Vierfache Mutter holt Abi und Studium nach
Katharina Esche absolviert Abendgymnasium in Chemnitz und steht jetzt vor Soziologie-Diplomarbeit
Chemnitz. 550 Erwachsene legten in den letzten 15 Jahren weit nach dem Ende ihrer regulären Schulzeit das Abitur ab. Am Abendgymnasium büffeln sie drei Jahre in ihrer Freizeit. Katharina Esche war eine von ihnen. Die 32-jährige Chemnitzerin studiert jetzt. Grit Strietzel sprach mit der Mutter von vier Kindern.
Freie Presse: Warum haben Sie das Abitur am Abendgymnasium nachgeholt?
Katharina Esche: Ich habe nach der 10. Klasse eine Berufsausbildung zur Hotelfachfrau gemacht. Doch irgendwann merkte ich, dass ich beruflich mehr will.
Freie Presse: Also fingen Sie kurz nach der Geburt ihres ersten Kindes an, noch mal zu büffeln?
Esche: Durch die Berufsausbildung war ich nicht so lang aus dem Lernen raus. Da klappte der Einstieg ganz gut. Aber auch die anderen aus meiner Klasse haben sich recht schnell daran gewöhnt, dass man sich jeden Abend konzentrieren musste.
Freie Presse: Was haben Sie nach dem Abitur gemacht?
Esche: Ich habe noch während dieser Zeit mein zweites Kind bekommen und mich dann für ein Wirtschafts-Informatik-Studium entschieden. Aber ich merkte schnell: Das war nichts für mich.
Freie Presse: Also doch kein Studium?
Esche: Doch, ich habe dann an der TU Chemnitz angefangen, Soziologie zu studieren. Und jetzt schreibe ich an meiner Diplomarbeit.
Freie Presse: Wird man nicht komisch von den jüngeren Kommilitonen angeschaut, wenn man mit nun vier Kindern studiert?
Esche: Nein, wenn ich von mir erzähle, wird das immer positiv aufgenommen.
Freie Presse: Haben Sie noch Kontakt zur ehemaligen Abiturklasse?
Esche: Ja, wir sind damals richtig zusammengewachsen. Einmal im Jahr treffen wir uns und erinnern uns gern an das gemeinsame Lernen und vor allem an die Studienreisen nach England, Italien und Irland.
Freie Presse: Und wie geht es nach der Diplomarbeit weiter?
Esche: Ich würde gern an der Uni bleiben und in die Forschung gehen.
Freie Presse: Ist die Belastung, das Abitur nachzuholen, nicht enorm?
Esche: Es ist schon anstrengend, aber die Lehrer helfen immer und nehmen auf die Tatsache Rücksicht, dass die "Schüler" erst nach der Arbeit zu ihnen kommen. Ich hatte zudem das Glück, dass mich meine Familie bei der Kinderbetreuung unterstützt hat. Weil die Freizeit einfach knapp ist, hat man natürlich weniger Zeit für seine Freunde. Ich habe aber neue Freundschaften geschlossen, die bis heute halten.