Während ihrer Zeit in Sachsen hat Hobbyreiterin Ann-Berit Kerker noch viel über Pferde gelernt.
Foto: Wolfgang Schmidt
"Für das Leben sehr viel gelernt"
Ann-Berit Kerker absolviert in Sachsen ein ökologisches Jahr und damit eine ganz spezielle Vorbereitung auf ihr Studium
Großwaltersdorf. Pflanzen, Tierboxen ausmisten, Arbeit mit Kindern und Pferden, das war das ökologische Jahr für Ann-Berit Kerker aus Herford in Nordrhein-Westfalen. Sie sieht es als gute Vorbereitung auf ihr Studium.
Der Tag auf dem Trakehner-Gestüt Richter in Großwaltersdorf bei Augustusburg beginnt für Ann-Berit Kerker sehr früh. Ob Minusgrade oder Hitze: Um 6:30 Uhr werden die Pferde auf die Koppel gebracht und die Ställe ausgemistet. Doch das ist kein Problem: "Ich habe mich wegen der Pferde in Großwaltersdorf beworben", sagt die junge Frau aus Herford bei Bielefeld. Auf der Suche nach einer Alternative zum gerade geplatzten Studienbeginn war sie durch Zufall im Internet auf den Betrieb, der die langjährige Tradition der Trakehnerzucht in Großwaltersdorf fortsetzt, gestoßen. Aber warum gerade ein ökologisches Jahr? "Für Au-Pair habe ich mich nicht interessiert, außerdem ist ein Jahr im Ausland auch eine Kostenfrage", sagt die 20-Jährige.
In dem landschaftlich sehr schönen Großwaltersdorf hatte sie sich im Herbst vergangenen Jahres schnell eingelebt. Obwohl die Hobbyreiterin von Trakehnern bislang keine Ahnung hatte, fand sie schnell Zugang zu der edlen Warmblutrasse, von der nach Ende des Zweiten Weltkrieges nur einem kleinen Teil die Flucht von Ostpreußen in den Westen und damit der Fortbestand gelang. "Der Tag hier ist abwechslungsreich und ich lerne viel dazu", sagt Kerker. Wenn die Ställe wieder sauber und die Boxen mit frischem Stroh versehen sind, longiert sie die jungen Pferde, gibt Reitunterricht. Dann sind die Koppeln zu pflegen, die Sträucher am Koppelrand aufzuforsten, ab und an die Pfähle zu ersetzen oder neue Drähte zu ziehen und schließlich auch die Außenanlagen in Ordnung zu halten. Stolz ist sie auf eine Reit-AG, die sie mit aufgebaut hat und bei der Schülerinnen und Schüler den Umgang mit den Pferden lernen.
Ihrem Berufsziel Tourismusmanagement ist sie in dem Jahr sehr nahe gekommen. Neben der Betreuung der Ferienkinder hat sie unter anderem den Tag der offenen Tür des Gestüts mitorganisiert und bei der "Partner Pferd" in Leipzig am Messestand schon einmal gelernt, wie man sein Produkt verkauft und Kunden berät.
Die Zeit in Großwaltersdorf naht dem Ende. Ann-Berit Kerker freut sich auf ihr Studium, den Aufnahmetest an der Hochschule in Innsbruck hat sie bereits absolviert und sie wartet gespannt auf den Bescheid. Sie würde sich wieder für ein ökologisches Jahr entscheiden: "Ich habe viel für das Leben gelernt und bin selbstständiger geworden." Für Gestüts-Chefin Ina Richter ist klar: "Wir haben gute Erfahren gemacht und bieten das ökologische Jahr ab September wieder an."
Stichwort: Ökologisches Jahr
Das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) ist ein Bildungs- und Orientierungsjahr für Jugendliche im Alter von 16 bis 27 Jahren. Es beginnt jährlich am 1. September und dauert in der Regel zwölf Monate. Um es erfolgreich abschließen zu können sind min- destens sechs Monate notwendig. Das ökologische Jahr kann bei der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) als Wartesemester angerechnet werden. Es wird von den Ländern und einzelnen Trägern finanziell unterstützt und durchgeführt.