Sport-Mix
Gehen beim FSV Zwickau die Lichter aus?
Zwangsabstieg aus Oberliga nur bei Eröffnung eines Insolvenzverfahrens
Zwickau. Den Spielern des Fußball-Oberligisten FSV Zwickau war die Lust auf das Training am Montag vergangen. Am Vormittag bekamen sie vom Verwaltungsrat mitgeteilt, dass der Verein beim Amtsgericht Chemnitz den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt hat. Aufgrund der Schuldenlast in Höhe von über 700.000 Euro sei dies die einzige sinnvolle Möglichkeit, das Überleben des FSV zu sichern und den Club mittelfristig zu sanieren. Wie geht es weiter mit dem Traditionsverein, der innerhalb von zehn Jahren bereits zum zweiten Mal auf die Hilfe eines Insolvenzverwalters setzt? "Freie Presse" beantwortet einige wichtige Fragen.
Steht der FSV als Absteiger aus der Oberliga Süd fest?
Paragraf 6 der Spielordnung des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) besagt: "Mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens ist die spielklassenhöchste Mannschaft des Vereins sofortiger Absteiger." Entscheidend ist damit die Frage, wann (und ob überhaupt) das Insolvenzverfahren eröffnet wird. "Unser Ziel ist, dass alle Punktspiele wie geplant ausgetragen werden. In der Regel nehmen wir mit dem Insolvenzverwalter Kontakt auf und fragen an, ob das Insolvenzverfahren erst nach dem letzten Meisterschaftsspiel eröffnet werden kann", erklärte NOFV-Geschäftsführer Holger Fuchs. Dann könnte der FSV die Saison ganz normal zu Ende spielen und die Ergebnisse würden nicht annulliert. "Der Insolvenzverwalter wird in der Regel versuchen, den Verein zu retten. Und das ist nur bei laufendem Spielbetrieb und den damit verbundenen Sponsoren- und Zuschauereinnahmen möglich", ergänzte Fuchs.
Wird der FSV den Spielbetrieb wie geplant fortsetzen?
Der Verwaltungsrat hat betont, dass der Spielbetrieb aufrechterhalten werden soll. Allerdings stellt sich die Frage, ob die Spieler, die zum Teil seit Oktober auf ihre Gehälter warten, tatsächlich gewillt sind, weiterhin für Zwickau die Kastanien aus dem Feuer zu holen. "Ich habe für Dienstag, 10.00 Uhr Training angesetzt. Und ich gehe davon aus, dass alle gesunden Spieler anwesend sind", meinte Spielertrainer Kvicha Shubitidze. Wie es für die Kicker finanziell weitergeht, das will die Spielergewerkschaft VdV, die 15 FSV-Spieler vertritt, in den kommenden Tagen mit dem Insolvenzverwalter besprechen, erklärte Frank Günzel von der VdV am Abend. Shubitidze versicherte, dass die Mannschaft weiter in der Oberliga antreten will: "Die jüngeren Spieler müssen sich zeigen und für andere Vereine empfehlen. Außerdem stehen wir im Halbfinale des Landespokals, wo der Gegner eventuell FC Erzgebirge Aue heißt. Dieses Highlight möchte sich keiner entgehen lassen." Auf den Landespokal hat ein Insolvenzverfahren im übrigen keinen Einfluss. Selbst bei einem Zwangsabstieg aus der Oberliga könnte der FSV Zwickau theoretisch Pokalsieger werden, teilte der Sächsische Fußball-Verband (SFV) mit.
Welche Auswirkungen hat das Verfahren auf den Nachwuchs?
"Vom Spielbetrieb her passiert nichts. Alle Mannschaften des FSV spielen ganz normal weiter", betonte Lutz Mende vom SFV. Für den Nachwuchsbereich werde in der Regel immer eine Lösung gefunden. Wird das Insolvenzverfahren nicht eröffnet oder führe der Insolvenzplan zu keinem Erfolg, müssten die Nachwuchsteams des FSV entweder einen neuen Fußballclub gründen oder sich anderen Vereinen anschließen. "Die Spielklassen würden aber beibehalten", verriet Mende.
Wann wird der FSV aus dem Vereinsregister gelöscht?
Sieht der jetzige Insolvenzverwalter mangels Masse (siehe Stichwort) keine Möglichkeiten, den FSV über ein Insolvenzverfahren zu retten, wäre die Löschung aus dem Vereinsregister die Folge und das Ende des Zwickauer Traditionsvereins besiegelt.
Von Olaf Morgenstern
Erschienen am 08.03.2010weitere Meldungen:
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