Workshop ist nicht gleich Workshop
Damit die Ideenfindung erfolgreich ist, braucht es Struktur und die richtigen Personen beim Tüfteln und Denken
Chemnitz. "Lasst uns mal einen Innovationsworkshop machen." Das beschließen Unternehmen oft, wenn sie neue Ideen suchen. Doch dann sitzen die Workshop-Teilnehmer zusammen und nichts geschieht: Der Ideenstrom ist ein dünnes Rinnsal. Denn für eine erfolgreiche Ideensuche sind die Rahmenbedingungen entscheidend.
Erfolgsfaktor 1: Kreativität braucht Beschränkungen
"Gehen Sie offen an die Sache heran - ohne Beschränkungen." Wird die Ideenfindung so gestartet, ist der Misserfolg programmiert. Bei einer zu allgemeinen Fragestellung verzetteln sich die Teilnehmer schnell. Deshalb sollte das Suchfeld eingegrenzt werden. Denn Beschränkungen behindern nicht die Kreativität, sie fördern diese.
Bei der Entwicklung eines neuen Cockpits für einen Sportwagen beispielsweise endet die Ideenfindung ohne konkrete Vorgaben zumeist in gedanklichen Spinnereien mit geringem Nutzwert. Deshalb sollte die vorgegebene Suchfrage so konkret wie möglich sein. Anstelle von "Wie kann ein Cockpit aussehen, das die Hälfte kostet?" sollte gefragt werden "Wie kann ein Cockpit aussehen, das die Hälfte kostet, aber nach Luxus aussieht?"
Erfolgsfaktor 2: Das Unmögliche fordern
"Wir entwickeln im Workshop erste Ideen. Ob sie umsetzbar sind, das sehen wir später." Falsch! Nicht erste, sondern erfolgreiche Ideen sind gefragt.
Große Ziele werden nicht mit mittelmäßigen Vorgaben erreicht. "Wir werden in zehn Jahren zum Mond fliegen und sicher zurückkommen." Als John F. Kennedy dies 1960 sagte, bekamen die Nasa-Techniker einen Riesen-Schreck: Menschen zum Mond zu bringen, ist kein Problem. Aber sie wieder zurück bringen? Das ist unmöglich. Kennedy forderte das Unmögliche. Nur deshalb landete die Apollo 12 zehn Jahre später auf dem Mond.
Erfolgsfaktor 3: Die Auswahl der richtigen Teilnehmer
Viele Innovationsworkshops scheitern zumeist deshalb, weil die Teilnehmer falsch ausgewählt wurden. Die richtige Mischung von Tüftlern und Visionären bestimmt den Erfolg maßgeblich mit. Tüftler sind "Problemknacker"- also Menschen, die sich gerne mit (technischen) Details befassen. Sie wissen bei neuen Ideen aber meist auch schnell, warum diese "nie funktionieren"- noch bevor sie die Ideen geprüft haben. Sind zu viele Tüftler beim Workshop dabei, bleiben wirklich neue Lösungen zumeist aus.
Bei der Entwicklung des neuen, interaktiven Cockpits für einen Sportwagen könnten Tüftler aus der Firma oder Organisation mit Tüftlern aus anderen Branchen gemischt werden. Kernfrage ist dabei: Welche Kompetenzen werden im Workshop benötigt? Wo sind diese Experten zu finden? Wie bringe ich sie zusammen? Wie kann ein gutes Klima und Verständnis unter den Teilnehmern verschiedener Branchen erreicht werden? Denn die Tüftler einer Softwareschmiede sprechen ein anderes Fachchinesisch als die Experten aus der Mobilfunkbranche.
Erfolgsfaktor 4: Ideenklau
Das klingt böse! Ist es aber nicht. Für den Erfolg eines Kreativ-Workshops ist eine systematische Suche nach möglichen Inspirationsquellen wichtig. Denn bei vielen Innovationsworkshops beginnt die Ideenfindung bei null. Kaum sind die Teilnehmer im Raum, sollen sie kreativ werden und schmoren oft nur im eigenen Saft. Übersehen wird: In Tausenden von Innovationsworkshops weltweit wurden schon clevere Lösungen entwickelt. Diese sollten als Inspirationsquelle genutzt werden.
Erfolgsfaktor 5: Motivation! Motivation! Motivation!
Was ist der wichtigste Erfolgsfaktor für Kreativität? Die US-Wissenschaftlerin Teresa Amabile von der Harvard-Universität hat eine einfache Antwort: Motivation. Der Innovationsworkshop sollte deshalb keine Zeitverschwendung, sondern ein Erlebnis sein, und das Ideensuchen sollte Spaß machen. Wichtig dabei ist die Moderation. Sie muss die Teilnehmer zu einem ungewöhnlichen Denken animier. Ein guter Moderator ist fokussiert auf das wichtigste Ziel: Erfolg. Zudem hat er Qualitäten, die ihn auch für einen Animateurjob qualifizieren würden. Denn einer der wichtigsten Treiber beim Ideensuchen ist Humor.
Hintergrund
Jens-Uwe Meyer ist Geschäftsführer der Ideologen - Gesellschaft für neue Ideen GmbH in Baden-Baden. Es ist bundesweit die erste Beratungsfirma für strategische Ideenfindung.