Jeder muss sich unweigerlich die Frage stellen, ob er mit den Angewohnheiten und Eigenarten des Partners leben will.Foto: ddp
Das "verflixte siebte Jahr" erleben manche Paare schon verfrüht
"Gefahr eines Scheiterns der Partnerschaft nicht größer als in anderen Jahren"
Hamburg (ddp). Verliebte Paare brauchen sich nicht vor dem verflixten siebten Jahr zu fürchten. "Im siebten Jahr der Beziehung ist Gefahr eines Scheiterns der Partnerschaft nicht größer als in anderen Jahren", sagt der Hamburger Diplom-Psychologe Jörg Wesner von der Paarberatung "Paare in Bewegung". Sehr wohl treffe aber zu, dass die meisten Beziehungen früher oder später an einen kritischen Punkt gelangten, an dem Menschen sich die Frage stellten, ob sie mit ihrem jeweiligen Partner glücklich werden könnten. Dieser Zeitpunkt trete seiner Erfahrung nach je nach Paar zwischen dem vierten und achten Beziehungsjahr auf.
Ausgelöst würden solche Krisen dadurch, dass nach Jahren inniger Partnerschaft in aller Regel wieder Bedürfnisse, Wünsche und Ängste aufkeimten, die im Grunde nicht mit der Beziehung selbst zusammenhingen. "Deren Ursprung liegt bereits in früheren Phasen des Lebens, der Kindheit etwa", erläutert Wesner. Bloß seien diese durch das im Zusammensein empfundene Glück in den ersten Beziehungsjahren überlagert worden. Mit der Zeit stelle sich nun aber mehr und mehr die Erkenntnis ein, dass der Partner allein einen nicht glücklich machen könne. Wesner betont: "Dieser kritische Moment innerhalb einer Partnerschaft entsteht nicht von heute auf morgen." Vielmehr gehe ihm eine Entwicklung voraus, die sich über einen längeren Zeitraum anbahne.
Damit einhergehend verabschiedeten sich viele Menschen allmählich von der Idee, den Anderen ändern zu können. "An diesem Punkt muss sich dann jeder unweigerlich die Frage stellen, ob er mit den Angewohnheiten und Eigenarten des Partners leben will - auch wenn diese einen stören", sagt Wesner. Das könnten durchaus vermeintliche Kleinigkeiten sein. Er rät Paaren, sich bewusst mit solchen Konflikten auseinandersetzen, statt sie zu verdrängen: "Man muss lernen, damit umzugehen", betont Wesner.
Das bedeute zunächst, dass jeder für sich persönlich klären müsse, ob er dazu bereit sei. Weiter empfiehlt Wesner, diesen Wandel in der Beziehung sowie Wünsche und Erwartungen im partnerschaftlichen Gespräch offen zur Sprache zu bringen, so schwer das dem einzelnen fallen möge.
(ddp)