Menü
 
Der obere Kommentar zum Umgang mit der geplanten Asyl-Notunterkunft in Zwickau stammt von einem freiwilligen Feuerwehrmann.

Foto: Screenshot: PF

Polizei ermittelt gegen Feuerwehrmann

Von Konrad Rüdiger
erschienen am 08.04.2015

Zwickau. Der Facebook-Post eines freiwilligen Feuerwehrmannes aus Zwickau hat in den vergangenen Tagen die Polizei auf den Plan gerufen. Der Mann hatte einen Beitrag von Radio Zwickau zur geplanten Asyl-Notunterkunft auf dem sozialen Netzwerk mit den Worten "Un dann könnse es mit den in de Luft sprengen!!!!!" kommentiert. Der betreffende Eintrag war wenige Minuten später gelöscht worden. Von wem, war nicht mehr nachzuvollziehen. Ein Facebook-Nutzer fertigte Bildschirmfotos der Konversation, die an das Zwickauer Demokratiebündnis gingen. Das Bündnis wiederum wandte sich damit umgehend an die Zwickauer Polizei. "Es wird wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung einer Straftat ermittelt", bestätigte Polizeisprecher Jens Scholze auf Anfrage der "Freien Presse" eine entsprechende Anzeige.

Der Mann, der als Ehrenamtler einer freiwilligen Wehr angehört, gab der "Freien Presse" gegenüber in einem Telefonat indirekt zu, dass er der Urheber der Nachricht ist. "Es ist egal, was ich geschrieben habe", sagte er. Nachdem die "Freie Presse" beim städtischen Feuerwehramt um eine Stellungnahme zu dem Geschehen gebeten hatte, wurde der Feuerwehrmann von seinem Wehrleiter noch am selben Tag mit einem vorläufigen Dienstverbot belegt. Das teilte der Chef des Feuerwehramtes, Heinrich Günnel, mit. Ihm zufolge wird auch die Stadtverwaltung den Fall untersuchen. "Nach der Feuerwehrsatzung der Stadt Zwickau wird von den Angehörigen der freiwilligen Feuerwehr ein vorbildliches Verhalten im und außerhalb des Dienstes gefordert", sagte Günnel. In einem ersten Gespräch mit der Wehrleitung habe der Mann seinen Eintrag bereut. Für die laufende Woche wurde ein weiteres Gespräch vereinbart. Am Tisch sollen Vertreter des Feuerwehramtes und der Wehrleitung sowie der vorläufig suspendierte Feuerwehrmann sitzen.

Der Feuerwehrmann hatte in seinem Telefonat mit der "Freien Presse" darauf verwiesen, dass er erst vor kurzem für seine Arbeit als Feuerwehrmann ausgezeichnet worden war. Amtsleiter Günnel sagte, dass ihm eine solche Auszeichnung jedoch nicht bekannt ist.

Gunnar Tichy - Redaktionsleiter Radio Zwickau

Foto: Andreas Wohland/Archiv

Gunnar Tichy von Radio Zwickau sperrte Kommentare

Gut 260 Kommentare wurden im sozialen Netzwerk Facebook unter die Nachricht von Radio Zwickau gepostet, dass im Stadtteil Pöhlau ein maroder Plattenbau zu einer Asyl-Notunterkunft umfunktioniert werden soll. "Ich habe zehn bis 15 Kommentare gelöscht und eine Handvoll Nutzer gesperrt", sagt Gunnar Tichy, Redaktionsleiter von Radio Zwickau. "Uns ist das hohe Gut der Meinungsäußerung sehr wichtig. Normalerweise löschen wir auf Facebook nicht einfach so Kommentare", sagt Tichy.

Als Quasi-Eigentümer der Facebook-Präsenz des Senders habe er aber die Verantwortung, dass die Diskussion in geordneten Bahnen ablaufe. Nutzer zu sperren, die sich teilweise mehrfach rassistisch geäußert haben, könne er verantworten. Es seien aber nicht einfach nur grenzwertige Meinungsäußerungen gewesen, sagt Tichy. Gelöscht habe er Äußerungen wie "Dreckspack" oder "Viehzeug". Zwei Aufrufe zum Mord habe er an besagtem Abend vor zwei Wochen ebenfalls nach wenigen Minuten aus der Diskussion genommen.

Zugleich habe er auch den Nutzern vertraut, dass sie mäßigend auf die menschenverachtenden Kommentatoren einwirken: "Ich habe einige Sachen laufen lassen, die von anderen wiederum kommentiert wurden. Allein für sich stehend hätte ich sie aber löschen müssen", sagt der Radiojournalist. Die User hätten einander schon Leitplanken gesetzt, aber eben auch nicht immer. "Überrascht war ich über die Schärfe. Die war neu", sagt Tichy.

