Eine junge Mutter aus Crimmitschau bangt um ihre Kinder: Die vierjährige Tochter leidet an Krebs, der kleinere Sohn an einem Tumor. Die Heilungschancen stehen schlecht. Besonders der kleine Luke-Brian macht der Mutter derzeit große Sorgen. Die onkologische Kinderstation der Universitäts-Klinik in Leipzig ist für ihn notgedrungen zum zweiten Zuhause geworden. Dort wird er seit über einem Jahr behandelt. Nur selten kann er nach Hause. Für die von Hartz IV lebende Mutter ist das eine große Belastung - seelisch, natürlich aber auch finanziell. Deshalb möchte der Verein "Leser helfen" sie mit dem Versteigerungserlös des Kunst-Hasen unterstützen.

 

Das Schicksal des kleinen Luke-Brian:

Die ersten Wochen nach der Geburt liefen ganz normal. "Doch dann hat Luke-Brian nicht zugenommen und wog monatelang zwischen acht und zehn Kilogramm, hat häufig gebrochen und fast nur geschlafen. Er ist auch behandelt worden, doch es stellte sich keine Besserung ein", sagt die Mutter. Nachdem sich das Baby mit seinen kleinen Händen immer wieder den Kopf hielt und wimmerte, schlugen bei Josephine Lüdke die Alarmglocken. Sie suchte einen anderen Kinderarzt auf. Nach einem Bluttest überwies er den Kleinen in die Uni-Klinik Leipzig. "Dort wurde er zum ersten Mal operiert und eine Biopsie gemacht. Dabei stellten die Ärzte fest, dass Luke-Brian einen Gehirntumor hat." Die Nachricht traf die junge Frau wie ein Schlag. Die Mediziner machten ihr Hoffnung. Doch die zerschlug sich nach weiteren Untersuchungen. "Man sagte mir, dass mein Sohn an einer Art Tumor leidet, die äußerst selten ist und man bisher noch keine großen Erfahrungen bei der Behandlung habe", erinnert sich die Crimmitschauerin. Inzwischen musste der Kleine schon sechs Chemotherapien ertragen. Der gewünschte Erfolg blieb bisher allerdings aus. "Jetzt versuchen die Ärzte eine neue Therapie. Ich hoffe, dass diese anschlägt", sagt die Mutter.


Service:

Der Original-Hase von Peter Schönhoff ist auch in der Kunststube in Wolkenstein, Marienberger Straße 27, anzuschauen.

►www.Kunststube.de

Die Versteigerung

Das aktuelle Angebot zum Künstlerhasen finden Sie bei Ebay. Dort können Sie auch Ihr Gebot abgeben. Das Mindestgebot für den Hasen beträgt 250 Euro. Den Zuschlag erhält , wer bis zum 3. April, 18 Uhr, im Internet das höchste Gebot hinterlassen hat.

►Zur Versteigerung

►Bildstrecke: Der Künstlerhase von Peter Schönhoff

 

Der Künstler: Peter Schönhoff

1938: geboren in Breslau

1945: Evakuierung nach Thüringen, zunächst Rositz, dann Prisselberg bei Altenburg

1949-56: Schüler in Windischleuba, Internatsunterbringung im Schloss des Balladendichters Börris Freiherrn Von Münch-hausen welches 1945/46 der Bodenreform anheimfiel. Erste Gesangsausbildung, zeichnen und schreiben

1956-59: Matrose der Seestreitkräfte der DDR in Wolgast, Barkassenführer

1959-64: Studium Kunsterziehung und Germanistik in Leipzig, erste Erzählungen, Liederabende, Ausstellungsbeteiligungen

1964-77: Kunsterzieher, Kulturpolitiker, Verhaftung im Zusammenhang mit Gerhard-Altenbourg-Ausstellung in Glauchau und Biermann-Ausbürgerung.
Es entstehen erste Künstlerbücher und Mappenwerke.

1978-85: Anstreicher in einer Molkerei , dann Mitarbeiter in einer Fa. für Fassadensanierung und -restaurierung. Es entstehen Skulpturen und Assemblagen, Ausstellungen in Dresden (Kühl), Meerane, Finnland, Ankäufe durch "Galerie Ressel", Wiesbaden, Ausbau eines Bauernhofes in ion der Nähe von Glauchau.

1986-90: Freiberufliche Tätigkeit als Maler und Graphiker, erste Wandbilder in Meerane und Glauchau, wichtiges Künstlerbuch "PHA", zu einer eigenen Dichtung, die während der Haft auf dem Kaßberg Mai-Dezember 1977 (Karl-Marx-Stadt) entstanden ist

1990-93: Direktor "Museum und Kunstsammlungen Schloss Hinterglauchau"
Gedichtband "Unse Omma ihr kleins Häuschen" mit Radierungen; Vertonung der Gedichte von 0nkel Süversen (Cornelius Neupert)

seit 1993: wieder freiberuflich, viel Publizistik

Agricola-Preis der Stadt Glauchau für Kunst und Wissenschaft

Wandbilder in Dresden, Wiesbaden, Glauchau, Meerane

2000/2001 Roman: "Der Tisch die Metze das Bett"

►www.artgluchowe.de

 

Der Verein "Leser helfen"

Der Verein "Leser helfen" engagiert sich seit mehr als 15 Jahren in der Region Südwestsachsen. Unterstützt werden vor allem Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind und so dringend auf Hilfe angewiesen sind. Zudem unterstützt der Verein soziale Projekte, für die es aus anderen Töpfen keine Förderung gibt. Vielen Lesern der "Freien Presse" dürfte noch in Erinnerung sein, wie schnell und unbürokratisch der Verein zum Beispiel nach den Hochwasserkatastrophen 2002 und 2010 Spendenaktionen zugunsten der Hochwasseropfer initiierte. Allein im vergangenen Jahr erhielt der Verein in der Region mehr als 100.000 Euro an Spendengeldern, die allesamt an Hilfsbedürftige in Südwestsachsen verteilt wurden.

 
erschienen am 27.03.2012 (Von Udo Lindner)
 

 
 
 
 
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