Thema des Tages
Saurierfund lässt Forschern den Atem stocken
Fossil aus der Urzeit bei Grabung in Chemnitz entdeckt
Das versteinerte Handskelett des Chemnitzer Sauriers. Klar erkennbar sind die mehrgliedrigen Finger. TIETZ/Museum für Naturkunde
Chemnitz. Bei der Suche nach versteinerten Hölzern aus der Perm-Zeit machten Forscher in Chemnitz einen spektakulären Fund: Sie entdeckten einen 290 Millionen Jahre alten Ur-Saurier.
Lange, sehr lange wartete der kleine Saurier auf seine Entdeckung. Erdzeitalter kamen, Erdzeitalter gingen. Millionen von Jahren vergingen. Irgendwann tauchten Menschen auf, die - erdgeschichtlich betrachtet vor einem Augenblick - im 12. Jahrhundert die Stadt Chemnitz gründeten und eine Straße nach Frankenberg bauten: die heutige B 169. 290 Millionen Jahre harrte der Saurier nur weniger Meter abseits der Bundesstraße in fünf Metern Tiefe aus, bis Volker Annacker, Volontär des Chemnitzer Naturkundemuseums, das Fossil aus einem versteinerten Stück Vulkanasche klopfte. Annackers Chef, Ronny Rößler, Leiter des Naturkundemuseums, brauchte am Montag nicht viele Worte, um die Entdeckung zu beschreiben: "Eine absolute Sensation!"
Auf dem 18 mal 24 Meter großen Grabungsgelände suchen seit einem Jahr Geologen nach den Resten des von einem Vulkan verschütteten Chemnitzer Urwaldes, des so genannten Versteinerten Waldes. Eine zunächst äußerst umstrittene Grabung, auch unter Wissenschaftlern, doch das Team um Rößler war sich sicher: Wir finden etwas. Fünf Meter wühlten sich zahlreiche Helfer in die Erde hinein und brachten tatsächlich Erstaunliches zu Tage. Bereits nach einer Woche meldete die "Freie Presse" den ersten Fund. Ein Monat später die nächste Sensation, als die Wissenschaftler auf drei noch aufrecht stehende Bäume stießen. Seitdem hat sich eine Art internationaler Forschertourismus entwickelt. Geologen aus aller Welt kommen in die sächsische Stadt, um die Zeugen des Permzeitalters näher zu betrachten und zu untersuchen.
Mittlerweile sieht die Grabungsstätte wie ein Steinbruch aus. Überall hängen Zettel, die auf Entdeckungen hinweisen. In der hinteren Ecke des Areals steht ein großes Archäologen-Zelt, wo Annacker den Saurier aus dem Vulkangestein klopfte. "Es war in der Abenddämmerung. Ich wusste, es ist was Besonderes, was ich da in den Händen halte, aber ich dachte zunächst, es sei eine Pflanze", erinnert sich der Jungforscher an den Moment der Entdeckung. Er fotografierte den Fund, verpackte ihn und eilte zu einem Computer, wo er sich die Bilder näher ansah. Dann wurde ihm plötzlich klar, dass es sich um ein größeres Tier handeln musste: Er erkannte die Glieder des Fußes, den Kopf, das Gerippe, sogar die Schuppen waren zu sehen.
In den kommenden Tagen tritt der Saurier seine Reise in das Naturhistorische Museum in Schleusingen an, wo er präpariert wird, damit auch die Nachwelt noch etwas von ihm hat. Wie es dort hinkommt? Museumschef Rößler lässt keine Zweifel: "Das ist absolute Chefsache. Den fahre ihn höchstpersönlich nach Thüringen."
Von Johannes Fischer
Erschienen am 28.09.2009weitere Meldungen:
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