Bei Radio Zwickau will man die Meinung der Radio hörenden Nutzer schon mitbekommen. "Die Ansage ist aber auch ganz klar: Nur solange es nicht rassistisch zugeht", sagt Tichy. Man wolle ein Diskussionsplattform bieten. Dabei müsse man sich aber immer überlegen, ob der Kraftakt leistbar ist, solche Diskussionen über längere Zeit zu moderieren. (kru)

Christian Pentzold - Kommunikationswissenschaftler TU Chemnitz

Foto: F. Kurz/TU Chemnitz

 "Facebook ist nicht abgekoppelt"

Der Kommunikationswissenschaftler Christian Pentzold über das soziale Netzwerk

Seit 2011 arbeitet Christian Pentzold (33) als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur Medienkommunikation der TU Chemnitz. Sein Fachgebiet: Online-Kommunikation. Seine Doktorarbeit schrieb er zu Wikipedia. Konrad Rüdiger sprach mit ihm über den Alltag mit Facebook.

Freie Presse: Der Ton macht die Musik. Wie klingt es denn bei Facebook momentan?

Christian Pentzold: Es klingt nach vielen verschiedenen Stimmen: Einzelne Bürger, neue Gruppierungen und politische Akteure sind zu hören, ebenso aber bekannte Sprecher, wie Politiker oder Prominente. Sie alle bilden einen Strom an Meinungen und Stimmungen, der anders aufbereitet und sortiert ist, als man es durch die Redaktionen klassischer Massenmedien wie Zeitungen oder das Fernsehen gewohnt ist.

Gibt es Filter, die der Nutzer gar nicht wahrnimmt?

Facebook als Plattform hat technische Filter, mit dem Informationen gelenkt werden. Es werden so zum Beispiel Kommentare gelöscht oder bevorzugt, bevor sie den Nutzern angezeigt werden. Das, was wir vom Nachrichtenstrom mitbekommen, ist also immer ein ausgewähltes und editiertes Produkt.

Wird die Wirkung von Facebook noch unterschätzt?

Sie wird sowohl über- als auch unterschätzt. Auf der einen Seite ist Facebook allein noch nicht ausreichend, um zum Beispiel politische Bewegungen in Gang zu setzen. Auf der anderen Seite wird es aber sehr wirkungsvoll eingesetzt, um Meinungen schnell und ohne große Kosten zu verbreiten und damit neue Formen der Öffentlichkeit aufzubauen. Häufig vergessen wird aber, dass die Bedingungen dafür von der technischen Plattform und ihren Einstellungen vorprogrammiert werden. Diese lassen sich nur sehr eingeschränkt steuern.

Die Diskussion um die Zwickauer Asyl-Notunterkunft zeigt doch aber, dass anonymes Posten die Diskussion verändert, oder?

Ja, häufig wird behauptet, dass dem Anschein nach anonym geführte Diskussionen in Beschimpfungen enden. Dabei ist die Kommunikation auf Facebook eben nicht abgekoppelt vom realen Leben. So ist die Klarnamenregelung eigentlich hinfällig. Wenn strafbare Handlungen vorliegen, muss der Plattformbetreiber die Namen der Nutzer unter Umständen an die Polizei geben.

Aber viele Nutzer sind doch vorsichtig mit dem, was sie posten?

Es ist zu beobachten, wie Nutzer sich selber zurückhalten, was sie preisgeben und was nicht, zumal vor dem Hintergrund, dass viele Kommentare auf Dauer abrufbar sind. Selbst wenn sie gelöscht werden - immer besteht die Möglichkeit, dass sie vom Plattformbetreiber oder von anderen Nutzern schon abgespeichert wurden.

Wie sah ihr letzter Besuch bei Facebook aus?

Ehrlich gesagt sehen meine Facebook-Besuche so aus, dass ich mir ein paar Nachrichten ansehe. Selten aber schreibe ich selbst.

