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Nokia Siemens Networks streicht jeden dritten Job in Deutschland

Betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen - Gewerkschaft kündigt Widerstand an

München (dapd). Der angeschlagene Netzwerkausrüster Nokia Siemens Networks (NSN) streicht für seinen weltweiten Sanierungsplan fast jeden dritten Arbeitsplatz in Deutschland. 30 von 35 Standorten hierzulande sollen geschlossen werden. Etwa 2.900 der derzeit 9.100 Stellen fallen weg, wie das deutsch-finnische Gemeinschaftsunternehmen am Dienstag in München mitteilte. Der größte Standort München werde geschlossen und das Geschäft auf Berlin, Bonn, Düsseldorf, Bruchsal und Ulm konzentriert.

Ein Großteil des Stellenabbaus ist bis Ende des Jahres geplant. Mögliche Geschäftsteilverkäufe seien nicht dabei berücksichtigt, teilte NSN mit. Firmensprecher Stefan Zuber sagte, NSN werde "fair und verantwortungsbewusst" mit der Lage umgehen. Betriebsbedingte Kündigungen seien aber "nicht ausgeschlossen". Die Hälfte aller Standorte habe weniger als zehn Mitarbeiter, erklärte Zuber.

Die IG Metall kritisierte den massiven Jobabbau und kündigte Widerstand an. "Wir wehren uns zusammen mit den Beschäftigten gegen diesen Kahlschlag", sagte der Unternehmensbeauftragte der IG Metall für NSN, Michael Leppek. Der Chef des NSN-Gesamtbetriebsrats, Georg Nassauer, sagte, die Mitarbeiter seien schockiert und wütend. "Wir Betriebsräte werden zusammen mit der IG Metall alles tun, um den Abschied von NSN aus Deutschland zu verhindern", erklärte er.

Auch Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) griff die Unternehmensführung scharf an. Der Stellenabbau sei für die Landesregierung nicht nachvollziehbar und ein bitterer Schlag. Der Schritt sei das Resultat einer "missglückten Unternehmensstrategie" und "klarer Managementfehler".

NSN betonte, Deutschland bleibe wichtig als Standort. "Wir müssen in Deutschland diesen schwierigen Schritt machen, um sicherzustellen, dass Nokia Siemens Networks ein wirtschaftlich nachhaltiges Unternehmen ist", sagte Deutschland-Chef Hermann Rodler.

Der Industriekonzern Siemens und der Handyhersteller Nokia hatten das Joint Venture 2007 gestartet. Doch das Unternehmen fand zu wenig Kunden für seine Hard- und Softwareprodukte und leidet seither unter der Konkurrenz vor allem aus China. NSN entwickelte sich schnell zum Sorgenkind der früheren Konkurrenten, machte fast durchweg Verluste und steckte zuletzt tief in den roten Zahlen. Selbst eine Geldspritze der Muttergesellschaften von einer Milliarde Euro im September brachte keine nachhaltige Besserung.

Im November kündigte NSN daraufhin massive Stellenstreichungen an. Bis Ende 2013 sollen weltweit rund 17.000 von 70.000 Jobs wegfallen. In einem Brandbrief an die Belegschaft schrieb Firmenchef Rajeev Suri damals, dass die Profitabilität "nach wie vor viel zu niedrig" sei und auch die Qualität noch nicht stimme.

dapd

 
erschienen am 31.01.2012
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