Hatten keine guten Nachrichten zu verkünden: Udo Meier, Pressebeauftagter bei Manroland Augsburg, Ingo Woek, Stefan Kademann und Joachim Renz - vertretender Insolvenzverwalter (von links). Hatten keine guten Nachrichten zu verkünden: Betriebsrats-Chef Udo Meier, MAN-Pressebeauftragter Ingo Woek, Stefan Kademann von der IG Metall und Joachim Renz - vertretender Insolvenzverwalter (von links).

Foto: Ellen Liebner

Traurige Gewissheit: Bei Manroland Plauen fallen 500 Stellen weg

Letzte Hoffnung Transfergesellschaft

Plauen (dapd-lsc). 500 Beschäftigte des insolventen Druckmaschinenherstellers Manroland in Plauen werden in den kommenden Monaten ihren Arbeitsplatz verlieren. Wie der Insolvenzverwalter am Montag auf einer Betriebsversammlung in Plauen mitteilte, erhalten von den bislang rund 800 Beschäftigten lediglich 303 einen neuen Arbeitsvertrag für eine Übergangsgesellschaft. Die übrigen werden nach Angaben des Insolvenzverwalters in den kommenden Monaten entlassen.

Beschäftigte in Altersteilzeit besonders hart betroffen

Kündigungen wurden am Montag indes noch nicht ausgesprochen. Allerdings erhielten 354 Mitarbeiter das Angebot zum Wechsel in eine Transfergesellschaft. Diejenigen, die das Angebot annehmen, erhielten in den kommenden sechs Monaten 80 Prozent ihres bisherigen Nettogehaltes und müssten sich erst dann arbeitslos melden.

Auf längere Sicht ebenfalls entlassen werden die rund 54 Auszubildenden. Sie sollen nach dem Ende ihrer Ausbildung nicht übernommen werden, kündigte der Insolvenzverwalter an. Nach Gewerkschaftsangaben besonders hart betroffen seien allerdings die derzeit rund 200 bei Manroland in Altersteilzeit Beschäftigten. "Für diese Leute ist der schrecklichste aller Fälle eingetreten", sagte der IG Metall-Bezirksbevollmächtigte Stefan Kademann mit Blick auf die geringen Chancen der älteren Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt.

Plauen soll zunächst als verlängerte Werkbank fungieren

Für das Werk Plauen soll in den kommenden Wochen eine Betriebsgesellschaft unter Führung des bisherigen Insolvenzverwalters Werner Schneider gegründet werden. Die wirtschaftliche Zukunft sieht dieser offenbar in einer zweigeteilten Geschäftsstrategie. So soll nach Angaben des für Plauen zuständigen Verwalters Joachim Renz der vogtländische Standort als verlängerte Werkbank der Standorte Augsburg und Offenbach fungieren und diese beliefern.

Zugleich ist ein Ausbau des Drittgeschäfts geplant, also die Herstellung und der Verkauf eigener Produkte außerhalb des ehemaligen Manroland-Verbundes. "In diesem Bereich hat Plauen schon der Vergangenheit viel getan und sich hohe Kompetenzen erworben", sagte Renz. Zugleich kündigte er die Fortsetzung der Suche nach Investoren für das Plauener Werk an.

Unterm Strich bleiben am größten Manroland-Standort Augsburg 1.393 Beschäftigte, die von Possehl weiterbeschäftigt werden. Für Empörung beim Betriebsrat sorgte das Verfahren, wie die Mitarbeiter über ihre Zukunft informiert wurden. Demnach mussten sie sich an Tischen anstellen und einen Umschlag abholen. Der Betriebsratsvorsitzende Jürgen Bänsch sagte: "Das erinnert sehr stark - jeder sagt das - an Lämmer, die man zur Schlachtbank führt. Das ist schauderhaft, das ist unmenschlich."

 

 
erschienen am 23.01.2012
 
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