Foto: dapd

Zug um Zug: Chemnitz macht Lust auf Heimat

Stadt wirbt in den Zügen mit Gummibärchen und Informationen um Pendler und Rückkehrwillige

Chemnitz. Nicht nur auf vielen Autobahnen, auch in den Fernzügen der Bahn geht es dieser Tage eng zu. Neben etlichen Pendlern, die wie jede Woche nach Hause zurückkehren, begeben sich zusätzlich Tausende Sachsen, die in anderen Bundesländern leben, auf die Reise, um Weihnachten in ihrer alten Heimat zu verbringen. Beide Fraktionen erwartet heute in ausgewählten Zügen auf der Sachsen-Franken-Magistrale und auf dem Leipziger Hauptbahnhof, einem zentralen Umsteigebahnhof für viele Verbindungen von und nach Chemnitz, eine Überraschung: Unter dem Motto "Chemnitz zieht an" wirbt die Stadt um Fachkräfte, die heute noch anderswo leben und arbeiten, jedoch gern nach Chemnitz zurückkehren würden.

Mehrere Teams der Wirtschaftsförderungsgesellschaft CWE sind dazu mit Überraschungspaketen unterwegs, erläutert Susan Endler, Mitarbeiterin für Standortmarketing. In den Tüten mit "Chemnitz zieht an"-Aufdruck werden die Reisenden unter anderem ein Erfrischungsgetränk aus der Region finden, dazu Gummitierchen, ein Erfrischungstuch (um mit Chemnitz "auf Tuchfühlung" zu gehen), aktuelle Ausgaben der Regionalzeitung "Freie Presse" und des Amtsblattes sowie eine Postkarte mit allen Informationen, wo man sich über freie Arbeitsstellen in der Region informieren kann. "Wer ein internetfähiges Handy besitzt, gelangt über einen auf die Karte gedruckten Code bereits vom Zug aus direkt auf unsere Internetseite", erläutert Endler.

Unter der Adresse www.chemnitz-zieht-an.de werben dort Chemnitzer Betriebe seit nunmehr gut drei Jahren um Rückkehrwillige und um Pendler, die nicht mehr Woche um Woche auswärts arbeiten wollen. Laut CWE-Geschäftsführer Ulrich Geissler sind seit September 2008 über das Portal rund 200 offene Stellen in der Region besetzt worden. Neben großen Unternehmen wie Siemens und Continental sei es vor allem der heimische Mittelstand, der diesen Weg der Fachkräftewerbung nutzt. Mittlerweile beteiligten sich mehr als zwei Dutzend Betriebe an dem Portal - mit Stellenanzeigen und finanziell. Aktuell werden vor allem Fachkräfte die Bereiche Entwicklung und Planung sowie Elektrotechnik und Automatisierung stark nachgefragt.

Nach diversen Aktionen, die sich in erster Linie an die Autofahrer unter den Pendlern und "Heimkehrern" richteten, ist es nun das erste Mal, dass die CWE auch Bahnreisende derart gezielt anspricht. Für die beteiligten Teams bedeute dies nicht zuletzt eine logistische Herausforderung, schildert Susan Endler. Denn üblicherweise sind die Züge in diesen Tagen knackevoll. "Da ist Improvisationstalent gefragt."

Begleitet wird die Kampagne in den kommenden Tagen von Radiospots, die die Werbeaktion zusätzlich zum Gesprächsthema machen sollen - bei Familienfeiern und weihnachtlichen Treffen im Freundeskreis. Wie schon in den vergangenen Jahren ist ein "Chemnitz zieht an"-Team zudem am Sonntag im Club "Del Sol" an der Beckerstraße vertreten, wo ab 21Uhr eine "Wiedersehen-macht-Freude-Party" steigt.

Spannende Jobs in zukunftsfähigen Unternehmen gibt es nicht nur in Bayern oder Baden-Württemberg, sondern auch hier - so lautet die Kernbotschaft der Aktion. Den nach wie vor vorhandenen Lohn- und Gehaltsunterschieden im Vergleich zum Westen hält der CWE-Chef nicht nur den Verweis auf niedrigere Mieten entgegen. Auch das Angebot an Plätzen in Kindertagesstätten sei gerade für junge Familien ein wichtiges Argument. "Und hinsichtlich der Lebensqualität muss sich Chemnitz gegenüber vergleichbaren Großstädten keineswegs verstecken", so Geissler.

Nähere Informationen über die Aktion im Internet: www.chemnitz-zieht-an.de .

 
erschienen am 23.12.2011 ( Von Michael Müller )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
8
(Anmeldung erforderlich)
  • 27.12.2011
    15:27 Uhr

    goldmann: Ich unterschreib deine Aussage voll und ganz.

