Nach dem Mord an einem Dönerstand-Besitzer in Nürnberg im Juni 2005 wurden diese Phantombilder nach Zeugenaussagen gefertigt. Die vermutliche Tatwaffe, die bei allen neun "Döner-Morden" benutzt worden sein soll, ist jetzt von der Polizei in Zwickau gefunden worden. 
Nach dem Mord an einem Dönerstand-Besitzer in Nürnberg im Juni 2005 wurden diese Phantombilder nach Zeugenaussagen gefertigt. Die vermutliche Tatwaffe, die bei allen neun "Döner-Morden" benutzt worden sein soll, ist jetzt von der Polizei in Zwickau gefunden worden.

Foto: Polizei/dapd

Verdacht: Rechte Terrorzelle in Deutschland

Polizei offenbar einer bislang beispiellosen Mordserie mit rechtsextremem Hintergrund auf der Spur

Zwickau/Karlsruhe. Die Ermittlungen nach der Explosion in einem Zwickauer Wohnhaus bringen jeden Tag dramatischere Ergebnisse. Seit Freitag besteht der dringende Verdacht, dass der Fall nicht nur mit dem gewaltsamen Tod einer Polizistin 2007 in Heilbronn, sondern auch mit einer Mordserie an neun ausländischen Geschäftsleuten zusammenhängt.

Nachdem in der vergangenen Woche im Wohnmobil von zwei bei Eisenach in Thüringen tot aufgefundenen mutmaßlichen Bankräubern die Dienstwaffe der Heilbronner Polizistin sichergestellt worden waren, fanden die Ermittler in der zerstörten Wohnung der Männer in Zwickau jetzt auch die Pistole, mit der in den Jahren 2000 bis 2006 die sogenannten Döner-Morde verübt worden sein sollen. Bei dieser Mordserie waren in den vergangenen Jahren bundesweit acht Türken und ein Grieche getötet worden.

Da die beiden Bankräuber sowie die 36-jährige Frau, die die Explosion in der Zwickauer Wohnung herbeigeführt haben soll und derzeit in Untersuchungshaft sitzt, nach bisherigen Erkenntnissen bereits seit Ende der 1990er-Jahre Verbindungen zu rechtsextremen Kreisen unterhielten, hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Alle drei seien als Mitglieder einer rechtsextremen Gruppierung einzustufen, sagte der amtierende Generalbundesanwalt Rainer Griesbaum. Bei der Durchsuchung der zerstörten Wohnung in Zwickau seien mehrere versandfertige DVDs gefunden worden, auf denen sich ein Propagandafilm einer Gruppe namens "Nationalsozialistischer Untergrund" befunden habe. Die Filme sollten offenbar an Nachrichtenagenturen und islamische Kulturzentren geschickt werden und offenbarten auch Täterwissen über die Imbissmorde. Außerdem sei Beweismaterial sichergestellt worden, das auf eine rechtsextremistische Motivation der Mordtaten hindeute. Gegen die in U-Haft sitzende Beate Z. wird wegen der Mitgliedschaft in einer rechtsextremen terroristischen Vereinigung in Tateinheit mit Mord und versuchtem Mord sowie der schweren Brandstiftung ermittelt.

Kerstin Köditz, Expertin für Rechtsextremismus der Linken im sächsischen Landtag, begrüßte die Übernahme der Ermittlungen durch Bundesanwälte. Sie hatte dies bereits am Mittwoch gefordert, "weil es auch ohne die Döner-Morde bereits genügend Anhaltspunkte gab, dass hinter dem Trio von Zwickau ein Helfernetzwerk stehen musste", so Köditz. Ansonsten könne man nicht 13 Jahre unentdeckt aus dem Untergrund agieren. "Die neuen Verdachtsmomente, dass auf ihr Konto auch der Tod von neun Ausländern komme, erhärten meine Annahmen von einem gewalttätigen Netzwerk", so Köditz.

Die Gewerkschaft der Polizei forderte, dass sämtliche Hintergründe der Fälle mit allem, was die Sicherheitsbehörden zur Verfügung haben, ausgeleuchtet werden müssten. (uk/dapd/afp)

 
erschienen am 11.11.2011
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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