Neuster Trend? Ein Outfit aus der Herbst-Winter-Kollektion des Erzgebirgischen Desigern-Duos "Nussknacker-Sweet". Foto: Mydearlove
Die Schönheit im Netz
Meine Schuhe, meine Tasche, mein Outfit: Wie private Blogger die Modewelt demokratisieren
Mode ist Kommunikation. Der Mensch hüllt sich in Kleidung, nicht nur, um ganz pragmatisch den nackten Körper mit schützenden Stoffen zu bedecken, sondern auch um seiner Außenwelt ein gewisses Bild von sich selbst zu vermitteln. Mode kann ein Identifikationsmittel sein, das demonstriert, welcher (popkulturellen) Zielgruppe der Träger angehört, Mode kann Reichtum symbolisieren, Stil demonstrieren, den Charakter widerspiegeln, ein Image suggerieren: Wer sich kleidet, kommuniziert. Vielleicht wird gerade deshalb so viel über Mode kommuniziert in Modemagazinen, die per Hochglanz-Fotostrecke von Trends erzählen, die für den gemeinen Konsument kaum tragbar sind oder über Fashion-Shows berichten, zu denen lediglich Prominenz und Presse geladen sind.
Der Chic der Straße
Doch genau wie die Mode selbst, unterliegt auch die Berichterstattung über diese einem ständigen Wandel. Schuld daran trägt, wie könnte es anderes sein, das Internet. Im Rahmen der allgegenwärtigen Web 2.0-Blase entstanden nämlich so genannte Weblogs, kurz Blogs, eine moderne Mischung aus eigener Homepage und Tagebuch, die ein jeder Internetnutzer kinderleicht selbst betreiben, und vor allem ganz einfach beliebig oft aktualisieren kann. Diese Blogs entdeckte die junge Modewelt vor einigen Jahren für sich: Sie sind schnell, demokratisch und authentisch. Die Anzahl der Fashionblogs im Internet vermehrt sich rasant und so schicken sich Studenten, Jungdesigner, Fotografen, ja sogar Teenager derzeit an, die Branche zu revolutionieren: Selbst gestalten statt sich diktieren zu lassen, so lautet das Motto. Weg vom Laufsteg funktioniert Mode plötzlich auch auf der Straße, wo bislang allenfalls eine subkulturelle Gegenbewegung ihren Stil kreierte. Damit ist Mode näher am Puls der Zeit als die Branche selbst: Der Einfluss junger Modeblogger wächst, inzwischen avancieren einige von ihnen zu Stil-Ikonen, Inspirationsquellen, Vorbildern und logieren bei Modenschauen in der ersten Reihe, direkt neben namhaften Journalisten und Stars.Großer Popularität erfreuen sich "Streetstyle-Blogs", die ausgefallene und sehenswerte Outfits von den Straßen dieser Welt präsentieren. Anstatt artifiziell wirkender Magermodels sieht man hier normale Menschen, anstatt Modediktat individuellen Stil. Andere Blogs zeigen gemäß klassischer Modezeitschriften, die neuesten Laufstegtrends, die schönsten Kleider, Schuhe und Accessoires. Dabei sind sie wesentlich subjektiver, selektiver und schneller als die Presse: auf dem Blog erscheint nur, was dem Blogger auch gefällt. Deshalb werben Designer und Labels vermehrt um die Gunst der Blogger: eine günstigere und ehrlichere Art der Werbung für ihre Produkte werden sie wohl kaum bekommen.
Posen aus der Laune heraus
Im Windschatten der erfolgreichen Blogs gibt es viele kleine, welche die Blogosphere mit ihren privaten Modevorlieben bereichern. Hier werden nicht die Outfits anderer fotografiert, gepostet und kommentiert, sondern nur die eigenen. Die Blogbetreiber, die in erster Line weiblich, zwischen 13 und 30 Jahren alt sind und über ein erstaunliches Shopping-Budget zu verfügen scheinen, sind selbst das Model ihrer eigenen Fotostrecken. In betont schönen Posen lassen sie sich in noch schönerer Kleidung mit tollen Spiegelreflexkameras fotografieren, um später die Welt an ihrem modischen Vergnügen teilhaben zu lassen. Der Leser erfährt, was der Blogger an welchem Tag zu welchem Anlass getragen hat, woher die Kleidung stammt und kann sich die Inspiration direkt aus dem Leben der anderen holen. Dabei sind die Bloggerinnen oft erschreckend jung und vermischen öffentliches Teenie-Tagebuch mit halbwegs professionellen Modetipps. Vor allem in den USA erlangen einige minderjährige Modebloggerinnen Ruhm und kooperieren im besten Pubertätsalter schon mit größeren Modehäusern. Dennoch kann es trotzt aller infantiler Professionalität schon mal sein, dass ein Mädchen vor der Kamera im schicken Vintagekleid und hohen Schuhen mit Stofftier in der Hand posiert.Die auf solchen privaten Fashionblogs zur Schau gestellten Eitelkeiten sind in erster Linie nur hübsche Oberflächlichkeiten und ein Teil der im Internet ohnehin stark verbreiteten Selbstinszenierung. Doch genau das ist, was Mode will: inszenieren. Und zwar ihren Träger. Als jemand der er vielleicht auch wirklich ist, vielleicht aber auch nur gerne sein möchte. Fashionblogger möchten Inspiration sein. Sie möchten "In" sein, deshalb präsentieren sie die neusten Trends vor allen anderen, die sie dann, wenn sie alle anderen tragen, wieder als tot erklären. Andere wollen einfach nur ein demokratisches Korrektiv zur Stil-Vorgabe der Modebranche schaffen und setzen deshalb auf das, was dieser eben oft fehlt: Authentizität. Davon abgesehen sind Modeblogs vor allem eines: unterhaltsam.