    Blitzer sind dann gesetzwidrig, wenn sie nicht zur Verkehrskontrolle u.ä. aufgestellt, sondern einzig den Sinn einer weiteren Besteuerungsform erfüllen.

    Die Pleitestadt Chemnitz wird dabei zur Zeit sehr kreativ, ADAC und Anwälte interessieren sich zur Zeit sehr stark für die neuen Praktiken der Ordnungshüter.

    Man kann ja auch in der Freien Presse recht schön die unverhohlenen Erfolgsmeldungen über die Rentabilität der neuen Blitzer lesen...

    0 0
     
  • 26.12.2011
    21:19 Uhr

    Pixelghost: Heimatverbundenheit kann für junge Leute nicht bedeuten, sich mit Billiglohnjobs über Wasser zu halten. Ich kenne aus dem Jahrgang '91 schon allein 6 jungen Menschen die, aufgrund von Nichtweiterbeschäftigung oder Nichtübernahme nach der Ausbildung Chemnitz bzw. Sachsen den Rücken gekehrt haben. Gummibärchen holen die nicht wieder zurück, denn damit kann man nun mal keine Rechnungen bezahlen.
    Mein Sohn ist 20 und hat vor einem Jahr der Stadt den Rücken gekehrt - gen Norden. Er wollte nach seiner Ausbildung hier arbeiten, aber daran war man - trotz toller Ausbildungsergebnisse - nicht interessiert. Rentner kaufen nun mal kaum Sportsachen.
    Nun wohnt er in einer Stadt mit einer Voll-Uni und vielen jungen Leuten die aktiv sind. Da ist mehr los und er hat nicht vor wieder hierher zurückzukehren.

    PS: "Blitzer" sind nicht gesetzwidrig, aber das Überschreiten der in Ortschaften zulässigen oder angezeigten Höchstgeschwindigkeiten. In anderen Städten gibt es derartigen Anlagen auch.

    0 0
     
  • 25.12.2011
    16:42 Uhr

    goldmann: @Sachse2- ich geb dir zu 100% Recht und meine, das dass eine nichts mit dem anderen zu tun hat. Ich bin absolut heimatverbunden- der einzige Grund warum ich noch hier bin. Doch meinst du nicht auch das soviel Kohle besser zur "Heimatpflege" angewandt werden sollte, anstatt Gummibärchen zu verteilen? Ich bin noch nie irgendwo aus dem Zug gestiegen, hab Gummibärchen bekommen, nen Radionspot gehört und dann gedacht- "Mensch hier musste arbeiten." Das ist total sinnlos.

    Da sollen die lieber das Geld sparen und dafür 10 der eindeutig gesetzeswidrigen Blitzer wieder abreissen. Ich kenne nämlich genug auswärtige die sagen "um Gottes Willen, dieses Sche*** Chemnitz, wo hinter jeder Ecke einer lauert um einem die Kohle aus der Tasche zu ziehen" das ist dann ein Negativ Image das man mit Gummibärchen nicht wieder hin bekommt.

    Im Gegenteil unsere schöne Heimatstadt wird in den Dreck gezogen und lächerlich gemacht...

    0 0
     
  • 24.12.2011
    10:45 Uhr

    ramon: Ich plädiere dafür, die Weggezogenen dort zu lassen wo Sie sind und dafür ausländische Fachkräfte anzuwerben. Das könnte die hiesige Engstirnigkeit etwas aufweichen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit steigern.

    0 0
     
  • 23.12.2011
    21:15 Uhr

    Sachse2: @goldmann: wie wär's mal mit etwas Heimatverbundenheit. Wer einmal im Westen war und etwas ehrlich zu sich ist, wird sicher wargenommen haben wie schön unser Freistaat Sachsen geworden ist. Nirgendwo ist Weihnachten so schön wie hier. Sachsen ist immer vorzuziehen. Wenn man etwas mehr Geld hat baut man hier ein ganzes Haus, wofür man anderswo nur ein Baugrundstück bekommt. Mit etwas weniger bekommt man immerhin die doppelte Mietfläche fürs gleiche Geld und man kann aus einem großen Angebot auswählen. In den Schulen wird noch deutsch gesprochen und unsere Kinder werden nicht als Schweinefleischfresser verspottet.

    0 0
     

 
 
 
Artikel weiter empfehlen
per E-Mail per Bookmark
 
Facebook Teilen   Twittern  
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Webtipps