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Foto: Jens Kalaene/dpa

Dispokredit: In Mittelsachsen ist er am teuersten

Die Zinsen fürs Kontoüberziehen schwanken stark. Für Deutschlands Sparkassen liegt nun erstmals ein Vergleich vor. Auch in Sachsen gibt es deutliche Unterschiede.

Von Jan-Dirk Franke
erschienen am 02.03.2016

Chemnitz. Wer sein Geld bei der Bank anlegt, kann das nur zu sehr niedrigen Zinsen tun. Kunden, die ihr Girokonto überziehen, müssen hingegen saftige Gebühren zahlen. Die Höhe dieser Dispozinsen fällt dabei je nach Institut unterschiedlich aus. Allein bei den Sparkassen reicht die Spanne von 5,7 bis 12,75 Prozent. Die Institute in Südwestsachsen liegen bis auf das Haus in Chemnitz über der Elf-Prozent-Marke und gehören damit zu den eher teureren Anbietern, wie aus dem ersten Zinsvergleich von 391 Sparkassen hervorgeht, den das Recherchenetzwerk Correctiv und die "FAZ" erstellt haben. Betrachtet man die gesamte Branche, ist die Spanne noch größer. Laut der FMH-Finanzberatung liegt bei deutschen Banken die Spanne für einen Dispo zwischen 4,35 und 12,59 Prozent.

Das sachsenweit teuerste Haus unter den öffentlich-rechtlichen Instituten sitzt in Freiberg. Die Sparkasse Mittelsachsen verlangt der Erhebung nach - die Daten wurden zwischen November 2015 und Februar erfasst - Dispozinsen von 12,33 Prozent. Noch teurer wird es, wenn das Konto über den vereinbarten Disporahmen hinaus überzogen wird: 18,33 Prozent werden dann fällig, bundesweit der Spitzenwert.

Deutlich besser kommen Kunden der Sparkasse Chemnitz weg. Dispo- und Überziehungszinssatz liegen hier bei 9,815 Prozent. Die Sparkassen Erzgebirge (11,17), Vogtland (11,63), Zwickau (11,56) und Döbeln (11,62) liegen ziemlich eng beieinander, verlangen aber mehr als etwa die Häuser in Meißen, Dresden und Bautzen. Am günstigsten ist es am östlichsten Rand von Sachsen: Die Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien in Zittau nimmt von ihren Kunden "nur" 8,51 Prozent.

Bei den Guthabenzinsen unterscheiden sich die Sparkassen allerdings kaum: Sie liegen fast überall bei null oder nahe null Prozent. Doch weshalb kommen die Unterschiede zustande? Und wieso fallen die Dispozinsen so hoch aus? Schließlich befindet sich das Zinsniveau auf Tiefstand. Der Leitzins, zu dem sich Kreditinstitute bei Noten- und Zentralbanken Geld leihen können, liegt derzeit bei 0,05 Prozent.

Alexander von Schmettow, Sprecher beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV), verweist darauf, dass "der Dispokredit ein sehr kompliziertes Produkt" ist. Die Bank könne nicht planen, denn sie wisse vorher nicht, wer wann und wie lange welche Summe in Anspruch nimmt. Es gebe andere Möglichkeiten, um Engpässe zu überbrücken. "Der Dispo ist die deutlich schlechteste Lösung", betonte er.
Unterschiede hält er für normal. Die Sparkassen agierten in regional unterschiedlichen Märkten und Wettbewerbssituationen. Zudem sei der Dispo nur ein Bestandteil eines Gesamtpakets, für das sich Kunden entschieden. Eine Obergrenze, wie sie Verbraucherschützer und Politiker fordern, hält er für falsch. Das würde zu überall gleichen Sätzen führen, glaubt er. Der Bundesrat hatte erst im Herbst 2015 eine Empfehlung ausgesprochen: Der Satz für Dispokredite sollte nicht mehr als acht Prozent über dem jeweiligen Basiszinssatz liegen.

 
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Kommentare
1
(Anmeldung erforderlich)
  • 03.03.2016
    23:46 Uhr

    321meins: Das "Aushängeschild" Sparkasse Mittelsachsen. Sachsenweit das teuerste Haus unter den öffentlich-rechtlichen Instituten - Sitz in Freiberg. Na da können sich doch die Damen und Herren auf die Schulter klopfen. Zu erwähnen wäre noch der Umgangston mancher Angestellten gegenüber den Kunden, den ich leider schon des öfteren unfreiwillig mit anhören musste. Es ist an der Zeit, endlich die Bank zu wechseln.

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