Vivien Neukirch (links) und Stefanie Lawatsch lernen in der Ausbildung auch, wie sie die Pflegemaßnahmen an den Heimbewohner richtig dokumentieren.
Foto: Sven Gleisberg
Altenpfleger - Arbeiten im Grenzbereich des Lebens
Chemnitz. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) können durch die Arbeitsämter bundesweit rund 14.000 offene Stellen für Altenpflegefachkräfte nicht besetzt werden. Die Arbeitsagenturen im Regierungsbezirk Chemnitz hätten 2012 im Jahresdurchschnitt 627 Altenpfleger vermitteln können. Damit kam der Job bei den 20 Berufen mit den meisten offenen Stellen 2012 auf den fünften Platz.
Der Job: Wenn Vivien Neukirch und Stefanie Lawatsch im Altenpflegeheim Harthau zur Frühschicht eingeteilt sind, geht es pünktlich 6 Uhr los. Die beiden 19-Jährigen lassen sich bei der gemeinnützigen Chemnitzer Heim GmbH zu Altenpflegern ausbilden. "Die Nachtschicht informiert uns über besondere Vorkommnisse, dann beginnt die Grundpflege", sagt Vivien Neukirch. Das Waschen und Anziehen der Heimbewohner gehört genauso dazu wie das Betten machen und das Aufräumen der Zimmer. Wichtigste Maßgabe dabei: "Was die alten Menschen selber machen können, das sollen sie auch selbst machen. Wir wollen ihre Selbstständigkeit so lange wie möglich erhalten", sagt Stefanie Lawatsch. Anschließend wird das Frühstück vorbereitet und in die Zimmer beziehungsweise in den großen und den kleinen Speiseraum gebracht. Nach dem Frühstück geht es für die Heimbewohner in das Erdgeschoss. Dort übernehmen die Ergo- und die Physiotherapeuten. Wenn diejenigen, die auf der Station bleiben, versorgt sind, bleibt für Vivien Neukirch und Stefanie Lawatsch kurz Zeit um durchzuatmen.
Altenpfleger helfen aber nicht nur bei der Bewältigung von Alltagsaufgaben, sondern nehmen auch pflegerisch-medizinische Aufgaben wahr. "Wenn ein älterer Mensch zum Beispiel Schwierigkeiten mit dem Laufen hat, dann üben wir. Wenn er dann wieder relativ gut gehen kann, dann freuen auch wir uns darüber", nennt Vivien Neukirch einen Pluspunkt ihrer Arbeit, der sie besonders motiviert.
Die Herausforderung: Die Arbeit als Altenpflegerin ist körperlich und psychisch sehr belastend. "Für mich ist der Umgang mit Sterbenden immer eine Grenzsituation, denn in der Öffentlichkeit und vor allem auch bei jungen Menschen wird das Thema oftmals ausgeblendet", sagt Stefanie Lawatsch. Vivien Neukirch sieht vor allem den Umgang mit Demenzkranken als besondere Herausforderung. "Demenz zeigt sich bei jedem anders. Der eine vergisst etwas, der andere wird aggressiv. Darauf muss man richtig reagieren", sagt die Burkhardtsdorferin.
Das Potenzial: Die Nachfrage nach Altenpflegekräften ist seit Jahren steigend. Das Nachfrageplus zeigt sich sowohl bei Stellen für examinierte Altenpflegefachkräfte als auch für Altenpflegehelfer, heißt es bei der Bundesagentur für Arbeit. So erhöhte sich die Nachfrage nach Altenpflegefachkräften gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent, die nach Helfern um elf Prozent. Im längerfristigen Vergleich sei die Nachfrage noch deutlicher gestiegen. So hat sich die Zahl der freien Stellen für Pflegefachkräfte von Januar 2008 auf Januar 2013 mehr als verdreifacht. Auch Karl Friedrich Schmerer, Geschäftsführer der gemeinnützigen Heim GmbH, hat Schwierigkeiten, gutes Personal zu finden. "Wir könnten sofort 20 Stellen besetzen, weil wir unseren ambulanten Bereich ständig erweitern", sagt er. Ob Vivien Neukirch und Stefanie Lawatsch einmal im ambulanten Bereich oder im Heim arbeiten werden, wissen die beiden heute noch nicht. Beide wollen sich aber weiter qualifizieren. Ständige Weiterbildungen legt auch Karl Friedrich Schmerer seinen Mitarbeitern ans Herz: "Mehr als 60 Prozent der Heimbewohner sind heute von Demenz betroffen. Ich gehe davon aus, dass sich in zehn Jahren die Mitarbeiter in den Pflegeheimen fast ausschließlich mit demenziell Erkrankten zu befassen haben, weil die anderen alten Menschen dann zu Hause gepflegt werden."
Die Ausbildung: In Vollzeit dauert die Ausbildung zum Altenpfleger drei Jahre, in Teilzeit bis zu fünf Jahre. Der schulische Teil wird an Berufsfachschulen für Altenpflege und der praktische Teil in Altenpflegeeinrichtungen durchgeführt. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit gibt es die Möglichkeit, eine Berufsfachschulausbildung als Altenpfleger mit einem Hochschulstudium zu kombinieren.
Der Verdienst: Vivien Neukirch und Stefanie Lawatsch bekommen bei der Heim gGmbH als Auszubildende zwischen 508 Euro (erstes Lehrjahr) und 600 Euro (drittes Ausbildungsjahr). Das Einstiegsgehalt für eine Altenpflegefachkraft liegt nach Angaben des Unternehmens bei 1822 Euro.