Ruth Geier.Foto: W. Schmidt/Archiv
Zehn Fehler, die der Personalchef nicht verzeiht
Was bei Bewerbungen zu beachten ist - Sprachwissenschaftlerin Ruth Geier gibt Studenten in Chemnitz Hilfestellung
Personalchefs geben den Bewerbern meist nur wenige Sekunden. Kurze, wertvolle Zeit, um zu punkten und den Traumjob zu bekommen. Das geht nur mit der richtigen Bewerbung. Ruth Geier arbeitet für die Sprachberatung der TU Chemnitz. Sie gibt dort Studenten Hilfestellung bei der richtigen Bewerbung. Bisher hat sie noch immer Fehler gefunden. Nun hat sie "Freie Presse" Mitarbeiterin Hannah Metzger die zehn schlimmsten Fallen verraten.
1. Formale Fehler
Die Bewerbung muss technisch einfach völlig korrekt und einwandfrei sein. Es gibt Schreib- und Gestaltungsregeln für die Textverarbeitung. Darin geht es um die Gliederung eines Briefs in Kopfbereich, Anschrift, Text und Fußbereich - von oben nach unten. Hier dürfen keine Fehler passieren. Hilfreich ist es, sich vorher nach einem direkten Ansprechpartner zu erkundigen. So kann das "Sehr geehrte Damen und Herren" vermieden werden - und der Personalchef fühlt sich direkt angesprochen. Aber: unbedingt den Namen buchstabieren lassen, denn Schreibfehler im eigenen Namen liest keiner gern.
2. Passiv schreiben
Oft stehen in Bewerbungen solche Sätze wie "mir wurden im Praktikum folgende Aufgaben übertragen...". Da kann ich mir doch direkt vorstellen, wie derjenige während der Arbeit als kleines Mäuschen an seinem Schreibtisch saß und gewartet hat, bis ihm jemand Aufträge erteilt. Das sollte man so nicht machen. Besser ist es, die Tätigkeiten möglichst aktiv zu formulieren. Also: Ich organisierte, ich war verantwortlich für...
3. Platte Behauptungen
Bloße Behauptungen wie "ich bin teamfähig" oder "ich bin kommunikativ" haben in einer Bewerbung möglichst nichts verloren. Das ist zu platt. Besser ist es, der Jobanwärter schreibt davon, dass er zum Beispiel seit drei Jahren in einer Volleyballmannschaft spielt. Damit ist die Teamfähigkeit ein Faktenargument.
4. Ratgeber kopieren
Es gibt ja unzählige Bücher über das richtige Bewerben. Vieles sind auch Standardwerke - die aber eben auch die Personalchefs kennen. Es sollte also keiner der Versuchung erliegen, einfach ganze Passagen aus diesen Büchern zu kopieren. Diesen Schwindel durchschaut jeder Entscheidungsträger sofort. Und das ist dann ein bloßes Argument für die Einfallslosigkeit des Bewerbers.
5. Keine Korrektur
Bevor man die Bewerbung abschickt, sollte sie unbedingt jemand anderes Korrektur lesen. Denn durch das Schreiben wird man schnell betriebsblind und sieht Fehler nicht mehr. So passieren dann Sachen wie zum Beispiel der Sch(w)eißerpass, bei dem das W vergessen wurde. Außerdem hat ein anderer auch immer ein anderes Bild vom Bewerber und kann damit besser erkennen, was zwischen den Zeilen steckt.
6. Etwas Vortäuschen
Egal was in der Bewerbung behauptet wird - spätestens im direkten Gespräch kommt alles zum Vorschein. Deshalb bringt es auch nichts, zum Beispiel im Brief zu behaupten, man sei kommunikativ, wenn das nicht stimmt. Wer dann nämlich still und verschüchtert vor dem Chef sitzt, scheidet spätestens dann aus. Also gilt: bei der Wahrheit bleiben.
7. Standardfloskeln
Man sollte immer darauf eingehen, wo genau man sich bewerben will. Weder Standardfloskeln noch gewagte Experimente helfen weiter. Der Bewerber sollte den bestimmten Betrieb mal im Internet suchen - und dann in der Bewerbung vielleicht darauf anspielen. Das zeugt von Engagement.
8. Wiederholungen
Wenn ein Anschreiben beginnt mit "Ich heiße Max Mayer und ich möchte mich bei ihnen bewerben" legt der Personalchef das Ding sofort weg. Das ist überflüssig. Der Name steht oben im Briefkopf und bei der Unterschrift. Ein Anschreiben soll ohnehin nur eine Seite lang sein - da ist kein Platz für Dopplungen.
9. Unter Wert verkaufen
Viele Bewerber benutzen Formeln wie "ich würde gerne" oder "ich könnte etwas tun" - das ist unnötig. Da kann man ruhig ein bisschen selbstsicherer rangehen. "Ich kann" und "ich werde" sind ja nicht falsch. Natürlich soll dabei aber auch nicht übertrieben werden.
10. Rechtschreibfehler
Selbst die beste Bewerbung geht schief, wenn die Rechtschreibung nicht überprüft wird. Was Orthografie und Grammatik betrifft, sind viele sehr nachlässig. Ein häufiger Fehler: Die Anreden werden klein geschrieben. Auch nach der neuen deutschen Rechtschreibung spricht man im Brief denjenigen mit "Sie" an oder sagt "Ihre...".