Wer als Richter arbeiten will, braucht das zweite Staatsexamen.

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Fernsehserien zeigen nur selten den wahren Alltag

Juristen arbeiten nicht nur als Richter oder Anwalt, sondern zunehmend in Unternehmen - Prädikatsexamen und Zusatzqualifikationen wichtig

Chemnitz. Das Klischee sieht so aus: Die attraktiven Anwälte sind allzeit hilfsbereit, fahnden ganz locker zwischen Gangsterviertel und Champagnerkreisen nach bösen Buben, eilen in letzter Sekunde mit wehender Robe in den Gerichtssaal und halten aus dem Stegreif ein grandioses Plädoyer, das einen Unschuldigen vor dem Gefängnis bewahrt. Nebenbei entlarven sie noch fix (und gerade rechtzeitig) den wahren Täter.

Ob Liebling Kreuzberg, Matlock, Matula oder Edel & Starck - Fernsehserien über den Justizalltag zeichnen oft Bilder, über die echte Juristen nur den Kopf schütteln. "Wir sind keine Privatdetektive", sagt beispielsweise die Chemnitzer Anwältin Christine Mathern, "viele Fälle werden tatsächlich am Schreibtisch gelöst." Und das ist nicht erst im Anwaltsalltag so, das beginnt schon während des arbeitsintensiven Studiums.

Wer sich für Rechtswissenschaften einschreibt, der darf vor trocken formulierten Gesetzestexten und dickleibigen Kommentarbänden nicht zurückschrecken. Ein gutes Gedächtnis und präzises Arbeiten zählen zu den Kardinaltugenden. Grundsätzlich absolvieren Juristen zwei Ausbildungsabschnitte, das Studium und den Vorbereitungsdienst. Pflichtfächer während des Studiums sind bürgerliches Recht, Strafrecht, öffentliches Recht und Verfahrensrecht. Dazu kommen Europarecht, ein Sprachkurs für Juristen und Lehrveranstaltungen, in denen Schlüsselqualifikationen wie Gesprächsführung, Verhandlungsmanagement, Rhetorik, Vernehmungslehre oder Mediation vermittelt werden. Mindestens drei Monate Praktikum erlauben erstmals die Anwendung des theoretischen Wissens. Das erste Staatsexamen wird in der Regel nach neun Semestern abgelegt. Man darf damit jedoch noch längst nicht praktizieren, sondern ist Referendar.

Der anschließende Vorbereitungsdienst für das (entscheidende) zweite Staatsexamen dauert weitere zwei Jahre. Erst dieses so genannte Assessorexamen bescheinigt die "Befähigung zum Richteramt", die Voraussetzung ist für eine Tätigkeit als Richter, Anwalt oder Notar. Die Referendare arbeiten während ihres Vorbereitungsdienstes je mindestens drei Monate bei einem Gericht für Zivilsachen, einem Gericht für Strafsachen oder einer Staatsanwaltschaft und einer Verwaltungsbehörde sowie neun Monate bei einem Rechtsanwalt. Wahlstationen erlauben eine weitere Spezialisierung. Denn obwohl an den Universitäten bis heute der "Einheitsjurist" ausgebildet wird, wird die Profilierung immer wichtiger.

Juristen arbeiten klassisch bei Gerichten, Staatsanwaltschaften und in Rechtsanwaltskanzleien. Während die Rechtsanwälte häufig als Selbstständige tätig sind, müssen Staatsanwälte und Richter auch mit Bereitschaftsdiensten in der Nacht oder am Wochenende rechnen. Die öffentliche Verwaltung, etwa Ministerien, Behörden oder Ämter, braucht ebenfalls Spezialisten für die juristischen Abteilungen. Wer sich für die Laufbahn als Wirtschaftsanwalt entscheidet, hat vor allem mit Verträgen zu tun. Die Beratertätigkeit in Unternehmen oder Behörden ist eine Alternative für Juristen, die nur das erste Staatsexamen haben, einen Magisterabschluss oder das Diplom einer Fachhochschule. Steuerberatung, Notariate, Berufsverbände, Gewerkschaften, Banken, Versicherungen, Rechtssberatung - die Möglichkeiten für Juristen sind vielfältig. Die Konkurrenz allerdings ist groß; ein Prädikatsexamen und Zusatzqualifikationen wie Fremdsprachen, Betriebswirtschaft, soziale Kompetenz und EDV-Kenntnisse werden zunehmend wichtiger.

Fazit: Wer in die reglementierten juristischen Berufe will (Richter, Notar, Staatsanwalt und Rechtsanwalt), der braucht das zweite Staatsexamen. Wem eher eine Beratertätigkeit vorschwebt, dem kann ein anderer Abschluss genügen. Immer mehr Unis bieten sechssemestrige Bachelor-Studiengänge. Diese Entscheidung sollte man nicht zu spät treffen und schon während der Ausbildung Kontakte zu den gewünschten Branchen knüpfen.

 
(Von Katja Uhlemann)
 
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