Um ihre Absolventen besser in die regionale Wirtschaft zu vermitteln, setzen die Hochschulen in Chemnitz, Freiberg, Zwickau und Mittweida jetzt auf die Angebote von spezialisierten Career-Service-Centern.Foto: Wolfgang Thieme
Hochschulen helfen beim ersten Karrieresprung
Bildungseinrichtungen in Südwestsachsen wollen ihren Absolventen mit ihren Career-Service-Angeboten den Einstieg in die Praxis erleichtern
Chemnitz. Im Spannungsfeld zwischen Wirtschaftskrise und Fachkräftemangel in der Region Südwestsachsen gehen die Universitäten in Chemnitz und Freiberg sowie die Hochschulen in Zwickau und Mittweida jetzt neue Wege. Mit der Gründung von so genannten Career-Service-Centern wollen sie den Karrieren ihrer Absolventen auf die Sprünge helfen. Nachdem im Dezember bereits an der Westsächsischen Hochschule Zwickau (WHZ) der Startschuss für ein solches Projekt fiel, folgte die Uni Chemnitz auf dem Fuße. In Freiberg und Mittweida geht es in diesem Jahr los.
Chemnitzer machen Studierende mit Workshops fit
"Ziel des Career Service ist es, die Studierenden bei Berufsorientierung, Bewerbung und Berufseinstieg zu unterstützen, sagte Ronald Herzog vom Career Service an der Chemnitzer Uni. Neben dem Informationszentrum, der individuellen Karriereberatung und der Vermittlung von Praktika beziehungsweise Jobs biete der Career Service Workshops an, in denen Fähigkeiten vermittelt werden, die in den Curricula der Studiengänge zum Teil keinen Platz haben, jedoch für die Beschäftigungsfähigkeit der Absolventen relevant sind. So sollen schriftliche, mündliche und soziale Kompetenzen der Studierenden erweitert und das Verhalten in Bewerbungsgesprächen und Assessmentcentern geprobt werden. "Die Basis unserer qualifizierenden Kurse sind wissenschaftlich fundierte Inhalte. Darüber hinaus sind wir daran interessiert, erfahrene Trainer zu gewinnen, die diese Inhalte praxisnah und anschaulich vermitteln", meinte Herzog. Spezielle Workshopinhalte sollen durch erlebnisorientierte Methoden möglichst spannend verpackt werden.
Zwickauer setzen auf praktische Arbeit in den Unternehmen
Das gleiche Ziel mit einem anderen Ansatz verfolgt die Job Factory an der WHZ. "Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, dass es Studenten mit sehr gutem Studienabschluss schwer fiel, in die Praxis einzusteigen", sagt Christian-Andreas Schumann. Der Professor für Wirtschaftsinformatik ist Direktor des Zentrums für neue Studienformen. Dieses hat das Projekt mit Unterstützung des europäischen Sozialfonds, des Freistaates Sachsen und der Sächsischen Aufbaubank an
der WHZ initiiert. In das auf 36 Monate angelegte Projekt fließen rund eine Million Euro. Nachdem Schumann die jungen Leute bei Projektarbeiten mit Unternehmen zusammenarbeiten ließ, seien den Absolventen von den Unternehmen ganz neue Perspektiven eröffnet wor-
den. Deshalb hält die Job Factory an dieser Erfolgsformel fest: Mit Projektarbeiten, die sich an den Anforderungen der Unternehmen orientieren, sollen die jungen Leute die Praxispartner von ihren Fähigkeiten überzeugen.
Freiberger analysieren noch die Strukturen
Für den Professor ist das auch ein Beitrag, um dem bevorstehenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken. "Die jungen Leute bewerben sich überall und sind froh, wenn es irgendwo klappt", so Schumann. In den meisten Fällen fiel die Entscheidung bisher für die alten Bundesländer.
Rund 480.000 Euro fließen in das bis Juli 2011 angelegte Career Center an der Bergakademie Freiberg. Dessen Aufbau startete bereits im August. Derzeit sind die Mitarbeiter mit der Bestandsaufnahme der bestehenden Strukturen an der Uni beschäftigt. Außerdem sollen gute Beispiele von Career Centern untersucht und der Bedarf von Studieren, Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung analysiert werden. "Auf Grundlage dieser Ergebnisse werden wir ein eigenes Konzept für ein Career Center entwickeln und an unserer Universität umsetzen", sagt Pressesprecher Christian Möls.
Mittweidaer Career Service startet in zweiter Jahreshälfte
An der Hochschule Mittweida laufen die Vorbereitungen für ein eigenes Career Service Center noch. Als Besonderheit sitzt dort das Bildungswerk der sächsischen Wirtschaft direkt mit im Boot. Das Angebot soll am 1. Juli starten.