Manuel Kreißig mit einer Postkarte aus Kanada, die er mit 13 Jahren Verspätung erhielt.
Manuel Kreißig mit einer Postkarte aus Kanada, die er mit 13 Jahren Verspätung erhielt.

Foto: Andreas Seidel

Urlaubsgrüße aus der Vergangenheit

Mit 13 Jahren Verspätung hat ein Chemnitzer eine Karte aus Kanada erhalten

Chemnitz. Manuel Kreißig, Rentner aus Hilbersdorf, erwartete nichts Besonderes, als er vor einigen Tagen eine Postkarte mit Urlaubsgrüßen in den Händen hielt. Zu sehen ist darauf eine in Blau getränkte Landschaft mit verschneiten Berggipfeln, die sich in einem kleinen See widerspiegeln. Die Karte hatten Berliner Bekannte geschrieben, die in der kanadischen Großstadt Toronto Urlaub gemacht hatten - bis dahin nichts Ungewöhnliches. Aber als der 87-Jährige sich bei seinen Freunden für die lieben Grüße bedankte, waren diese verwundert. Denn der besagte Urlaub liegt bereits 13 Jahre zurück. Nach einem Blick auf den Poststempel stand fest: Die Karte war 1998 in Kanada abgeschickt worden. Kreißig war überrascht, weil man ihr das Alter und den langen Weg um die halbe Welt keineswegs ansieht. Sie ist weder ausgeblichen, noch kann man Risse oder Knicke erkennen.

Aber wo hatte die Postkarte die letzten 13 Jahre gesteckt? Manfred Hauschild, Pressesprecher der Deutschen Post in Berlin, erklärt: "Es ist leider sehr schwierig herauszufinden, wo die Sendung liegen geblieben ist. Man könnte nur spekulieren, was passiert ist." Post aus dem Ausland wird regulär zunächst an das Internationale Postzentrum in Frankfurt am Main geschickt und kommt von dort innerhalb eines Werktages beim Empfänger in Deutschland an. Nach durchschnittlichen Messungen von Zusendungen aus Kanada hätte die Karte nach etwa einer Woche ankommen müssen. Hauschild betont, dass solche Fälle, wie die von Kreißig, etwas "sehr Ungewöhnliches" seien und "vielleicht einmal alle zehn Jahre" eintreten. "Wenn so etwas vorkommt, übergibt der Postbote die Karte dem Empfänger normalerweise persönlich", sagte Hauschild.

Auf die Frage, was er nun mit der Karte anstellen will, antwortet Kreißig scherzhaft: "Ich habe mir schon überlegt, sie einfach zu versteigern." Tatsächlich aber wird die besondere Post wohl demnächst gerahmt werden und einen Ehrenplatz in seinem Wohnzimmer erhalten. Dort soll sie, wie Kreißig erklärt, eine "schöne Erinnerung an eine kleine Überraschung" sein.

 
erschienen am 25.09.2011 ( Von Andrea Müller )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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