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Wirtschaftsverbände fordern Augenmaß bei Lohnerhöhungen

DIW nennt Aufrufe zur Lohnzurückhaltung wegen Euro-Schuldenkrise "volkswirtschaftlichen Unsinn"

Berlin (dapd). Die Euro-Schuldenkrise heizt die Debatte über den Spielraum für Lohnerhöhungen im neuen Jahr an. Spitzenverbände der Wirtschaft mahnen zu "Augenmaß". Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) forderte jedoch, die Binnennachfrage in der Bundesrepublik müsse gestärkt werden.

Der DIW-Vorstandsvorsitzende Gert Wagner sagte der Nachrichtenagentur dapd: "Gerade wegen der Eurokrise wäre es volkswirtschaftlicher Unsinn, zur Lohnzurückhaltung aufzurufen." Er halte Lohnabschlüsse "von im Schnitt gut drei Prozent" für möglich. Wagner fügte hinzu: "In manchen Branchen kann es auch deutlich mehr sein, in anderen Wirtschaftszweigen weniger."

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnte vor zu umfangreichen Lohnerhöhungen im neuen Jahr. DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann sagte in einem dapd-Interview: "Gerade mit Blick auf die unsichere Entwicklung - Stichwort: Schuldenkrise - sollte mit Augenmaß entschieden werden." Ziel müsse es sein, "den Beschäftigungsaufbau nicht zu gefährden".

Handwerkspräsident Otto Kentzler betonte: "Maßvolle und flexible Abschlüsse haben die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen gestützt und so zur erfreulichen Lage am Arbeitsmarkt beigetragen." Diesen Weg gelte es "in Zeiten zunehmend unsicherer wirtschaftlicher Rahmenbedingungen weiter zu gehen - im Interesse von Beschäftigung und Wachstum".

Wagner sagte, Deutschland komme nur bei einer stärkeren Binnennachfrage "einer ausgeglichenen Leistungsbilanz näher - und das würde mit dazu beitragen, aus der Eurokrise herauszukommen". Die jahrelang schwache Lohnentwicklung hierzulande habe "zu den außenwirtschaftlichen Ungleichgewichten beigetragen, die nun die Eurozone in die Krise gebracht haben".

Der DIW-Vorstandsvorsitzende betonte: "Man kann Griechenland zu Recht dafür kritisieren, dass das Land über seine Verhältnisse gelebt hat. Deutschland hat aber unter seinen Verhältnissen gelebt." Denn wegen der "immer ungleicheren Verteilung der Einkommen und Vermögen" sei der private Konsum schwach geblieben - "und es lohnte sich deshalb auch immer weniger, in Deutschland zu investieren".

Wagner fügte hinzu: "Entsprechend floss das Geld ins Ausland ab - und hat dort die Krise mit verursacht, indem es in Griechenland zu einem aufgeblähten Staatssektor und in Spanien zu einer riesigen Immobilienblase geführt hat, deren Platzen jetzt die Arbeitslosigkeit auf fast 25 Prozent hochgetrieben hat."

dapd

 
erschienen am 28.12.2011
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