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
9
Lesen Sie auch:
  • 07.09.2016
  • freiepresse.de
  • Schwarzenberg
Kongress - Wenn das Leben Achterbahn fährt  

Chemnitz. Mehr als 450 Teilnehmer werden Ende kommender Woche zu einem dreitägigen Kongress an der Technischen Universität Chemnitz erwartet. Ärzte und Psychologen ... weiterlesen

  • 31.08.2016
  • freiepresse.de
  • Sachsen
Waltraud Grubitzsch/dpa/Archiv
Sachsens Kita-Erzieher fordern mehr Zeit für Kinder2

Dresden. Sachsens Erzieher geben sich mit den bisherigen Zusagen zur Verbesserung der Kinderbetreuung nicht zufrieden. Um die Vorgaben des Sächsischen Bildungsplans ... weiterlesen

  • 06.08.2016
  • freiepresse.de
  • Deutschland
Sven Hoppe/Archiv
Terrordrohung: Polizei geht hart gegen Trittbrettfahrer vor 

Berlin (dpa) - Nach dem Amoklauf von München hat die Polizei eine klare Warnung an Trittbrettfahrer herausgegeben. «Es gibt zurzeit Menschen, die meinen, ... weiterlesen

  • 05.09.2016
  • freiepresse.de
  • Reichenbach
Franko Martin
Diskussion um Temposünder: Jammerlappen? Oder Opfer?  

Reichenbach. Der "Freie Presse"-Beitrag "Geblitzt, bestraft und abgekanzelt" hat ein starkes Echo ausgelöst. Kernfrage: Was ist angemessen? weiterlesen

 
Kommentare
9
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 09.04.2015
    15:44 Uhr

    gelöschter Nutzer: "Mit diesem Argument schwingt man dann die Löschkeule und ist aus dem Schneider. Ich denke eher, daß dort paar Praktikanten ihre politische Meinung ausleben wollen."

    Ja, und? Jeder lebt bei Facebook seine politische Meinung aus. Zudem ist es kein freies Pressemedium oder ähnliches, sondern eine private Internetseite, auf der eigene Regeln gelten. Ich weiß gar nicht, mit welchem Recht sich Leute immer wieder darüber beschweren,wenn bei Facebook gelöscht oder gesperrt wird - sie müssen es nicht nutzen. Es gibt viele andere Möglichkeiten, sich auszudrücken. Z.B. über eine Demo.

    Wer die unendlichen Möglichkeiten von Facebook nutzen will, muss auch die Unannehmlichkeiten mit nehmen. So ist das in der freien (Internet)-Wirtschaft nun mal, da sollte man nicht naiv sein.

    2 1
     
  • 09.04.2015
    11:53 Uhr

    Erhard34: @aarvark: Ist schon klar... Mit diesem Argument schwingt man dann die Löschkeule und ist aus dem Schneider. Ich denke eher, daß dort paar Praktikanten ihre politische Meinung ausleben wollen.

    1 1
     
  • 09.04.2015
    10:42 Uhr

    gelöschter Nutzer: "aber das Zensieren der Kommentare ist ein demokratisches Armutszeugnis höchster Stufe" - Meinen Sie hier oder bei Facebook? Bei Facebook sehe ich das nämlich nicht so. Zum Einen hat dort der Betreiber einer Seite quasi auf dieser "Hausrecht" und kann löschen oder sperren, was ihm nicht gefällt. Ich kann auch aus meinem Haus werfen, wen ich nicht mag.

    Zum anderen gab es kürzlich ein Gerichtsurteil, dass Betreiber durchaus für die Kommentare auf ihren Seiten haftbar gemacht werden können, wenn diese strafrechtlich relevanten Inhalt haben. Und die Gefahr will sicher keiner eingehen, da wird lieber mal früher was gelöscht. Tut auch der Gespächskultur im Netz ganz gut, wenn es nicht komplett rechtsfreier Raum ist und die Leute sich eine Drohung oder Beleidigung zweimal überlegen müssen, bevor sie sie schreiben.

    1 2
     
  • 09.04.2015
    09:35 Uhr

    gauni2002: Egal was unter dem Post kommentiert wurde, auch wenn unpassend, aber das Zensieren der Kommentare ist ein demokratisches Armutszeugnis höchster Stufe, denn in einer Demokratie ist die Vielfalt der Meinungen zu respektieren.

    1 1
     
  • 08.04.2015
    18:45 Uhr

    norbertfiedler70: "vorbildliches Verhalten" ist keine objektive Grundlage. Jeder Mensch ist irgendwobei nicht vorbildlich - den perfekten Menschen gibt es nicht. Weiterhin wundert mich die Überschrift. Welchen Bezug gibt es zw. Facebook-Eintrag und "Feuerwehrmann"? Wozu ist es wichtig? Warum hat die Freie Presse überhaupt beim Feuerwehramt angerufen? Was hat das Feuerwehramt mit dem Facebook-Eintrag zu tun?

    0 2
     

 
 
 
 
 
 
am meisten ...
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Unsere Top-News bei Whatsapp & Co.

MorePixels/istockphoto.com

Weitere Informationen finden Sie hier

 
 
 
 
 
 
 
 
 
|||||
mmmmm