Auch für Floristen gilt: Gute Noten in den Naturwissenschaften ist ein Muss.
Foto: Andreas Kretschel
"Ein Koch muss auch kalkulieren können"
Dienstleistungsbranche sucht nach guten Lehrlingen - IHK: Bei vielen Schulabsolventen reichen Kenntnisse nicht aus - Neues Portal mit Tests
Chemnitz. Lange Zeit konnten sich die sächsischen Unternehmen ihre Wunschkandidaten unter den Lehrstellenbewerbern aussuchen. Das ist jetzt anders. Kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres gibt es in nahezu allen Berufen noch freie Plätze. Vor allem in der Dienstleistungsbranche ist das Angebot groß.
Bewerber für eine Lehrstelle Kaufleute im Einzelhandel werden in Sachsen gesucht. Zu Monatsbeginn gab es noch knapp 350 offene Plätze. Das ist kein Einzelfall. Selbst bei den Wunschberufen der Vorjahre Koch/Köchin (336) sowie Frisöse/Frisör (224) klafft die Schere zwischen Angebot und Nachfrage weit auseinander. Suchten bislang die Schulabgänger händeringend Lehrstellen, so suchen jetzt Unternehmen händeringend Lehrlinge und damit Berufsnachwuchs.
Die rückläufigen Schulabgängerzahlen und der damit verbundene Bewerberrückgang stellt die sächsischen Unternehmen bei der Nachwuchssuche mittel- und langfristig vor große Herausforderungen. Bis Ende Juni meldeten sich 19.594 Bewerber um einen Ausbildungsplatz bei den sächsischen Arbeitsagenturen und Trägern der Grundsicherung (Argen und zugelassene kommunale Träger). Davon sind 9315 Jungen und Mädchen, die die Schule bereits in den Vorjahren verlassen haben.
"Der Run auf gute Lehrlinge wird vor allem auch im Dienstleistungsbereich immer stärker", sagte Ilona Roth, Geschäftsführerin Handel und Dienstleistung bei der Industrie- und Handelskammer Chemnitz (IHK). Denn wie auch in anderen Branchen reiche auch bei den Dienstleistungsberufen bei einer größer werdenden Anzahl von Schulabsolventen die Qualifikation für ihre Wunschlehrstelle nicht aus. Vielen Schülern sei es überhaupt nicht verständlich, warum gute und sehr gute Noten gerade in Mathematik, Deutsch oder Sprachen bei den Arbeitgebern sehr gefragt sind.
Dabei werden diese Fähigkeiten in der Praxis täglich eingefordert. So kann etwa eine Floristin nicht nur mit Wissen über Pflanzen und Blumen und Kreativität bei deren Zusammenstellung glänzen. Sie muss auch in sehr kurzer Zeit einen Blumenstrauß berechnen können. In den Hotels sollten sich nicht nur die Mitarbeiter an der Rezeption mit ausländischen Gästen zumindest auf Englisch verständigen können. Und der Arbeitsalltag von Köchen besteht nicht nur darin, Zutaten und Gewürze kreativ und schmackhaft zu verbinden. "Ein Koch muss auch kalkulieren können, das ist Voraussetzung für diesen Beruf", meinte Roth. Sie rät deshalb den Unternehmen, stärker Praktika und Ferienjobs anzubieten. Auch die Chefin der Regionaldirektion Chemnitz der Bundesagentur für Arbeit (BA), Jutta Cordt, sieht die Schnupperzeit als gute Vorbereitung. "Mit dem Ferienjob können Personalverantwortliche die Schüler über einen längeren Zeitraum testen und so für ihren Betrieb als künftige Nachwuchskraft gewinnen." Zudem bietet die BA seit kurzem ein neues Portal, bei dem die Schüler unter anderem testen können, welcher der rund 400 Ausbildungsberufe oder welche der Studienrichtungen für sie geeignet sein könnte, welche Lehrstellen noch frei sind oder welche Veranstaltungen zur Berufsorientierung in den einzelnen Städten angeboten werden. ww.ich-bin-gut.de