Bad

Foto: Günter Menzl/fotolia.de

Die duftende Waffe: Sie sind am Drücker!

Wie Parfüm auf unnachahmlich sinnliche Weise unsere Sinne vernebelt

Da hat man als Mensch nun schonmal eine ganz besondere Fähigkeit, und dann wird sie auch noch so massiv unterschätzt! Aber genau das ist wohl der Trick bei unserem Geruchssinn: Im Gegensatz zum Tast- oder Geschmackssinn wird das Riechvermögen von den meisten Zeitgenossen als weniger wichtig empfunden. Hunde können super schnuppern, aber wir?

Yes, we can! Und zwar nicht nur, weil wir ganz gern gut riechen. Unser Unterbewusstsein reagiert auf Düfte sehr direkt, oft auch ohne Umweg über den Verstand. Jeder, dem plötzlich ein vertrauter Duft eine Flut von Bildern und gespeicherten Gefühlen durch Hirn und Seele gekippt hat, durfte das schon wohlig oder schmerzlich erfahren. Um sich vor süß einlullenden Komplimenten oder optischen Reizen abzuschirmen, kann man, je nach Übung mehr oder weniger gut, die Vernunft dazwischenschalten. Bei einem Duftimpuls funktioniert das nicht: Unbewusst kann die menschliche Nase rund 10.000 verschiedene Gerüche unterscheiden - zuordnen kann ihr Besitzer aber nur rund die Hälfte. Und das auch erst in einer Konzentration, die weit über dem liegt was das Unterbewusstsein wahrnimmt.


Auf göttlichen Wegen

Diese Faktenlage beschert dem Mensch eine mächtige Sinnes-Waffe: das Parfüm. Die Wirkung von Frisur, Kleidung, Schmuck, ja selbst Eloquenz oder Sympathie lassen sich für den Moment damit aushebeln: Duft macht an oder turnt ab. Sofort. Kein Wunder also, dass die Menschheit zum Beduften des eigenen Körpers einiges Aufheben veranstaltet hat.

Angefangen haben wie so oft schon die alten Ägypter vor 4000 Jahren. Bei ihnen wurden Duftstoffe anfangs ausschließlich zu Ehren der Götter verraucht ("per fumum" = lateinisch für "durch den Rauch") oder den Toten auf ihre Reise ins Jenseits mitgegeben. Schnell wollten sie sich jedoch auch bereits im Diesseits mit verführerischem Wohlgeruch umgeben - ebenso wie die Inder, die schon früh den Reichtum ihres Landes an würzigen, blumigen und fruchtigen Rohstoffen zu aromatischen Düften verarbeiteten. Mit der Schifffahrt zog die Duftwolke nach Europa und dehnte sich dort unaufhaltsam aus. Sogar die Pest wollte man im 14. Jahrhundert mit angenehmen Wohlgerüchen bekämpfen. Auch den feinen Gesellschaften des Barocks im 17. Jahrhundert, die Wasser lieber tranken als sich darin zu baden, kamen intensive Riechstoffe in Form von Eau de Toilette sehr gelegen. Die vermeintliche sexuelle Anziehungskraft und erotisierende Wirkung mancher Duftstoffe war besonders mit fortschreitender Christianisierung verpönt. Parfum galt als sinnliches, belebendes Mittel für ein erfülltes Liebesleben. Daher versuchen seit jeher die Menschen das perfekte Duftwässerchen zu kreieren - wie Jean-Baptiste Grenouille in Patrick Süskinds Roman "Das Parfum".


Der Kampf um die Nase

Rund 2000 Parfumeure weltweit suchen heutzutage nach der Kombination, der Ingredienz, die Frauen wie Männer verzückt. Regelmäßig versprechen modische Kreationen im Duftregal, "die Sorglosigkeit des Sommers" einzufangen, "Erregung, Nervenkitzel, Aufregung" oder das Passende für "Männer, die wissen, was sie wollen und mit Charme, List und cleverer Taktik ihr Ziel erreichen". Dabei gibt es natürlich immer wieder auch Mode-Erscheinungen, die die Industrie des ungebremsten Absatzes wegen ersinnt. Die Trend-Düfte für 2009/2010 sind weiße Blüten, rote Früchte und braune Hölzer. Feminine Noten finden sich in Herrendüften und maskuline Holz- und Gewürznoten in Damenparfums.

Doch letztlich entscheidet doch die eigene Sinnlichkeit, so dass sich jede Berechnung als zweischneidig erweist: Was der eine als überaus entzückend und reizvoll empfindet, fährt dem anderen penetrant in die Nase. Und: Ein Parfüm riecht auf jedem Mensch anders und verbindet sich in der Seele zu Erinnerungen. So kann es durchaus sein, dass etwa ein bestimmter billiger Weichspüler in einer bestimmten Kleidung auf einer bestimmten Haut für eine wiederum bestimmte Nase göttlicher duftet als das beste Parfüm der Welt...

Parfüm-Tipps

Hier einige Tipps, damit sich verführerischer Duft besonders gut entfaltet:


Die drei Duft-Phasen

Jeder besitzt individuellen Eigengeruch und Hautbeschaffenheit. Was also bei Ihnen hervorragend duftet, kann bei Ihrer/m Liebsten den gegenteiligen Effekt auslösen. Parfüm sollte deshalb immer auf der Haut getestet werden, für die es später bestimmt ist, und zwar über einen längeren Zeitraum. Ein Parfüm ist nämlich so beschaffen, dass sich nach und nach drei unterschiedliche Duftnoten entfalten. In den ersten Minuten nach dem Auftragen erschnuppert man zunächst die intensive Kopfnote, die über den ersten Eindruck und den Kauf entscheidet. Erst später kommt die Herznote zum Vorschein, die den eigentlichen Duftcharakter eines Parfüms ausmacht - und schließlich die Basisnote aus lang anhaftenden, schweren Bestandteilen. Sinnvoll ist es also, sowohl für sich selbst als auch für Beschenkte Probefläschchen zu nutzen. Offerieren Sie Ihrer/m Liebsten eine kleine Probe von dem Duft, der Ihnen an Ihr/m besonders gut gefallen würde und legen Sie einen Gutschein dazu.


Weniger ist mehr

Coco Chanel riet, sich überall dort zu parfümieren, wo man zärtlich geküsst werden wolle. Parfümexperten dagegen empfehlen ganz simple, gut durchblutete Körperstellen zu wählen, etwa die Schläfen, Armbeugen, Handgelenke, Kniekehlen und Knöchel. Bei Spray-Flakons sollte beim Aufsprühen genügend Abstand gelassen werden, bei hoch konzentrierten Splash-Flakons reichen wenige Tropfen. Menschen, die zu fettiger Haut neigen, sollten sparsamer dosieren. Grundsätzlich ist Haut die beste Grundlage für Parfüms, Kleidung besprüht man lieber mit Vorsicht. Wolle, Leinen, Samt und Kaschmir vertragen Parfüms relativ gut, bei synthetischer Kleidung können dagegen unangenehme Gerüche und Flecken entstehen. Seide sollte man auf keinen Fall parfümieren.


Kühl und dunkel

Auch wenn das teure Parfüm im ausgefallenen Designerflakon zum Statussymbol avanciert ist und gerne repräsentativ in Schlafzimmer oder Bad platziert wird, fühlt es sich im Verborgenen am wohlsten: Damit es möglichst lange seine Duftstoffe in bester Qualität entfalten kann, sollte es fest verschlossen an einem kühlen, dunklen Ort aufbewahrt werden. (alne)

 
erschienen am 28.08.2009 (Von Almut Neumeister und Tim Hofmann)
 
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