Nicht das Ende der Welt

Wer sein Studium abbricht, steht beruflich meistens gar nicht schlecht da - Doch es gibt viele gute Gründe für einen Abschluss

Chemnitz. Es sollte nicht das Ende, es sollte der Anfang sein. Florian Breithaupt aus Berlin studierte mehrere Semester Lehramt, er konnte sich aber nie mit dem Gedanken anfreunden, irgendwann einmal als Lehrer zu arbeiten. Breithaupt orientierte sich während seines Studiums um, er machte Praktika im journalistischen Bereich. "Ich bekam schließlich einen Volontariatsplatz angeboten", sagt Breithaupt. Warum sollte er ablehnen? Breithaupt brach das Studium ab, heute ist er Redakteur beim Fernsehen. Einen Uni-Abschluss hat er nicht.

Der Studienabbruch - das Ende vom Karriereanfang? Nicht unbedingt. Bislang kamen Studien zum Studienabbruch des Hochschulinformationssystems (HIS) aus Hannover zu dem Schluss, dass Studenten in der Regel ihr Studium nicht ins Leere abbrechen, sondern erst, wenn sich eine gute Alternative auftut. Das galt zumindest für die alten Diplom- und Magisterstudiengänge. Neuere Erkenntnisse zeigen dann: "Für die Bachelorstudiengänge gibt es erste Indizien dafür, dass die Alternativen heute nicht mehr ganz so einfach sind. Es gibt aufgrund der veränderten Studienbedingungen kaum mehr die Möglichkeit, mit dem Studienabbruch so lange zu warten, bis man sich neue Alternativen erarbeitet hat", sagt Ulrich Heublein von HIS, tätig an der Universität Leipzig und Mitverfasser mehrerer Studien zum Studienabbruch.


Abbrüche leicht rückläufig

Das Studium abgebrochen. Was dann? Die häufigste Tätigkeitsform nach dem Studienabbruch ist "die Aufnahme einer Berufstätigkeit oder auch die Aufnahme einer Ausbildung", so Ulrich Heublein weiter. Das habe sich aller Voraussicht nach auch durch die neuen Bachelorstudiengänge nicht großartig geändert. Im OECD-Ländervergleich befindet sich Deutschland heute mit einer Studienabbruchquote von 21 Prozent im unteren Mittelfeld; die Studienabbrecherzahlen haben sich im Vergleich zu den 1970er Jahren Schätzungen zufolge anteilig in etwa verdoppelt. Gleichwohl sind die Studienabbrüche insgesamt in den letzten Jahren an deutschen Hochschulen etwas rückläufig: Bei der letzten Berechnung, die den Studienanfängern von 1997 bis 1999 galt, lag die Abbruchquote bei 22 Prozent. Rückläufig war der Studienabbruch der letzten Untersuchung vor allem an den Universitäten. Hier beträgt der Anteil der Studienabbrecher nur noch 20 Prozent. An den Fachhochschulen ist diese Quote hingegen gestiegen: um fünf Prozentpunkte auf 22 Prozent.

Florian Breithaupt kann sich noch genau daran erinnern. Eines Tages packte es ihn, er schmiss hin. "Das Studium hat mich einfach nicht angesprochen", sagt er. Breithaupt beendete das Studium nach sechs Semestern. Die Abbruchquoten sind von Fach zu Fach verschieden. Die höchsten Abbrecherquoten an den Universitäten gibt es im Bereich der Mathematik und Naturwissenschaften mit 28 Prozent. Niedrige Quoten gibt es hingegen im Bereich Medizin, Gesundheitswissenschaften (5 Prozent), Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften, gefolgt von den Lehrämtern (8 Prozent).

Der Wunsch nach beruflicher Neuorientierung hat beim Studienabbruch neuesten Studien zufolge abnehmende Bedeutung (10 Prozent), ebenfalls familiäre Probleme (7 Prozent) und Krankheit (4 Prozent). Drei Motive dominieren: 20 Prozent aller befragten Studienabbrecher fühlen sich den Anforderungen des Studiums nicht gewachsen - insgesamt sind 31 Prozent der Studienabbrecher aus Gründen der Überforderung gescheitert. Das bedeutet einen Anstieg von 11 Prozent im Vergleich zum Studienjahr 2000.


Falsche Erwartungen

Probleme der Studienfinanzierung führten wiederum für 19 Prozent der Befragten zum Studienabbruch. Von ähnlich großer Bedeutung ist das vorzeitige Beenden des Studiums aufgrund mangelnder Studienmotivation, das gaben 18 Prozent an. Viele Studierende haben sich mit falschen Erwartungen an die fachlichen Inhalte und die Bedingungen und Anforderungen des Studiums immatrikuliert. Studienabbrecher sind nach bisherigen Erkenntnissen in der Regel ein halbes Jahr nach ihrer Exmatrikulation nicht zu einem wesentlich höheren Anteil arbeitslos als Universitätsabsolventen - das zu etwa zehn Prozent in allen Fächergruppen, wenngleich es keine genauen Erkenntnisse darüber gibt, was nach zwei, drei oder mehreren Jahren nach dem Abbruch des Studiums passiert, wie sich die Karriereverläufe dann entwickeln.

Das Studium abzuschließen ist dennoch besser. Zwar haben es Bill Gates, Mick Jagger oder auch Steven Spielberg ohne Uni-Zertifikat weit gebracht. Noch immer ist eine gute Bildung aber die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit und das wird auch so bleiben: Die Arbeitslosenquote unter Akademikern liegt seit langem unter der Fünf-Prozent-Marge. Vielfach ist es zudem notwendig, einen Abschluss zu haben: Wer Rechtsanwalt werden will, braucht das erste und zweite Staatsexamen. Wer Arzt werden oder in die wissenschaftliche Forschung möchte, kommt um einen Uni-Abschluss nicht herum. Da nützen auch die besten Arbeitserfahrungen und Kontakte nichts.

 
erschienen am 27.03.2010 (Von Jens Thomas)
 
Kommentare
0
(Anmeldung erforderlich)

 
 
 
Artikel weiter empfehlen
per E-Mail per Bookmark
 
Facebook Teilen   Twittern  
 
Ärztliche Notdienste

Apotheken und Ärzte der Region

Manchmal muss es schnell gehen. Notrufe und Notdienste der Apotheken und Ärzte von Annaberg bis Zwickau finden Sie hier.

weiter lesen
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Blumen versenden

Am 14. Februar ist Valentinstag

Überraschen Sie Ihre Liebsten mit einem wunderschönen Blumenstrauß. Hier könnnen Sie schnell und einfach Blumengrüße innerhalb Deutschlands verschicken. Auf Wunsch mit persönlichem Grußkärtchen.

weiter lesen
 
 
 
 
 
Content Partner

OA ist ein Online-PR & Social Media News Portal für effiziente Öffentlichkeits- und Pressearbeit.

 
Wissenstests

Was steht im Zeugnis?

Verstehen Sie, was Ihnen Ihr Chef im Arbeitszeugnis mit auf den Weg gibt?

weiter lesen

Kann man das tatsächlich studieren?

Anfang des 20. Jahrhunderts gehörte die Physik noch zu den exotischen Studiengebieten. Aber welche Fächer kann man tatsächlich studieren?

weiter lesen

Skurrile englische Berufsbezeichnungen

Wissen Sie, welche Berufe sich hinter den Begriffen verbergen?

weiter lesen

Weitere Wissenstests

Business Knigge

Arbeitsrecht

 
Webtipps