Seit 17 Uhr warten sie vor der "Neuen Welt": Martin Schwartz (38), Birgit Drewes (38), Dörte Langenberg (34), Manja Bitterling (38), Anne Pätzold (35) und Sebastian Lilienthal (31, von links) sind aus Rostock angereist.
Foto: Ralph Köhler
Laternen-Joe singt, bis die Ärzte kommen
Weder Interviews noch Presse: Konzert in Zwickau sollte (fast) geheim bleiben
Zwickau. In der Schlange steht kein Zweifler. Alle wissen, dass sie ein Konzert der Ärzte erwartet, die selbst ernannte beste Band der Welt. Und auch an diesem Fakt zweifelt keiner von denen, die schon Stunden vorher den Platz vorm Ballhaus "Neue Welt" bevölkern.
18 Uhr: Vorfreude
Zwei Stunden noch, dann macht die Band Laternen-Joe den Ossis Licht an den Kronleuchter. Fast 2000 Fans aus dem Postleitzahlenbereich 0 und 1 haben übers Internet Karten bekommen. Die meisten trudeln innerhalb der nächsten Stunde hier ein. Manja Bitterling aus Rostock harrt schon eine Weile aus. 10.30 Uhr sind die Nordlichter zuhause losgefahren, knapp 500 Kilometer für den Tourauftakt einer Band, von der die langjährigen Ärztefans noch nie gehört haben. Aber sie wissen, was sie erwartet: "Die Götter, Spaß, Musik", sagt die 38-Jährige.
18.30 Uhr laufen Päddä und seine Kumpels die zweigeteilte Schlange ab. Sie wollen Flugblätter an den Fan bringen, die für eine Demonstration zugunsten eines alternativen Zentrums in Zwickau werben. Mit mäßigem Erfolg. Rein will Päddä, der nicht mehr als seinen Spitznamen verrät, nicht. Die Ärzte, das ist ihm zu kapitalistisch. Eine Viertelstunde später reicht die Warteschlange bis ans Achat-Hotel heran. Dort parkt eine Lincoln-Strechtlimousine, ein Mann im schwarzen Anzug und mit schwarz-grauem Zopf bewacht den silbernen Schlitten. Plötzlich ein Schrei: "Es geht los!"
19 Uhr: Ansturm und Abendbrot
In die Schlange kommt Bewegung. Lutz Klee rückt Schritt für Schritt vor. Der Lichtensteiner trägt nicht wie fast alle anderen Schwarz. Er hat Jeans und ein kariertes Hemd an. Und er liegt mit seinen 55 Jahren deutlich über dem Altersdurchschnitt. Macht nichts, sagt er. "Wir hören alles, was knallt", sagt seine Frau. AC/DC haben sie schon erlebt, und Westernhagen auch. "Und die Ärzte machen einfach gute Musik. Deswegen sind wir hier."
19.20 Uhr: Das ging fix
Aus der Doppelschlange ist ein versprengter Haufen geworden. Jetzt stehen nur noch die draußen, die es nicht eilig haben. Und die, die ihr Abendbrot verzehren. Oder austrinken. Die leeren Bierflaschen werden auch gleich weggeräumt. Ein Mann sammelt die Pfandflaschen ein und verstaut sie in zahlreichen Plastetüten. Derweil erlebt der Stand mit Laternen-Joe-Hemden - natürlich in schwarz - in der "Neuen Welt" regen Zulauf. Und drinnen werden die Ärzte gesichtet. Eigentlich sind es erstmal nur Damen vom Rettungsdienst. Aber die werden im Laufe des Abends noch gebraucht. Nicht alle überstehen das Gedränge vor der Bühne schadlos.
20 Uhr: Dicke Luft
Es beginnt pünktlich. Erstes Lied: "Laternen-Joe". Ärzte-Sänger Farin Urlaub steht auf der Bühne. Einige Laternen leuchten, die haben die Fans mitgebracht. Dann das erste Lied von den Ärzten: "Junge". Die Bandmitglieder stellen sich als Jack, Julia und Jealousy Laterne vor. Sparkassenchef Paul Joachim Lemmermeyer ist auch da. Die Karten hat er von Kultour-Z-Chef Jürgen Croy. Doch dem Banker ist es etwas zu laut. Er will wieder gehen.
Derweil hat draußen Päddä alle Flugblätter an den Mann gebracht. Einige haben sich sogar für das Anliegen der zentrumslosen Alternativen interessiert, sagt der 24-Jährige. Er will mit seinen Freunden noch etwas hierbleiben. "Ob wir nun hier rumsitzen oder provokant vorm neuen Rathaus ..."
Der Mann mit dem Zopf putzt die Scheiben der Limousine. Ferrid Choraka hat acht richtig echte Ärzte-Fans aus Berlin nach Zwickau gebracht. War eine aufregende Fahrt. 180 auf der Autobahn und dazu laute Musik. "Hätte ich gern öfter", sagt der Fahrer, der sonst nicht weit aus der Hauptstadt rauskommt. Das 8,60-Meter-Auto wird eigentlich nur stundenweise gebucht.
Ein ähnlich langes Auto fährt vor der "Neuen Welt" vor. Es ist orange, und dessen Fahrer pumpt kurz danach sonstwas aus dem Kanal. Die Damentoilette war verstopft. "Klar", sagt Jürgen Flemming von der Kultour Z. "Die waren alle gleichzeitig auf dem Klo. Das passiert."
21 Uhr: Bald vorbei
Im Saal sind mehr Berliner und Leipziger als Zwickauer. Mindestens zwei Frauen gehen mit einem BH weniger nach Hause. Die hängen am Mikrofonständer von Rodrigo González. Kurz nach neun verabschiedet sich die Band. Es gibt Zugabe-Rufe und mehrere Zugaben. 21.18 Uhr ein weiterer Abschied von der Bühne. Es folgen noch Lieder wie "Arschloch", die wirklich jeder kennt. 21.35 Uhr ist auch die letzte Zugabe zu Ende. Braves Klatschen der Fans, das Licht geht an, Ende. Die Ärzte werden älter. Einige Fans stürmen zum Hinterausgang. Dort steht der Tourbus.
21:42 Uhr
MrTom: Warum schreibt jemand einen Artikel über eine Band, von der er nicht mal den Titel eines ihrer größten Hits kennt?? Den korregten Titel von "parlez vouz Laterne?" nicht zu kennen, ist verzeibar, auch wenn es nicht gerade von einer gründlichen Recherche der Autoren zeugt.
Dass das Lied "Arschloch" aber "Schrei nach Liebe" heißt, sollte eigentlich auch der hinterletzte Dorftrottel wissen.
Tipp: Das nächste mal vielleicht einen Blick auf die CD statt auf illegale mp3-Dateien werfen, so einfach lässt sich eine Blamage vermeiden! So ist es nämlich einfach nur peinlich!