Wenn aus Kollegen Feinde werden

Bei Mobbing bietet frühzeitige Gegenwehr die größten Erfolgschancen - Vor allem in Krisenzeiten wächst die Konkurrenz

Berlin. In Krisenzeiten steigt der Druck am Arbeitsplatz. Vor allem wenn Stellen wegfallen, werden aus Kollegen häufig Konkurrenten um die verbleibenden Jobs. Damit wächst auch das Mobbing-Risiko: Fortgesetzte Schikanen und systematische Erniedrigung sollen die vermeintlich schwächsten Mitarbeiter schnell zur Kündigung drängen.

Leider hat diese Strategie häufig Erfolg. Einer Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zufolge verlassen die weitaus meisten Mobbing-Opfer früher oder später das Unternehmen. Nur etwa jeder fünfte Betroffene setzt sich mit Erfolg zur Wehr und bleibt. Wichtig ist vor allem die frühzeitige Auseinandersetzung mit dem Problem, wie ein aktueller Ratgeber der BAuA und der "Initiative Neue Qualität der Arbeit" (INQA) betont.


Gerüchte und Unwahrheiten

Viele Arbeitnehmer bemerken erst spät, dass aus gelegentlicher Kritik, kleineren Auseinandersetzungen und Sticheleien ein festes Muster fortgesetzter Herabsetzung geworden ist. Akuter Handlungsbedarf bestehe, wenn mehrere Mobbing-Merkmale erfüllt seien, so die Autoren. Typisch für Mobbing ist demnach die Verbreitung von Gerüchten und Unwahrheiten, eine kontinuierlich zu schlechte Bewertung der Arbeitsleistung und die Abschottung der Mobbing-Opfer von wichtigen Informationen, beispielsweise dem Termin einer kurzfristig angesetzten Abteilungssitzung. Eher selten ist offensichtliches Mobbing.

Wer sich als Mobbing-Opfer identifiziert, kann zunächst den Täter direkt ansprechen. Sofern es einen konkreten Grund für die Attacken gibt, lässt sich möglicherweise eine Einigung finden. Scheitert die Aussprache, sollten Betroffene so schnell wie möglich nach Verbündeten im Kollegenkreis suchen.

Ist das nicht möglich, weil das Mobbing von mehreren oder sogar allen direkten Mitarbeitern ausgeht, sind die nächsten Ansprechpartner der Betriebs- oder Personalrat, Vorgesetzte oder auch die Gewerkschaft. In etwa vier von zehn Fällen ist der Täter allerdings ein direkter Vorgesetzter, so dass Betroffene entweder gar keinen Ansprechpartner für eine Beschwerde haben oder gleich die nächste Hierarchieebene anrufen müssen - eine Hemmschwelle, vor der viele zurückschrecken.

Sinnvoll ist auf jeden Fall der Gedankenaustausch mit Personen außerhalb des Unternehmens. Neben Freunden und Familienmitgliedern können dies auch Menschen in Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen sein.


Klage als letztes Mittel

Das letzte Mittel gegen Mobbing ist die Klage. Zwar lässt sich das Wohlverhalten von Kollegen oder Vorgesetzten auch nicht durch einen Richterspruch erzwingen, zumindest aber Schmerzensgeld durchsetzen. Aussicht auf Erfolg besteht aber nur dann, wenn Kläger eine andauernde und systematische Erniedrigung belegen können. Übrigens können Mobbing-Opfer auch von ihrem Arbeitgeber Schmerzensgeld fordern, wenn dieser nichts gegen die ständigen Erniedrigungen unternimmt. Allerdings können Betroffene nicht verlangen, dass Mobber entlassen werden (Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 25. Oktober 2007, AZ: 8 AZR 593/06).



Service

Eine Übersicht mit vielen Ansprechpartnern gibt es im Internet unter der Adresse www.personalrat.uni-vechta.de/108.html. Zudem kann die Broschüre "Wenn aus Kollegen Feinde werden..., Ratgeber zum Umgang mit Mobbing", bei der INQA kostenfrei bestellt werden, inqa.de, Telefon 0231 9071-2171. (ddp)

 
erschienen am 23.01.2010 (Von Hendrik Roggenkamp)
 
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