Ein abwechslungreicher Beruf: IT-Systemelektroniker .Foto: fotolia.de
"Ruf doch mal einer den Mann von der Technik!"
Computerprofis haben eine Vielzahl von Aufgaben zu bewältigen - Doch die Branche ist längst kein Job-Schlaraffenland mehr
Chemnitz. "Nicht schon wieder, Himmelar...!" In der Leistungsabteilung der Krankenkasse stöhnt eine Angestellte verzweifelt auf und Sekunden später verkünden auch die Bildschirme der Kolleginnen die gefürchtete Botschaft. Die Computer machen mitten im größten Stress vorfristig und auf unbestimmte Zeit Feierabend. Pfutsch die eben bearbeiteten Bescheide, im Eimer der restliche Tag. Oder kann der Mann von der Technik da noch irgendwas retten? Wie war doch gleich seine Telefonnummer? Ein typischer Fall für den IT-Systemelektroniker, doch nur einer von vielen - denn Daten zu retten und Netzwerke schnell wieder zum Laufen zu bringen, sind keineswegs die einzigen Aufgaben der von unbedarfteren PC-Nutzern gern verwünschten, oft aber heimlich bewunderten Experten.
IT steht für Information und Telekommunikation - ein noch relativ junger Wirtschaftszweig mit rasanter technischer Entwicklung, der sich seine passenden Berufe erst schaffen musste. Obwohl sie 1997, also in einer Boomzeit, mit großen Zukunftsverheißungen eingeführt wurden, hat sich heute bereits Ernüchterung eingestellt. Denn trotz der Innovationskraft der Branche ist der anfangs beachtliche Zuwachs an Ausbildungs- und Arbeitsplätzen im Osten rasch ins Stocken geraten, und auch in den IT-Zentren der alten Bundesländer werden einem längst keine lukrativen Angebote mehr nachgeworfen.
Berufserfahrung, gute Englischkenntnisse und die Bereitschaft, in anderen Regionen oder im Ausland sein Glück zu versuchen, verbessern die Chancen für IT-Systemelektroniker. Zudem ist angesichts ständig neuer Produkte und Lösungen Weiterbildung geradezu überlebensnotwendig. Vor allem für Fachkräfte ohne Job - und davon gibt es nach Abflauen des Anfangshochs einige - stellt diese Besonderheit ein Problem dar: Ein halbes Jahr raus aus dem Beruf und das eigene Wissen ist teilweise reif fürs Industriemuseum. Nicht einfach, da wieder Fuß zu fassen.
Wer IT-Systemelektroniker werden will, sollte neben der Freude an Computern eine gute Auffassungsgabe mitbringen, logisch denken, gut planen, mit anderen Menschen umgehen und sich schnell auf veränderte Anforderungen einstellen können sowie einfallsreich und vor allem psychisch belastbar sein. Auch ein gewisses handwerkliches Geschick und Mut zur Eigenverantwortung sind erforderlich, ebenso wie gut funktionierende Augen und Ohren. Außerdem braucht man den Realschulabschluss.
Die Erstausbildung dauert normalerweise drei Jahre und wird im Lehrbetrieb (Praxis) und in der Berufsschule (Theorie) absolviert. Eine gängige Einstiegsvariante ist aber auch der Besuch einer einjährigen Berufsfachschule - die Azubis besorgen sich dazu einen Vorvertrag mit einem Betrieb, der sie anschließend für die restlichen beiden Jahre übernimmt. Nach dem Abschluss spezialisieren sich die jungen Leute dann je nach Unternehmen und eigenen Neigungen auf Computersysteme, Festnetze, Funknetze, Endgeräte oder Alarm- und Sicherheitssysteme. Sie arbeiten in der Installation und Montage, in Service, Vertrieb und Verkauf, als Systembetreuer, Datenbank- oder Netzwerkadministrator und in anderen Bereichen mehr und haben dabei zum Teil erhebliche Strecken zum Kunden zurückzulegen. Groß ist auch die Palette potenzieller Arbeitgeber - neben Systemhäusern, Rechenzentren und anderen IT-Unternehmen gehören dazu nämlich im Prinzip alle (größeren) Firmen und Verwaltungen, die mit entsprechender Technik arbeiten und sich dafür eigene Leute leisten.
Mit zunehmender Qualifikation können IT-Systemelektroniker innerbetrieblich aufsteigen, zum Beispiel zum Disponent oder Projektleiter. In der beruflichen Aufstiegsqualifizierung stehen Kurse etwa zum Industriemeister Elektrotechnik, Techniker oder Technischen Fachwirt offen - ebenso wie die Chance, sich selbstständig zu machen.