Zu einer der Pumpguns aus dem Arsenal der Terrorzelle glauben die Ermittler, nun die Vorgeschichte zu kennen. Zu einer der Pumpguns aus dem Arsenal der Terrorzelle glauben die Ermittler, nun die Vorgeschichte zu kennen.

Foto: dapd

Die Spur der Waffen: Razzia bei mutmaßlichen Terrorhelfern

Bundesanwaltschaft lässt bei vier weiteren Beschuldigten in Sachsen Wohnungen durchsuchen

Chemnitz. Die Ermittler folgen "dem Weg der Waffen". So formulierte es am Mittwoch der Sprecher der Bundesanwaltschaft, Marcus Köhler. Gegenstand der aktuellen Ermittlungen - und damit im Fokus der sieben Durchsuchungen in Sachsen, Thüringen und Baden-Württemberg - ist die Herkunft des Waffenarsenals, das bei der Zwickauer Terrorzelle gefunden wurde. Konkret waren das 20 Schusswaffen. Zwölf davon fand man in der Wohnung an der Zwickauer Frühlingsstraße, die die Verdächtige Beate Zschäpe, um Spuren zu beseitigen, angezündet haben soll. Acht weitere Waffen lagen im Wohnmobil, in dem sich Zschäpes Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt am 4. November nach dem Eisenacher Bankraub vor dem Zugriff der Polizei erschossen haben sollen.

Eine der beiden Pumpguns aus dem Wohnmobil soll durch zwei der am Mittwoch aufgesuchten mutmaßlichen Unterstützer in die Hände des Trios gelangt sein. Um welche der beiden Waffen es sich handelt, sei noch nicht klar, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Sicher dagegen scheint, dass die Übergabe erst zwischen 2002 und 2003 geschah und dass die beiden jetzt Beschuldigten zu dem Zeitpunkt schon Kenntnis über die "terroristischen Ziele der Gruppierung" hatten. Noch weitere Waffen sollen von diesen beiden mutmaßlichen Unterstützern stammen. Außer den Pumpguns waren im Wohnmobil unter anderem eine Maschinenpistole sowie die Dienstwaffen der 2007 in Heilbronn ermordeten Polizistin Michèle K. und ihres Kollegen entdeckt worden.

Bei einigen Waffen wisse man zur Herkunft schon mehr als bei anderen, heißt es seitens der Bundesanwaltschaft. Die Tatwaffe der Mordserie an den neun ausländischen Kleinunternehmern, jene Ceska 83 samt Schalldämpfer, wurde in der Schweiz gekauft. Der aus Tschechien stammende Händler, zu dem die Pistole zurückverfolgt wurde, ist inzwischen in sein Heimatland zurückgekehrt und dort neben dem Verkauf auch in die Produktion von Schusswaffen eingestiegen. Zur Klärung der Zusammenhänge bei diesem Waffenkauf hat die Bundesanwaltschaft ein Rechtshilfeersuchen in die Schweiz gesandt.
Eine der bereits zu sehr frühem Zeitpunkt, konkret im Jahr 1998, übergebenen Waffen soll von den anderen beiden sächsischen Beschuldigten stammen, bei denen am Mittwoch Durchsuchungen stattfanden. Es besteht auch der Anfangsverdacht, dass diese beiden das Terrortrio noch später logistisch unterstützt haben.

Nach Informationen der "Freien Presse" fand eine der Durchsuchungen in Dresden statt, bei einem Rechtsextremen, der im Umfeld des Chemnitzer Konzertveranstalters "Chemnitz Concerts 88" aktiv war. Dieser organisierte illegale Konzerte für die seit dem Jahr 2000 verbotene "Blood-and-Honour"-Bewegung. Der fragliche Mann trat im Jahr 2000 als Geldgeber für die Produktion der letzten CD der als kriminelle Vereinigung eingestuften und verbotenen Band "Landser" in Erscheinung. Die Platte wurde vom sächsischen Label "Movement Records" produziert, das dem ebenfalls bei "Blood and Honour" aktiven Chemnitzer Jan W. gehörte. Über Jan W. berichtete der vom Brandenburger Verfassungsschutz geführte V-Mann "Piato" bereits vor 13 Jahren, er beschaffe gerade Waffen für Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe.

 

 
erschienen am 25.01.2012 (Von Jens Eumann )
 
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