Die Frau fürs Leben zu finden, wird in manchen Orten des Landkreises immer schwieriger. Denn überdurchschnittliche viele Mädchen sind in den vergangenen Jahren aus der Region weggezogen.

Foto: Yuri Arcurs/Fotolia

Junge Frauen fehlen in Westsachsen

Männer im Landkreis Zwickau finden keine Partnerin

Zwickau. Geht es nach der Statistik, dann haben die jungen Männer in Oberwiera ein echtes Problem bei der Suche nach der Frau fürs Leben. 113 Männer stehen in der Altersgruppe der 18- bis 31-Jährigen gerade einmal 66 Frauen gegenüber. Rein rechnerisch würden 44 Oberwieraer leer ausgehen. So ungünstig wie in dieser Gemeinde ist das Verhältnis sonst nirgends in Westsachen. Doch auch in den anderen Kommunen des Landkreises herrscht in dieser Altersgruppe kein Frauenüberschuss. Ganz im Gegenteil, es fehlen 3399 für das Gleichgewicht. Auf 100 Männer kommen nicht mal mehr 87 Frauen. Dies ist sogar weniger als der sächsische Durchschnittswert, der bei rund 90 liegt.

Ganz ohne Statistik hat dies Daniel Steinert bemerkt. "Wenn man bei uns unterwegs ist, kommen auf zehn Männer vielleicht zwei Frauen", sagt der Oberwieraer. "Wir gehen deshalb oft im nahen Thüringen weg. Dort ist es einfach besser", sagt der 24-Jährige. Von den trüben Aussichten in Oberwiera hat Olbricht dagegen bislang noch nichts gespürt. "Vom subjektivem Eindruck kann ich die Statistik nicht bestätigen", erklärt der Kfz-Mechaniker, der für die Freie Wählergemeinschaft "Oberes Wieratal" im Gemeinderat sitzt. "Ich habe das Gefühl, dass mehr Kinder geboren werden", sagt Kevin Olbricht. So wurde beim Motorsportclub Oberwiera, dessen Vorsitzender er ist, sogar eine Spielecke für Kleinkinder eingerichtet. Seine eigene Traumfrau habe er im Nachbarort gefunden, zumindest da stimmt für ihn die Statistik.

Einer, der das Ungleichgewicht zwischen Frauen und Männern bemerkt hat, ist Gerd Clauß vom Tanzcafé Schützenhaus in Waldenburg. Seit Mitte der 1990er-Jahre wird dorthin regelmäßig zum Singletanz eingeladen. Und offenbar sogar mit einigem Erfolg. "Immer wieder kommen Hochzeitspaare zu uns, die sich im Tanzcafé kennengelernt haben", sagt Clauß. Zwar gebe es durch den gestiegenen Bedarf immer mehr Veranstalter, die auf den Single-Zug aufgesprungen sind. Doch für Clauß ist und bleibt Waldenburg eine feste Größe.



Wissenschaftlich mit dem Phänomen der Abwanderung setzt sich Steffen Kröhnert, Mitarbeiter beim Berliner Institut für Bevölkerung und Entwicklung, auseinander. In der Studie "Not am Mann" beleuchtet er die Gründe für die Abwanderung der jungen Frauen.

Danach scheint ein enormes Bildungsgefälle zwischen Mädchen und Jungen die Hauptursache dafür zu sein. Laut dem Sozialwissenschaftler vermitteln Eltern ihren Söhnen noch immer, sich auf Malocher-Jobs einzustellen. Arbeit, etwa auf dem Bau, gebe es immer, auf Bildung käme es weniger an. Zudem kommen offenbar Jungen mit dem Schulsystem und der Vorauswahl für die Gymnasien schlechter zurecht. Ein weiterer Grund für das Ungleichgewicht ist nach Meinung des Wissenschaftlers, dass Männer häufiger zurückkehren, da sie sich weniger gut integrieren.

Damit sich das Problem nicht weiter fortsetzt, gibt die Studie auch Ratschläge. So empfiehlt Kröhnert, bei der Bildung der Jungen anzusetzen. Denn ein guter Beruf hilft auch statistisch bei der Partnerwahl. So heiraten Frauen selten unter ihrem Bildungsniveau, sagt Kröhnert

Gute Chancen hatten junge Männer in Westsachsen noch vor 20 Jahren. Damals gab es in Oberlungwitz, Remse, Crimmitschau, Werdau, Kirchberg, Lichtentanne noch einen Überschuss an jungen Frauen. Heute ist das nirgends im Kreis mehr so.

 
erschienen am 08.11.2011 ( Von Thomas Mehlhorn )
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