Sie sind zu teuer geworden im Zeitalter des Handys. Die Notrufsäulen werden abgebaut, auch diese auf der B 92 in Höhe von Oberlosa.
Foto: Ellen Liebner
Stumme Helfer an den Straßen gehen sang- und klanglos
Stiftung baut Notruftelefone an Bundes-, Staats- und Kreisstraßen bis Jahresende ab
Plauen . Im Zeitalter von Handy und Ortung von Mobiltelefonen sind die Notruftelefone nicht mehr finanzierbar, begründet Stiftungs-Sprecherin Melanie Storch die Entscheidung. Ein weiterer Grund sei Vandalismus. Mutwillig zerstörte Anlagen seien in den zurückliegenden Jahren nicht mehr ersetzt worden. Bereits seit 2006 demontiert die Björn-Steiger-Stiftung sukzessive im Vogtlandkreis die Notrufsäulen.
Melanie Storch bedauert das. "Wir würden die Telefone gern stehen lassen, denn es gibt immer noch Leute, die kein Handy haben. Aber die Stiftung muss auch mit ihrem Geld haushalten." Seit 1971 hat die Organisation bundesweit mehr als 7000 Notruftelefone montiert. Für deren Wartung und die fälligen Telefongebühren waren jährlich am Ende rund zwei Millionen Euro nötig. Die Stiftung finanziert sich über Spenden, Förderer, Sponsoren und Zuschüssen von den Ländern. Letztgenannte werden laut Storch immer weniger.
"In Baden-Württemberg versuchen wir über Patenschaften die Notruftelefone zu erhalten", berichtet die Sprecherin. Im Ländle, wie Baden-Württemberg volkstümlich genannt wird, stünden fast die Hälfte der rund 7000 Säulen. Dort bleiben auch die meisten stehen - laut Storch 1800. Das hängt damit zusammen, dass die Stiftung in Baden-Württemberg gegründet wurde. In Sachsen, wo einst 982 Notruftelefone die Straßen säumten, sind es gerade mal noch 86.
Bevor sich die Stiftung für das Aus der Notruftelefone entschloss, hat sie verschiedene Partner befragt, so den ADAC und den Gesamtverband Deutscher Versicherer. "Alle waren der Meinung, der Abbau sei kein Problem", so Melanie Storch. Zudem hätten Rettungsleitstellen vor fünf bis sechs Jahren berichtet, dass die meisten Notrufe über Mobiltelefone eingingen. Dies rechtfertige nicht mehr die teuere Unterhaltung der Notrufsäulen. Die Kosten seien in Sachsen mit 400 Euro pro Säule und Jahr höher als anderswo, laut Storch einmal wegen des Vandalismus und zum anderen wegen der weiteren Wege der Monteure.
Drei Männer seien bundesweit verantwortlich - ein Schwabe, ein Badenser und ein Franke. Sie reisen diese Woche im Vogtland an und entfernen die restlichen Anlagen. Sie werden dafür etwa eine Woche benötigen, schätzt die Stiftungs-Sprecherin ein. Sie weiß, dass es hierzulande Funklöcher gibt und bei einem Unfall ein Handybesitzer dann aufgeschmissen ist, will der einen Notruf losschicken. Dafür hat Storch auch keine Lösung, "es sei denn, es gibt im Vogtland ähnliche Initiativen wie in Baden-Württemberg". Dafür dürfte es jetzt zu spät sein.
Einen Trost gibt es am Ende doch noch. Nicht betroffen vom schleichenden Abbau sind die zirka 16.000 Notrufsäulen an den Autobahnen. Für sie ist der Gesamtverband der Deutschen Versicherer verantwortlich.