Bernhard Wolff referiert über Wege aus etablierten Denkmustern zur Kreativität.
Den Autopilot ausschalten
"Von den Besten profitieren": Bernhard Wolff erklärt, wie es gelingt, im Unternehmen Ideen zu generieren
Chemnitz. Es gibt Unternehmen, die haben einfach immer die besten Ideen. "Das liegt am Klima", erklärt Bernhard Wolff, Moderator, Wirtschaftspädagoge, Rückwärtsredner und Experte für Kreativität in seinem Vortrag "Think innovative" in der Chemnitzer Stadthalle. Man müsse in der Firma ein Klima schaffen, das Kreativität begünstigt. Dazu gehöre, dass Ideen nicht sofort bewertet werden. Wer Einfälle mit "ja, aber..." und "das funktioniert nicht" oder "hatten wir schon" abschmettert, erstickt mögliche bessere Ideen im Keim. "Ein völlig abstruser Gedanke kann ein Sprungbrett für die entscheidende Idee sein", sagt Wolff. Die erste Eingebung sei auch selten die beste, gibt er zu bedenken. "Überlegen Sie sich immer bis zu 12 Alternativen."
Weiterhin sei es wichtig, den Mitarbeitern genügend Zeit und Freiheit zum Denken zu geben. Wer sich kontrolliert fühlt, habe keine guten Ideen. "Das ist natürlich für Arbeitgeber besonders schwer zu ertragen, wenn ihre Mitarbeiter nichts tun, das vordergründig nach Arbeit aussieht", sagt Wolff.
Aber wie bekommt man sie nun, die genialen Geistesblitze? Wolffs Ansatz: "Schalten Sie den Autopilot aus." Unser Gehirn zieht voreilige Schlüsse, macht Dinge automatisch. Um den Zuhörern das zu verdeutlichen, löffelt Wolff auf der Bühne einen Joghurt und wiederholt das Wort "löffelt" mehrmals. Als er dann den vermeintlichen Löffel hochhält und alle sehen, dass es sich um eine Gabel handelt, wird klar, was er mit "Autopilot" meint. Um ihn auszuschalten, sei es hilfreich, bestimmte Annahmen fallen zu lassen oder zu hinterfragen. Auch hierfür hat er ein Beispiel: In London herrschte ein Mangel an Taxifahrern. Man ging davon aus, dass sich ein Taxifahrer bestens auskennen müsse. Erst, als man diese Annahme fallen ließ, kam man zur Lösung: Taxifahrer, die sich weniger gut auskannten, wurden eingestellt. Dafür halfen die Fahrgäste, den Weg zu finden und zahlten etwas weniger Geld.
Vielen Unternehmen sei klar, dass sie einmal die Perspektive wechseln müssten, wüssten aber nicht, wie das anzustellen sei. Wolff rät, das ganz wörtlich zu nehmen. "Ändern Sie den Ort. Setzen Sie sich einmal auf die andere Seite des Schreibtischs, gehen Sie nach draußen oder stellen Sie sich vor, Sie wären Ihr eigener Kunde." Außerdem helfe Reden. Wolff empfiehlt, sich einen Zuhörer zu suchen und dann "auf ihn einzureden."
Und wie kommt es, dass so viele schlechte Ideen in die Tat umgesetzt werden? Auch dafür hat Wolff ein Erklärung: Menschen mit niedriger Intelligenz hätten tendenziell schlechte Ideen, wären aber selbst von deren Qualität überzeugt und würden nicht zögern, sie zu realisieren. Intelligente Menschen dagegen würden viele Ideen gar nicht erst aussprechen, da sie diese bereits selbst im Kopf abwägen und sie für nicht praktikabel erklärten. Darum Wolffs Empfehlung: "Einfach drauflos quatschen."